4 Schritte um mit unangemessenen Erwartungen anderer Menschen besser umzugehen

Mir selbst ging es in der Vergangenheit oft so (und manchmal jetzt noch), dass ich mit Wut und Frustration darauf reagierte, wenn ich das Gefühl hatte, dass jemand Erwartungen an mich hat, die ich für unangemessen hielt. Das Resultat war dann leider oft, dass die Situation in einem Streit endete, der nicht nur das Problem nicht löste, sondern zudem die Beziehung unnötig belastete. Die Fronten verhärteten sich. Kennst Du das auch?

Unterschiedliche Arten von Erwartungen

Es gibt viele unterschiedliche Arten von Erwartungen in Beziehungen. Manche davon erscheinen uns berechtigt oder gar selbstverständlich und wir versuchen, ihnen soweit wie möglich nachzukommen (z. B. respektvoller Umgang miteinander oder gewisse Verhaltensweisen).

Andere betrachten wir als unangemessen, da wir uns selbst nicht treu bleiben würden, wenn wir versuchen würden sie zu erfüllen (z. B. Berufs- oder Partnerwahl). Wo wir genau die Grenzen ziehen, ist eine persönliche und oft nicht ganz einfache Entscheidung. Jede Beziehung bedingt einiges an Kompromissbereitschaft von den Beteiligten.

In diesem Artikel schreibe ich über die konkrete Art von Erwartungen, die wir als unangemessen oder unberechtigt betrachten und möchte eine effektive Methode vorstellen, die mir oftmals sehr geholfen hat besser damit umzugehen.

 

„Selbstsucht bedeutet nicht, selbst zu leben wie man es wünscht, sondern von anderen zu verlangen, dass sie so leben, wie man es erwartet. (..) Eine rote Rose ist nicht selbstsüchtig, weil sie eine rote Rose sein will. Es wäre aber furchtbar selbstsüchtig, wenn sie wollte, dass alle Blumen im Garten rote Rosen sind.“
-Oscar Wilde

 

Selbstbestimmt leben

Durch meinen etwas unkonventionellen Lebenslauf habe ich mir sowohl Freunde als auch “Feinde” gemacht. Als ich 2011 meinen Job als Investment-Analyst gekündigt habe, um mich für eine unbestimmter Dauer auf eine Reise nach Indien zu begeben, gab es einige Menschen, die mich dazu ermutigt haben oder sogar begeistert waren. Andere konnten es nicht nachvollziehen oder haben sich gar vor den Kopf gestoßen gefühlt. Leider gehörten zur letzteren Gruppe auch Menschen aus meinem engsten Umfeld.

Es hatte mich damals einiges an Überwindung gekostet, meine Pläne trotzdem umzusetzen. Was mir die Kraft dazu gab war, dass ich mir immer wieder die Situation vor Augen führte, wenn ich eines Tages in meinem Sterbebett liegen würde. Ich wusste, dass ich es an jenem Tag bereuen würde, wenn ich den Schritt nicht machen würde.

Oft wird einem gesagt “Ich will ja nur Dein Bestes”

Nach vielen Erfahrungen in meinem Leben, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass hierbei oft bewusst oder unbewusst ein Etikettenschwindel stattfindet. Im Namen von “Ich will ja nur Dein Bestes” versuchen Menschen, anderen Menschen ihre eigenen Wertvorstellungen aufzuzwingen. Aber was kann man dagegen tun?

Über die Zeit haben mich zahlreiche Erfahrungen gelehrt besser mit diesen Situationen umzugehen und ich werde heute versuchen meine Methode in einzelne, nachvollziehbare Schritte herunter zu brechen. Das Resultat bilden die vier folgenden, extrem effektiven Schritte:

 

1. Feedback analysieren
Im ersten Schritt geht es darum zu erkennen, ob es sich bei einer gegebenen Erwartungshaltung um ein konstruktives, gut gemeintes und evtl. nützliches Feedback handelt oder aber um ein explizites oder implizites Werturteil bzw. einen Versuch, jemandem die eigenen Ideale aufzuzwingen.

