Im Januar wird gern gestorben: Wie du einen geliebten Menschen verabschieden kannst

Meine Tante Edith ist tot. Sie ist vorletzte Woche in ihrer Wohnung gestorben. Ganz allein. Mit 85 Jahren. Am Sonntag war sie nicht ganz wohl auf, am Montag hatte niemand von ihr gehört. Am Dienstag hatten sich dann alle schon um sie gesorgt und den Hausmeister gerufen. Sie lag zusammengerollt wie eine Katze vor ihrem Bett auf dem Teppich mit einer Decke übergezogen. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon 24 Stunden tot.

Wir haben keine Ahnung, wie ihre letzten Stunden aussahen

Durch die übergezogene Decke reden wir uns ein, dass sie es sich bequem machen wollte, um dort ein wenig auszuruhen. Und dann aus diesem entspannten Zustand einfach eingeschlafen ist. Ihr Gesicht war weich und gelöst. Das ist tröstlich. Denn der Gedanke, dass sie vielleicht verängstigt war oder sich allein gefühlt hat, ist viel zu schmerzhaft. Also lieber an dem ersten Gedanken festhalten.

Ihre Schwester, meine Großtante, war entsetzt darüber, wie sie gestorben ist. Das Wort „würdelos“ fiel. Aber warum eigentlich? 

Würdevoll gehen

Mein Mann hat dazu etwas sehr Kluges gesagt: Nicht der letzte Moment, die Art, WIE wir von der Erde gehen ist entscheidend, sondern die Zeit davor. Denn in dem Moment, in dem wir gehen, sind wir alle allein. Viel wichtiger ist: Haben wir in der letzten Zeit noch Freude empfinden können? Waren wir selbstbestimmt? Konnten wir uns bewegen, essen, Freunde und Familie treffen, lieben und lachen? Waren wir voller Lebenslust und Mut – vielleicht sogar trotz einer schweren Krankheit oder Alleinsein? 

Edith war eine von den Seniorinnen, die eigentlich alles hatte

Nur so richtig Lust hatte sie nicht mehr. Ansonsten: Eigene Wohnung. Mobilität. Freundinnen und Familie. Nun gut, zwei Männer hatte sie überlebt. Kinder hatte sie keine. Aber sie lebte ein Leben in Fülle. Sie war immer gut gekleidet, immer frisch manikürt, mit Ansatzwelle und frischer Tönung und mit rosigen Lippen. Aber sie war ein wenig müde in letzter Zeit.

Tante Edith hat Engel sehr gemocht. Die ganze Wohnung war vollgeramscht mit weißen Porzellanengeln. Wirklich, die gute Frau hat sich nicht darum geschert, wieviel Porzellanfigürchen überhaupt auf einem Quadratmeter Wohnung akzeptabel sind. So sehr liebte sie ihre Engel. Natürlich ist das ein wenig schrullig, aber irgendwie auch süß. Engel haben Edith immer Trost verschafft. 

Apropos Engel

Im Januar wird gern gestorben. Ich habe diesen Januar von drei Todesfällen in meinem Umfeld gehört. Letztes Jahr, am 23.1., musste leider noch jemand viel zu jung gehen. Jemand, der seinen Platz in meinem Herzen hatte. Damals gab es keine Möglichkeit, ihn zu verabschieden. Wir hatten uns jahrelang nicht gesehen. Ich kannte niemanden aus seinem Umfeld. Es gab keine Beisetzung und keinen Platz, um noch mal Tschüss zu sagen. 

Ich traf mich damals mit meiner Freundin Kaja Otto und erzählte ihr davon. Ich war sehr, sehr schwanger mit Dora und die Situation hat mich wirklich traurig gestimmt. Ich brauchte eine Lösung, weil ich meinem Baby dieses Gefühl von Trauer auch nicht zu lange zumuten wollte. Wer Kaja kennt, weiß dass sie die absolute Spezialistin für Härtefälle dieser Art ist. Sie hatte eine wunderbares Verabschiedungsritual für mich, das ich heute mit dir teilen möchte. 

