Durchbruch zum Ananda-Kosha: Teacher Training auf Bali (1)

Yogalehrerausbildung

Ananda heißt soviel wie Freude, Glückseligkeit auf Sanskrit. Kein Wunder, dass der anzustrebende Körper im Yoga (und davon gibt es so einige neben dem, den man eben so sieht) “Ananda-Kosha” genannt wird. Unsere Retreat-Anlage für unser Yoga-Teacher-Training auf Bali heißt “Ananda Cottages” – Zufall?

Drei Wochen lang werden 38 Yogis und Yoginis zu Yoga-Lehrern ausgebildet, in einer sehr intensiven Zeit, wie man uns prophezeite. Ich bin eine von ihnen, und zunächst einmal wird schnell klar: Retreat-Center ist das falsche Wort, denn mit Wellness und angenehmer Auszeit hat unser Teacher Training wenig zu tun. Doch vielleicht winkt am Ende ja dann doch der Durchbruch zum “Ananada-Kosha” – und unsere Hotelanlage aus traditionell balinesischen Strohhütten macht seinem Namen noch alle Ehre.

Kein Fleisch, kein Alkohol, kein Nikotin – dafür Yoga, Yoga und nochmals Yoga

 

Alles knackt und knirscht, der Körper ist nach Wochen des täglichen harten Trainings so weit von Ananda entfernt wie noch nie zuvor. Dazu kommen Schlafentzug, viel zu viel zu tun in viel zu wenig Zeit, und das Verbot jeglicher Laster. Kein Alkohol, kein Fleisch, keine Drogen, kein Nikotin. Immerhin wird kein Wort über Kaffee gesagt, doch für den richtigen Yogi ist es selbstverständlich, dass es Tee gibt statt Kaffee. Zumindest am Anfang ist noch jeder motiviert, meine Mitbewohnerin, eine Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln, die in Thailand lebt und in Birma arbeitet, will ihren Kaffeekonsum komplett eleminieren. Ich gönne mir ganz un-yogisch jeden Morgen um kurz nach 6 einen Kaffee, um meinem Kreislauf die nächsten knapp vier Stunden bis zum Frühstück halbwegs auf die Beine zu helfen. Natürlich weiß ich, dass ayurvedisch gesehen zwei Gläser Wasser den gleichen Effekt haben sollen und Koffein vor der Meditation den Geist zu stark anregt. Ist alles klar, aber bei mir hilft s einfach nichts. Ganz yogisch gesehen akzeptiere ich meine “Schwäche” und nehme sie an – und genieße meinen morgendlichen Kaffee, bevor ich eine halbe Stunde meditiere und danach meinen Körper 2,5 Stunden in alle möglichen Richtungen biege.

Zurück zum Anfang

 

Am Vorabend des eigentlichen Beginns des Trainings trudeln alle Teilnehmer zum gemeinsamen Abendessen ein. Irgendwie erfürchtig und auch von seiner eigenen Courage überrascht teilen alle vorsichtig ihre Erwartungen, ihre Zweifel und Ängste. Langsam tasten wir uns aneinander. Doch wo bleiben unsere Lehrer? Irgendwann, es ist schon später, kommt unsere Yogalehrerin mit ihren Assistentinnen kurz an die Tische, distanziert und ganz guru-like begrüßt sie und verschwindet wieder. Ich blicke in enttäuschte Gesichter, einige sind verwundert, einige kennen das schon aus Erzählungen anderer Absolventen oder aus der letzten Ashram-Erfahrung in Indien.

Mir wird schlecht. Ich bin seit Wochen auf Bali, der berühmte “Bali-Belly”, ein Magen-Darm-Virus, der fast jeden Urlauber hier trifft, hat mich verschont. Nein, bitte nicht jetzt. Migräne kündigt sich an, ich fühle mich auf einmal sehr unwohl und fühle mich dem Ganzen nicht gewachsen, bin viel zu ungeübt. Die anderen scheinen seit Jahren bis Jahrzehnten Yoga zu praktizieren, es sind sogar Yogalehrer anderer Stilrichtungen dabei (wir üben hier Vinyasa) und viele, die im Fitness-Bereich arbeiten. Bali-Belly, Angst vorm Scheitern, Konkurrenzdruck? Halt, Stopp. Genau das ist Yoga nicht. Bali-Belly kann jeden treffen, aber genau solche Ängste loszulassen, das ist doch das Ziel des Yoga. Und sich mit anderen messen quasi eine Todsünde (wobei es dann doch irgendwie jeder macht, seien wir mal ehrlich, ein bißchen zumindest). Am nächsten Morgen wird klar: Es war kein Bali-Belly – ich habe einfach Schiss.