Welche Emotionen stecken dahinter?

Ein sehr effektiver Test hierfür ist die Beantwortung folgender Frage: Mit welchen Emotionen wird das Feedback kommuniziert? Ist das Feedback begleitet von Wut, Frustration oder anderen starken Ausprägungen negativer Emotionen? Falls ja, dann ist das oft ein Signal, dass die Ursache des Problems vielleicht eher bei unserem Gegenüber zu finden ist, als bei uns selbst. Wird das Feedback jedoch neutral oder gar mit Mitgefühl kommuniziert, dann sollten wir es vielleicht näher betrachten.

Dieser Schritt ist deshalb so wichtig, da unsere Einschätzung maßgeblich mitentscheidet wie wir im Weiteren mit dem Feedback umgehen. Kennst Du es, wenn jemand sehr emotional seine eigene Meinung kommuniziert? Oft ist eine gewisse Emotionalität sicherlich positiv, aber manchmal ist sie auch ein Zeichen für Voreingenommenheit und mangelnde Objektivität. In dem Fall macht es vielleicht keinen Sinn, das Feedback zu ernst zu nehmen.

2. Situation erkennen
Kommen wir zu dem Schluss, dass es sich um eine für uns unangemessene Erwartungshaltung oder sonstige Art von unkonstruktivem Feedback handelt, dann ist der nächste Schritt zu erkennen, dass es oft eine beschränkte Sichtweise der anderen Person ist, die die Ursache für eine solche Erwartungshaltung ist und nicht eine böse Absicht.

Ich bin mir sicher die Wenigsten von uns würden sich darüber aufregen, von einem offensichtlich geistig behinderten Menschen blöd auf der Straße angesprochen zu werden. Wir würden sehen, dass er oder sie vielleicht nicht anders kann. Wenn es sich aber um einen “gesunden” Menschen handelt, nehmen wir Werturteile schnell sehr persönlich.

Jede Erwartung beruht auf persönlichen Erfahrungen

In meiner Erfahrung gibt es viele Menschen, die geradezu zwanghaft versuchen anderen ihre eigenen Ansichten und Wertvorstellungen einzutrichtern und erwarten, man müsse sein eigenes Leben nach ihren Idealen ausrichten. Ich habe den Fehler in der Vergangenheit leider teilweise selbst begangen und weiß, dass eine gewisse Einsicht und Bereitschaft zur Veränderung notwendig sind, um diese Tendenz zu überwinden.

Manche Menschen verstehen leider nicht, dass nicht alles Schwarz oder Weiß ist und Menschen basierend auf ihrer eigenen Lebenserfahrungen die Dinge unterschiedlich betrachten können. Der Punkt ist der: Es gibt viele Gründe warum Menschen Erwartungen an einen bilden, die überhaupt nichts mit einem selbst zu tun haben, sondern oftmals eher auf ein Problem der jeweiligen Person selbst zurückzuführen sind. Will man in solchen Situationen wirklich die eigenen Pläne umwerfen? Man sollte es zumindest sorgfältig durchdenken.

3. Mitgefühl entwickeln
Wenn wir erkennen, dass der andere ein (mentales) “Handicap” oder sonstiges Problem hat, dann erfahren wir automatisch einen Zustand von Mitgefühl anstatt von Wut. Dann wendet sich die Frage, „Wie können wir unseren “Gegner” widerlegen?“ in “Wie können wir dem anderen helfen, seine eingeschränkte Sichtweise oder sonstige Probleme zu überwinden?”.

Wie viel Impuls es benötigt um unsere teilweise automatische Reaktion in Form von Frustration in Mitgefühl umzuwandeln, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Mir selbst ergeht es so, dass bestimmte Menschen und Situationen schneller Frustration in mir auslösen als andere. So kann es manchmal etwas aufwendiger sein, die Negativität zu überwinden.