Wie du einen geliebten Menschen verabschieden kannst

Warte auf einen Tag, an dem der Himmel irgendwie magisch ist. Blau durchbrochen, sonnig, vanilla sky, rosa gefärbt, strahlend, freundlich, mystisch. Nicht die graue Januarwolkensuppe, die wollen wir nicht. Lass den Himmel zu dir sprechen. So dass du denkst, das Universum gibt heute wieder ganz schön an mit seinem Himmel. 

Geh raus in die Natur, dahin wo du den Horizont sehen kannst. Schließ deine Augen. Stelle dir deine Person vor, wie sie sich aufmacht. Wie sie übertritt. In das gleißende Licht hinein, das durch deine geschlossenen Augenlider scheint. Sie ist noch ein wenig zögerlich, denn sie weiß auch nicht, was kommt.  Sprich mit ihr. Sag ihr, dass sie jetzt ganz in Frieden gehen kann. Dass sich da drüben schon alle wahnsinnig auf sie freuen. Dass sie schon von allen erwartet wird. Ein rauschendes Fest der Freude zu ihren Ehren ausgerichtet wird. Dass es da drüben ganz wunderbar friedvoll und wunderschön ist. Dass du ihr alles Gute wünschst und immer an sie denken wirst. Sie ist nicht vergessen. Sie ist für immer bei dir. Und dann lass sie gehen. 

Wenn du magst, singe jetzt drei mal das Mantra für den Abschied aus dem Kundalini Yoga

AKAAL, AKAAL, AKAAL

mit einem langgezogenen Aaa am Ende. Singe es laut, oder leise, oder in deinem Kopf. Es hilft deiner Person, unsere Welt loszulassen.

“The chanting of Akaal creates a vibratory frequency that assists the departing soul on its journey through the ethers to final liberation.” -Shakti Parwha Kaur

So habe ich meine beiden letzten Toten verabschiedet und es ging mir sofort besser und half mir sehr, meine Trauer zu verpacken. Meine liebe Tante wird am 3.2. im Friedwald beerdigt und begibt sich auf ihre letzte Reise. Mach es gut, meine Liebe. 

Hast du auch ein Ritual für den Abschied, das du mit uns teilen magst? Ich freu mich über einen Kommentar von dir. 

Wenn du noch mehr zum Thema Tod lesen möchtest und dir Übungen wünschst, um damit umzugehen, würde ich dir das Das Yoga-Buch vom Leben und vom Sterben: Mit 8 Übungsreihen und 18 Meditationen von Satya Singh empfehlen. Für Kinder finde ich das Buch Ente, Tod und Tulpe von Wolf Erlbruch sehr, sehr passend um das Thema Tod zu erklären. Und bei diesem Blogtext von Berlinmittemom.com über ihre Mama hab ich letztens ein paar Tränen verdrückt. Sehr lesenswert!

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Im Januar wird gern gestorben: Wie du einen geliebten Menschen verabschieden kannst. 
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Im Januar wird gern gestorben: Wie du einen geliebten Menschen verabschieden kannst. 
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Manchmal gehen die Menschen so schnell, dass wir gar keine richtige Chance haben, uns zu verabschieden. Ich zeige dir heute ein heilsames Ritual, das du jederzeit und überall ausführen kannst, um einen geliebten Menschen zu verabschieden. Du brauchst nur eins: Einen strahlend blauen Himmel.
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Happy Mind Magazine
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'Im Januar wird gern gestorben: Wie du einen geliebten Menschen verabschieden kannst' have 4 comments

  1. 27. Januar 2017 @ 22:03 Miri

    Danke danke danke für diesesn Post und für das Mantra

  2. 28. Januar 2017 @ 12:23 Christina Waschkies

    <3 Sehr gern. Kommt von Herzen.

  3. 31. Januar 2017 @ 12:31 Nova

    Danke, für diesen Beitrag und das Teilen Deiner Erinnerungen und Empfindungen bei diesen Verlusten.
    Es gibt im Fachmagazin für Kinder -und Jugendbücher „Eselsohr“ grade einen Artikel zum Thema „Tod, Verlus und Traurigkeit im Bilderbuch“. Absolut lesenswert!

  4. 1. Februar 2017 @ 12:27 Jessica

    Ein sehr schöner Beitrag und ein wundschönes Ritual noch einmal für sich, in aller Stille „leb wohl“ zu sagen.


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