Ahimsa, ahimsa

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Wie geht man yogisch mit Insekten um?Es wird endlich Sommer in der schönsten Stadt Deutschlands und ich genieße es einmal mehr, am supergrünen Rande Hamburgs leben zu dürfen. Die Natur platzt an allen Ecken und Enden auf, als ob sie beweisen müsse, dass es sie doch noch gibt, man darf wieder echtes Sonnenlicht an die milchweißen Beinchen lassen, die D3 Tabletten in die Ecke werfen und die Chancletas (Flipflops) aus dem Keller holen.

Das einzige, was mich richtig nervt, sind die Viecher. Na, die Dings, die Insekten. Im Spanischen gibt es einen herrlichen Sammelbegriff, für all das, was so fleucht und kreucht: Bichos (sprich: Bietschos). Gezeugs eben. Ich habe ja so allgemein nichts gegen all das, nur müssen die ja nicht alle über Nacht in mein Haus ziehen. Spinnen, in allen Formen und Größen, Käfer, die ich noch nie gesehen habe, riesenhafte Ameisen, 1000füssler, Hummeln, Kellerasseln, Fliegen, Bienen…., euer Zuhause ist doch draußen, verdammt. Ist auch viel größer da.

So leicht mir dieses wunderbare Wort ‚Ahimsa’ (Gewaltlosigkeit) in meinen Yogaclasses von den Lippen perlt, so schwierig verhält es sich damit im echten Leben und besonders mit so vielen ungewollten Mitbewohnern.

Während meiner Yogaausbildung brachte man mir dann in diversen Büchern näher, dass Ahimsa mit ALLEN Lebewesen schwer angesagt sei. Das war mir neu. Klatschte ich noch eben schnell mit meiner Chancleta eine Reihe Mücken im Schlafzimmer platt („Mimi! 5 auf einmal! Strike!“) oder beförderte unschuldige Spinnen, die sich in die Dusche verirrt hatten, mit sanftem, aber unbeirrtem Wasserstrahl in den Abfluß und Hamburgs Untergrund, forderte unsere Katzen zum spontanen Verzehr von Käfern, Schnaken und Ameisen oder wahlweise zum Kellerassel-Fussball auf, versuchte man mir nun klarzumachen, das dies Tötungsdelikte seien.

Ach guck.

Bis dato war mein Gewissen noch nicht mal ansatzweise in Mitleidenschaft gezogen worden, was sich zu meinem Entsetzen jedoch schleichend änderte. Plötzlich fing ich an Spinnen aus meinem Fenster wieder rauszuschmeißen, anstatt sie mit leichtem Schaudern zu zermatschen; inzwischen bin ich soweit, dass ich sie vorsichtig vor die Tür trage und ihnen noch alles Gute für die Zukunft wünsche. In meinem Kopf höre ich meine Latino Familie mich lauthals auslachen, während sie gleichzeitig mit Chancletas nach mir wirft. Nun, damit kann ich leben, da keiner von denen besonders gut treffen kann.

Aber es gibt einem schon zu denken, was dieses simple Prinzip von Ahimsa mit mir angerichtet hat. Das hat die katholische Kirche in Jahrzehnten nicht in mir bewegt. Aber vielleicht haben sie das auch nur mies formuliert und ich habe es einfach nicht verstehen können, denn sicherlich meinten sie dasselbe in den 10 Geboten mit:
Du sollst nicht töten. Ich war wahrscheinlich einfach noch nicht so weit.

Das zarte Ahimsa hat mich wesentlich schneller zum nachdenken und auf den Punkt gebracht, genau wie alle anderen Vorschläge der Yamas und Niyamas. Und vielleicht ist es auch genau das: die Form der Überbringung. Bekanntlich macht der Ton die Musik und Gebote und Vorschriften waren ja noch nie so richtig meins.

Allerdings wird meine neugewonnene Bicho-Liebe immer wieder auf die Probe gestellt. Neulich Nacht stellte ich fest, daß sich ein Wespenschwarm – von außen durch das Trocknerrohr hineingeflogen- hochgemütlich in der Rückwand meines Trockner eingerichtet hatte. Meine zarten Liebesgefühle ließen schlagartig nach und entluden sich in einer Serie von spanischen Flüchen und Schlägen gegen den Trockner, die leider auch nichts brachten, außer hysterisches Summen im Trockner.

Um mein Karmakonto und meine Nerven zu schonen, werde ich also einen Spezialisten hinzuziehen. Schließlich heißt es „Du sollst nicht töten“, und nicht „Er, der Rent-to-kill-Mensch, soll auch nicht töten“.

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Autor

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Julie Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga. Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de Oder schreib einfach eine Mail an Julie.
 

 

One Kommentare

  1. Susanne

    14. Juni 2014 11:50

    Haha, kann das sehr gut nachvollziehen! Ich komme aus Hamburg aber lebe zur Zeit in Bali. Und was hier alles kreucht und fleucht – da wird Ahimsa wirklich geprüft. Vor allem bei Moskitos bin ich noch einen weiten Weg von der Erleuchtung entfernt ;-)

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