5 Gründe, warum du andere Menschen nicht retten oder ändern kannst

Wir haben es wahrscheinlich alle schon erlebt. Es gab oder gibt Menschen in unserem Leben, die wir bedingungslos lieben. Vielleicht haben diese gerade zu kämpfen oder hatten Schwierigkeiten, bei denen du ihnen geholfen und beigestanden hast. Dies könnten Kummer, der Verlust von einem geliebten Menschen, Süchte, traurige Stimmungen, Existenzängste oder andere Sorgen gewesen sein.

Wie hast du dich während dieser „Reise“ gefühlt? Hast du dich persönlich betroffen gefühlt? So, als wäre es auch dein Problem, das du lösen musst?

Bewahre den Glauben an das Gute im Menschen

In meinem Job, aber vor allem während meines klinischen Praktikums in einer privaten Psychotherapie Praxis, habe ich schon viele traurige Geschichten gehört, viele schwierige Situationen verfolgt und zahlreiche selbstzerstörerische Verhaltensweisen gesehen. Wenn ich mir da für jeden Einzelnen selbst das Ziel der „Rettung“ gesetzt hätte, wäre ich sehr schnell emotional ausgebrannt. Oder wenn ich während meines sechsmonatigen Praktikums bei der Polizei in den USA jeden Tod bzw. Mord oder jeden Fall häuslicher Gewalt an mich heran gelassen hätte, dann wäre es so gut wie unmöglich gewesen, eine Chance zu haben, einmal tief durchzuatmen und meinen Glauben an das Gute im Menschen zu bewahren.

Also wenn du das nächste Mal frustriert bist und versuchen solltest, die Kontrolle über die Gedanken und Handlungen einer anderen Person zu erlangen, dann erinnere dich an diese fünf Gründe, warum du andere Personen nicht ändern oder retten kannst:

1. „Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Lehrer“
Dies ist ein Motto, wonach ich gelernt habe zu leben. Wenn du von deinem Versuch überzeugt und besessen bist, jemand anderen zu ändern oder dazu bringen willst etwas zu tun – von dem du der Meinung bist, dass dies das Beste für die Person ist – wirst du wahrscheinlich nur frustriert und verärgert werden. Dies wiederum wird zu Konflikten führen und die andere Person wahrscheinlich eher dazu bringen, sich von dir zu distanzieren. In diesem Fall ist niemandem geholfen. Also, wirklich alles was du tun kannst, ist sich um dich selbst und deine eigenen Gefühle zu kümmern und für die andere Person während dieser schweren Zeit da zu sein, so gut es dir möglich ist.

2. Absolut nichts ersetzt persönliche Erfahrung
Das bedeutet, dass man den (Tief-)Punkt selbst erreichen muss, um aufstehen zu können. Als Teil meines Masterstudiums besuchte ich Treffen der Anonymen Alkoholiker (AA), Anonymen Drogensüchtigen (NA) und Anonymen Essgestörten (OA) in Chicago. Es ist schwer mit anzusehen wie andere Menschen „untergehen“, aber es gibt nicht wirklich einen Weg ihnen zu helfen, wenn sie nicht bereit dazu sind, dass ihnen geholfen wird.

Bei der Behandlung von Suchterkrankungen wendet man oft das „12-Stufenprogramm“ an. Dieses beschreibt, dass der erste Schritt des Heilungsprozesses darin besteht, sich „zu ergeben“ und einzugestehen, dass man machtlos über die Sucht ist. Das Gleiche gilt auch für Menschen, die sich destruktiv oder auf eine andere Weise selbstzerstörerisch verhalten. Sie müssen erst selbst dazu bereit sein zuzuhören, und die Hilfe anderer anzunehmen. Denk doch selbst mal an eine Situation, in der einer deiner Freunde oder ein Familienmitglied unter starken (Zahn-, Gelenk-,etc.)Schmerzen litt und sich einfach geweigert hat, zum Arzt zu gehen. Es ist wirklich hart so etwas mit anzusehen, oder? Jedoch muss eben erst der Schmerz oder das Unbehagen, dass sie erleben, größer sein, als die Angst vor der Veränderung oder der Gang zum Arzt.