Von Schweigepflicht und Frühstücksrunden

 

Am Morgen geht´ s los, eine knackige Vinyasa-Stunde zum Eingewöhnen und “schauen, wie so die Level sind”. Ich verfluche innerlich, dass ich Yoga etwas vernachlässigt habe in der letzten Zeit und mich stattdessen auf Gado Gado (indonesisches Nationalgericht), Bintang (Balis Bier) und das Herumreisen mit Rucksack und Freund konzentriert habe. Aber das geht einigen so, Gott-sei-Dank (Hallo, Konkurrenzdruck abstellen!). Wir bekommen anschließend einen Zeitplan für die nächsten Tage und werden in Frühstücksgruppen eingeteilt. Morgens ist Schweigepflicht bis zum Frühstück, erst in seiner Gruppe, die aus fünf zufällig gewählten Teilnehmern besteht, darf man sprechen und soll sich über sein Befinden austauschen. Täglich, für drei Wochen. Ah ja…

Ich finde mich mit meiner Gruppe zusammen, eine Teilnehmerin strahlt übers ganze Gesicht und erklärt im breiten amerikanischen Englisch, wie happy sie sei, in unserer Gruppe zu sein, und welche Energie doch von allen ausginge. Amanda aus Nordengland, eine drahtige Body-Workerin, die aussieht wie Bridget Jones in extrem trainiert, und Jenny, Kindergärtnerin aus Kanada, immer gut drauf und top gestylt mit Haarband, das ihre blonde Lockenmähne bändigt, und pinken knappen Shorts und Shirts, geben sich weniger überschwänglich und angenehm normal.

Ana, die Fünfte im Bunde, kommt aus Andorra und versteht kein Englisch. Schwierig, bei einem Training auf Englisch, aber gut.Dafür ist sie top in Form, sie leitet ein Tanzstudio, und bringt durch ihre herzerfrischende Art viel Humor in die Gruppe, was sicher auch an dem Kauderwelsch an Spanisch, Französisch, Englisch und Zeichensprache liegt. Sabia, die Amerikanerin, hat arabische Wurzeln und erzählt uns in den ersten fünf Minuten, dass sie drogensüchtig, im Knast, bulimisch war und ihren Job geschmissen hat. Sie will unsere volle Aufmerksamkeit, und in den nächsten Tagen wird klar: Neurose per excellence, einen Moment himmelhochjauchzend, einen Moment später zu Tode betrübt. Oha, das wird anstrengend.

Es wird eh viel geweint in den Frühstücksrunden, viele sind hier, weil gerade eine Beziehung zu Ende ging, jemand Nahestehendes gestorben ist oder sie in ihrem Leben eine Veränderung möchten. Yoga mobilisiert Emotionen, löst Verspannungen, die häufig aus unterdrückten Gefühlen resultieren. Nun verstehe ich auch, warum wir unterschreiben mussten, dass wir körperlich und geistig gesund sind. Vor allem nach hüftöffnenden Stunden hängen alle etwas seelisch durch. Auch ich kämpfe mit den Tränen, meine Selbstzweifel und Ängste kommen hoch. Irgendwann stehe ich tränenüberströmt im Bad und weiß nicht, wie mir geschieht.

Beim Mittagessen sind alle irgendwie ruhig, selbst die ewig positive Jenny, die immer strahlende Julia aus Berlin, eine sehr untypische Juristin, und unser Klassenclown Rick, der kräftige Eishockey-Spieler aus Kanada, hängen ihren Gedanken nach. Was hat es mit der Hüfte auf sich? Man sagt, gerade dort werden viele negative Gefühle und auch Ängste gespeichert. Hat jemand feste Hüften, kann sich also schlecht in einen Schneidersitz setzen oder andere hüftöffnende Asanas machen, so scheint dort mental noch einiges im Argen zu sein. Übungen, die die Hüften lockern, bringen so die Gefühle hervor. Klingt esoterisch, wissenschaftliche Beweise gibt es dafür meines Wissens auch nicht so recht, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es stimmt.