Stelle dir die Schwächen deines Gegenübers vor

Wenn Du Dich in einer Situation wiederfindest, wo es Dir ganz besonders schwer fällt die Frustration zu überwinden und Mitgefühl zu entwickeln, kannst Du als Trick eine Methode anwenden, die ich einfach mal als Eskalationsmethode bezeichne:

Versuch das Handicap Deines Gegenübers in Deinem Kopf bildhaft auszuweiten. Stell Dir einfach mal vor, die Person sei ein kleines Kind oder tatsächlich auf irgendeine Art geistig eingeschränkt.

Das klingt für Dich jetzt vielleicht etwas ungewöhnlich, ist aber in meiner Erfahrung extrem effektiv und führt selbst in den härtesten Fällen dazu, dass man die Dinge nicht so persönlich nimmt. Und was man als „geistig eingeschränkt“ oder “erwachsen” ansehen will ist schließlich sehr relativ. Der Punkt ist: Experimentiere und finde heraus, was für Dich am besten funktioniert!

4. Handeln
Handeln, das aus Mitgefühl entspringt erzielt bessere Ergebnisse als Handeln, das aus Frustration entspringt. Die Art und Weise wie wir einer Situation begegnen ist entscheidend durch diesen Wandel von Frustration in Mitgefühl geprägt. Wir reagieren nicht mehr um uns zu verteidigen und Recht zu behalten, sondern versuchen proaktiv dem anderen zu helfen, die Situation besser zu verstehen und evtl. die eigenen Einschränkungen zu überwinden. In manchen Fällen kommen wir vielleicht auch einfach zu dem Schluss, dass wir der Person momentan gar nicht weiterhelfen können und deshalb vielleicht in Zukunft etwas mehr Distanz sinnvoll ist.

Versuche, aus Mitgefühl heraus zu handeln

In anderen Situationen können wir die Geduld aufbringen um zum x-ten mal behutsam zu erklären, wieso wir unser Leben so leben wie wir es tun. Das Wichtige ist nicht wie wir genau handeln, das hängt von der konkreten Situation ab. Das Entscheidende ist, dass wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu einem wesentlich besseren Ergebnis für alle Beteiligten kommen, wenn wir aus Mitgefühl heraus handeln und nicht aus Wut heraus.

Und als zusätzlicher Nebeneffekt ist ein Zustand von Mitgefühl wesentlich angenehmer und gesünder als ein Zustand von Wut und Frustration.

 

Das war’s zur Methode. Wenn Du andere Wege kennst, um mit Erwartungen anderer Menschen umzugehen, hinterlasse gerne einen Kommentar! Ich würde mich über Dein Feedback freuen und bin auch sehr daran interessiert, weitere Tricks und Techniken kennenzulernen!

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Fabian Merkle ist Yogalehrer, Blogger und Gründer von Soul of Yoga. Nach dem Studium der VWL begann Fabian seine Karriere als Investment Analyst bei einer Investmentgesellschaft in München. Nachdem er feststellte, dass materieller Wohlstand alleine nicht glücklich macht, beschloss er stärker in sein inneres Wohlbefinden zu investieren. Er begann eine Reise nach Südindien wo er insgesamt drei Jahre in einem Ashram lebte und die Techniken und Ursprünge des Yoga von Grund auf erkundete. Seit seiner Rückkehr nach Deutschland ist es seine Mission diese pure und ursprüngliche Form des Yoga mehr Menschen im deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen und unterrichtet hierzu Yoga-Workshops in Konstanz und Zürich.Webseite: www.soulofyoga.de Youtube: www.youtube.com/soulofyoga Facebook: www.facebook.com/thesoulofyoga Instagram: www.instagram.com/soul.of.yoga


'4 Schritte um mit unangemessenen Erwartungen anderer Menschen besser umzugehen' have 5 comments

  1. 8. Februar 2017 @ 12:28 Natascha

    Hallo Fabian, für mich selbst und für den Umgang mit meinen Liebsten ist einer meiner liebsten Wegweiser die Erinnerung daran, dass Ratschläge oft auch nur gut gemeinte Schläge sind. Ich hab keine Ahnung, wo ich das mal aufgeschnappt habe, aber es hilft mir immer wieder, meine Liebsten nicht mit meinen eigenen Erfahrungen und Ansichten zu manipulieren/ einzuschränken. Ich versuche immer. die Situation von allen Seiten zu bequatschen Liebe Grüße aus der warmen Sonne in Andalusien.