3. „Man kann ein Pferd zum Wasser führen , aber man kann es nicht zum Trinken zwingen“
Das ist so leicht gesagt, nicht wahr? Dies ist ein tolles Sprichwort, das einer meiner Professoren einmal zu mir gesagt hat. Wie gesagt, es ist wirklich schwer jemandem dabei zuzusehen, wie er/sie „untergeht“. Wir müssen uns aber daran erinnern, dass sich diese Person selbst herausziehen muss, zwar mit der Unterstützung der anderen, aber mit eigener Stärke.

Denk daran, dass du den Zweck des selbstzerstörerischen Verhaltens nicht kennst. Ob du es glaubst oder nicht, einige Leute leiden eigentlich sogar gern und sind immer auf der Suche nach Situationen oder umgeben sich mit Menschen, die sie zum „Scheitern“ oder „Leiden“ bringen , sodass sie ihre negative Einstellung und Annahmen über das Leben bestätigen können. Es ist so, als wollen sie sagen können: „Seht ihr! Ich hatte recht! Die anderen Menschen bzw. das Leben sind/ist ungerecht! Ich habe nie Glück, werde immer verletzt oder in Schwierigkeiten gebracht.“

Dies ermöglicht ihnen wiederum erfolgreich in ihrer Situation zu bleiben und mehr Argumente dafür zu sammeln, dass die Welt „da draußen“, die außerhalb ihrer Komfortzone liegt, gemein ist und es besser ist, nicht „da raus“ zu gehen. Vergiss nicht: „Schmerz ist unvermeidlich. Leiden ist optional. “ Das ist es wirklich.

4. Es gäbe keine Selbst-Entwicklung oder Verbesserung, wenn es jemand für dich übernehmen würde
Denk mal darüber nach. Wenn du deinen Liebsten immer sagen würdest, was sie machen sollen und ihr Leben in die Hand nehmen würdest, um es wieder in Ordnung zu bringen, dann wäre die Chance ziemlich groß, dass sie von dir abhängig oder schnell in das alte destruktive Verhalten zurückfallen würden, sobald du zu helfen aufhören würdest.

Galileo Galilei formulierte es einmal so: „Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken.“ Positives Denken, Ermutigung und ein gutes Beispiel zu sein, sind immernoch die besten Werkzeuge, die du verwenden kannst, um die andere Person zu unterstützen. Die Kraft, sich aus dem Ganzen herauszuziehen hat die Person in sich selbst. Oft braucht es nur Ermutigung und Jemanden, der ihnen diese Kraft und das Potential, was in ihnen steckt, sie aber selbst in Zeiten des Kampfes nicht sehen können, zeigt.

Du bist wie eine Cheerleaderin bei einem American Footballspiel. Du kannst unmöglich selbst angreifen und den Touchdown für das Team landen. Wirklich alles was du tun kannst, ist, die/den Spieler anzufeuern und zu ermutigen, selbst einen Touchdown zu machen.

5. Das Leben ist eine Kunst
Erinnere dich daran, dass jeder nur über sich selbst die Kontrolle hat. Die einzigen Gedanken und Handlungen, über die du Kontrolle hast, sind deine eigenen. Wahrscheinlich hast du schon einmal irgendwo gelesen oder gehört, das viele sagen, dass das Leben eine Reise ist und wir uns selbst finden müssen. Ich glaube nicht, dass wir versuchen uns zu finden, denn dies würde ja bedeuten, dass wir schon wissen, wer wir sind oder sein sollen, denn nur so wissen wir ja, wann wir uns „gefunden“ haben.

Daher glaub ich daran, dass wir uns eigentlich ständig selbst kreieren, wie ein Gemälde. Wir beginnen mit einem weißen Blatt und fügen Farben, Formen und Schatten hinzu, sprich, wir kreieren unser eigenes Bild – uns selbst. Auch hier sind wir diejenigen, die den Pinsel in der Hand halten, um das zu malen, was WIR sehen. Wir zeichnen das Bild von unserem eigenen Leben. Deshalb ist das Leben eine Kunst und kann nur in der Art gelebt werden, wie wir uns entscheiden es zu gestalten. Die Art und Weise wie du dich entscheidest dein Leben zu leben, wird durch die Größe der Malerei und durch die Lebendigkeit der Farben widergespiegelt.