- Teil 2 könnt ihr hier nachlesen - | Lest auch unsere Pack-Tipps für die Bali Reise oder unsere Packliste für das nächste Yoga Retreat

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About

Britta ZietemannBritta ist leidenschaftliche Weltenbummlerin, liebt das Meer und arbeitet seit über zehn Jahren in der Kommunikation und im Journalismus. Sie hat alle möglichen Sportarten ausprobiert, aber bis die Liebe zum Yoga entfacht wurde, hat es einige Zeit gedauert. Mit Ashtanga Vinyasa Yoga hat sie ihre Stilrichtung gefunden und yogt nun fleißig seit einigen Jahren. Anfangs aus Fitnessgründen, mittlerweile aus allen möglichen anderen guten Gründen. “Leider bin ich niemand, der sich leicht verbiegen kann oder eben mal so in Utthita Hasta Padangusthasana hineingleitet – ich muss für die meisten Asanas hart arbeiten. Aber Yoga wirkt eben ganzheitlich und ist für mich trotz meiner furchtbaren Ungeduld extrem faszinierend.” Als Lesefan hat sie vermutlich fast jedes Yogabuch auf dem deutschen Markt gelesen – Tipps dazu folgen bald.


'Durchbruch zum Ananda-Kosha: Teacher Training auf Bali (1)' have 12 comments

  1. 19. Dezember 2013 @ 09:44 Laura

    bin total gespannt auf Teil 2 :)

  2. 19. Dezember 2013 @ 13:36 Christina

    Jaaa, der wird gut :) Liebe Grüße!

  3. 20. Dezember 2013 @ 12:24 Yvonne

    Ganz viele der Gefühle, Ängste konnte ich so gut nachvollziehen.
    Ich freue mich auf Teil 2 und bin gespannt ob ich mich auch darin wieder finde

  4. 20. Dezember 2013 @ 23:40 Hannah

    Toll geschrieben! Ich freue mich ebenfalls auf den zweiten Teil! :-)

  5. 30. Dezember 2013 @ 10:35 Yogalehrerausbildung und Hypnotherapie auf Bali und in Thailand

    […] den letzten Wochen ging es bei uns ja viel um Reisen und Teacher Trainings im Ausland – kein Wunder, denn wir alle würden dem grauen Wetter gern entfliehen und uns vier Wochen […]

  6. 31. Dezember 2013 @ 02:15 lovingvegan

    Ich bin ganz gespannt auf Teil 2 :)

  7. 1. Januar 2014 @ 19:49 Christina

    Den stellen wir nächste Woche online. :) Liebe Grüße!

  8. 6. Januar 2014 @ 00:31 Du denkst über eine Yogalehrerausbildung nach? Vielleicht sogar auf Bali?

    […] Wenn du Teil 1 vom Teacher Training Tagebuch noch nicht gelesen hast, bitte hier entlang.  […]

  9. 22. Januar 2014 @ 11:07 Ausbildung zum Yogalehrer: Wie läuft das eigentlich genau ab?

    […] ihr Teil 1 und Teil 2 des Teacher Training Tagebuchs schon […]

  10. 25. Februar 2014 @ 16:02 Dani

    Hallo, wo genau auf Bali war dieses Teacher Training? Ich möchte einen Yoga Retreat im Herbst auf Bali machen und freue mich über Yogaanbieter Tipps.
    Schöne Grüsse Dani

  11. 26. Februar 2014 @ 10:50 Christina

    Liebe Dani, melde dich gerne einfach bei unserer Autorin Britta, die beantwortet dir sicher gern deine Fragen: bz5000@gmx.de
    Viele Grüße, Christina

  12. 8. Oktober 2014 @ 13:34 Michèle

    Interessanter Erfahrungsbericht….Danke


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