  2. 11. Februar 2017 @ 15:29 Christina

    Danke für diesen Beitrag: Total toll! Ich arbeite da seit einiger Zeit gerade selbst an mir und vor allem die Sache mit dem Mitgefühl kann ich zu 100 Prozent unterschreiben. Es gelingt mir noch nicht immer, aber mit der Zeit erkenne ich zunehmend, dass jemand, der mir gerade einen Vorwurf macht (oder etwas in der Art), gerade eigentlich eher ein persönliches Problem hat. Man fühlt sich so stark, wenn man eine solche Situation mit Mitgefühl positiv gemeistert hat. Danke für Deine Tipps. Sehr wertvoll! Liebe Grüße!

  3. 13. Februar 2017 @ 00:26 Fabian Merkle

    @Natascha: Das ist gut! Ratschläge = gut gemeinte Schläge!! Werde ich mir merken :-) Liebe Grüße nach Andalusien!! Schick uns bitte ein paar Sonnenstrahlen nach Konstanz! :-)

    @Christina: Ich verstehe was du meinst, geht mir auch oft so! :-) Liebe Grüße zurück, Fabian

  4. 14. Februar 2017 @ 14:59 Günter von lebe.yoga

    Wie recht du doch hast.
    Auch mir geht es mit einer Person derzeit so. Jeder von uns hat eine andere Erwartungshaltung. Normalerweise kommuniziere ich diese. Leider geht das im Moment nicht, da ich die andere Person so sehr verletzt habe. Aber stimmt das wirklich? Eigentlich wurde ich verletzt. Und die angebliche Verletzung von mir beruht daher, daß… ach was. Wir haben immer unsere eigenen Erwartungen – die wie du ja schreibst – ein Erbe unserer Erfahrung, der Vergangenheit, sind.

  5. 18. März 2017 @ 04:15 Nuip

    Ich erlebte mal einen ganz hartnäckigen Fall mit einer mir sehr nahestehenden Person. Sie überhäufte mich mit Vorwürfen und nicht erfüllten Erwartungen und liess sich auch mit Mitgefühl nicht umstimmen, ich blieb die Böse. Ich war mir keiner Schuld bewusst und wusste auch nichts von den Erwartungen. Also resümierte ich: das ganze Drama hat NICHTS mit mir zu tun, diese Person hat ein anderes persönliches Problem und will nun ihren Frust auf mich abwälzen. Aber, ich entscheide, von wem ich mich ärgern lasse. Ich gehe meinen Weg und die andere Person ihren. Sie weiss ja gar nicht , wie ich mich auf meinem Weg fühle und begeht ihn ja nicht und ich nicht ihren. Also mit welchem Recht muss ich mir dann die Laune verderben lassen?!
    Es hat nichts mit mir zu tun…ist mein Mantra, wenn mir jemand unsachlich wird. Mein Mitgefühl habe ich dennoch und hoffe, dass die Person irgendwann dahinter kommt, dass sie mir Unrecht tat. Bis dahin kann ich unberechtigte Vorwürfe nicht ernst nehmen und muss innerlich lachen, wie niveaulos diese Person mit mir sprach/spricht. obwohl wir sonst auf gleichem Intelligenzniveau angesiedelte sind. Traurig eigentlich. Ich bin dieser Person nicht abgeneigt und offen, wenn sie wieder auf mich zukommen möchte,nachdem sie zur Einsicht erlangte.


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