Also stell dir doch mal vor ,wie dein Bild aussehen würde, wenn immer alles reibungslos verlaufen oder andere Menschen den Pinsel für dich schwingen würden. Deine Malerei wäre womöglich schwarz und weiß und hätte keine abstrakten Kurven oder Formen, die es zu deinem gemacht hätte. Erinnere dich immer daran, dass du einzigartig bist und deine Malerei eine Geschichte erzählt , die sich wunderschön von allen anderen unterscheidet. Und niemand kann das für dich zeichnen, genau wie du es auch nicht für andere tun kannst.


 


Karen Naumann hat sechs Jahre in den USA gelebt und dort ihren M.A. in Organisationspsychologie, und einen B.S. in Psychologie und B.A. in Kriminologie gemacht. Nach ihren Studien und Erfahrungen u.a. als Karrierecoach beschloss sie,wieder zurück in ihre Heimat Deutschland zu gehen, wo sie ein unerwartet heftiger Kulturschock erwartete. In dieser herausfordernden Zeit begann sie zu schreiben und gründete ihren Blog „Yogilation“. Seitdem wurden ihre Artikel mehrfach in den USA und Kanada online veröffentlicht und sogar von New York Times Bestseller Autoren weiterempfohlen und in einer nationalen U.S. Radio Show erwähnt. Karen’s Ziel ist es, andere zu inspirieren und zu motivieren und die Bedeutung und Schönheit des Lebens durch positives Denken auch in schwierigen Zeiten hervor zu heben. Besucht Karen auch unter www.yogilation.com | Facebook | Twitter | Instagram


'5 Gründe, warum du andere Menschen nicht retten oder ändern kannst' have 8 comments

  1. 10. März 2016 @ 12:25 Nadine

    So mein Thema im Moment xD
    Danke, für den tollen Artikel !!!

  2. 10. März 2016 @ 15:46 Christina Waschkies

    Das wird Karen freuen, danke liebe Nadine!

  3. 11. März 2016 @ 08:03 Karen

    Nadine: Danke für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich, dass dir mein Artikel gefällt :-) LG, Karen

  4. 15. März 2016 @ 14:50 Sabrina

    Super Artikel!! Danke für die hilfreichen Gedankengänge!

  5. 20. März 2016 @ 09:55 Tanja

    Herzlichen Dank für den hilfreichen Beitrag liebe Karen.
    Mit diesem Thema schlage ich mich in Beziehungen oft herum. Früher war es richtig schlimm. Nachdem ich es erkannt habe ist es mittlerweile besser, aber ich muss mich immer wieder am Schopfe packen und mich erinnern bei mir zu bleiben.
    Dein Beitrag hat mich dankenswerterweise von außen wieder daran erinnert.
    Ich wünsche dir eine gute Zeit.
    Alles Liebe, Tanja ?

  6. 21. März 2016 @ 07:42 Karen

    Liebe Sabrina und Tanja! Herzlichen Dank für eure Kommentare! Ich freue mich wirklich sehr, dass ich euch mit meinen Worten helfen und Mut machen kann. Liebe Grüße ~Stay yogilated!~ Eure Karen

  7. 27. März 2016 @ 10:28 Gabi

    Super Artikel und es in der Tat genau so . Wenn ich als Person diese Lernerfahrung nicht gemacht habe, werde ich das nächste Mal wieder das gleiche Muster anwenden.. so ist es auch mit dem Helfen.. Man hilft, weil man sich die eigene Hilflosigkeit nicht eingestehen möchte. Es hat was mit mir selbst zu tun.. Auch ein Baby muss laufen lernen, auf die Knie fallen wieder aufstehen. Es lernt es nicht, durch getragen werden..

  8. 7. April 2016 @ 08:33 Karen

    Danke Gabi! Genauso ist es! Jedoch hat natürlich das Helfen nicht immer mit der eigenen Hilflosigkeit zu tun. Man muss sich allerdings fragen WARUM man jemandem helfen will. Welchen Zweck verfolgt man damit? Um jemand anderen zu ändern? Und wenn ja, warum soll sich der andere ändern? Ist meine Art zu leben oder etwas zu tun besser als die des Anderen? Oder will ich jemanden ändern, damit ich mich selbst nicht ändern muss? Das eigene Motiv ist eben genauso wichtig.. Danke nochmal für dein Feedback! Es freut mich, dass dir mein Artikel gefällt! Liebe Grüße, Karen


Would you like to share your thoughts?

Your email address will not be published.

© Dein Blog für Yoga, Ayurveda, Ernährung, Lifestyle & Wellness.