Warum du auch an Null-Bock-Tagen auf die Matte solltest

Kennst du das? Tage, an denen du etwas fad auf die Matte schleichst? Tage, an denen du dir echt etwas Besseres vorstellen kannst, als eine Abfolge bekannter Bewegungen mit dem Atem zu synchronisieren und dabei wahlweise auf Hände, Nasenspitze oder dein drittes Auge zu starren? Tage, an denen dich allein der Gedanke, dass jemand: „Komm erst einmal hier an, auf deiner Matte“ zu dir sagen könnte, zu endlosem Augenrollen führt? Nun, ich gestehe heute: Ich kenne sie – zumindest ab und an.

Uninspirierte Yogis

Solche Tage sind die Tage des uninspirierten Yogis! Die Leidenschaft für Yoga scheint fern und ein Gefühl von Pflicht und Gereiztheit liegt in der Luft. Leicht wäre nun, stattdessen ein altes Jane Fonda Aerobic-Video einzulegen und auf das Yoga des Tages zu pfeifen. Doch das wäre schade, denn wer nicht mal schlecht gelaunt auf der Matte landet, der verpasst etwas.

Die Magie der schlechten Laune

Denn was passiert, wenn wir all unsere Disziplin aufbringen, um uns an der Routine der eigenen Praxis festzuhalten? Wir sind Zeuge einer Wandlung! Bei mir läuft das ungefähr so:

Anfangs stehe ich noch mufflig da und strecke trotzig meine Hände Richtung Himmel. Das Räucherstäbchen riecht irgendwie doof, der Pulli kratzt und die Matte rutscht. Meine Hände sind oben – ich schaue zwischen die Handflächen. Einatmen – Ausatmen. Routine.

Vorbeuge – Augen schließen, langsam ankommen in all meiner schlechten Laune. Warum bin ich nur so schlecht gelaunt heute?

Einatmen – Strecken. Raum entsteht. Ich fange an zu fühlen: Meine Hände auf der Matte. Meine Knochen im Körper. Der Atem, der die Rippen auseinander zieht.

Einatmen – sich öffnen. Schulterblätter, die zueinander ziehen. Mein Atem wird tiefer. Irgendwann, nur wenige Atemzüge später, weiß ich nicht mehr, warum ich eigentlich so schlecht gelaunt war. Ich weiß nur noch, was gerade los ist.

Und das ist wunderbar. Denn Yoga ist ein Schlüssel in den Moment und in den Körper. Atmen und fühlen. Und dazu machen wir noch etwas, was perfekt ist, um die Laune bestmöglich zu ändern: Wir bewegen unseren Körper anders, als wir es normalerweise bei so schlechter Laune machen würden!

Den Körper als Souffleur für den Kopf nutzen

Körper und Geist sind wunderbar miteinander verbunden. Das merken wir spätestens dann, wenn wir in einem Moment von Wut sofort feuchte Hände haben oder wenn wir die Schmetterlinge im Bauch spüren, sobald wir den Mensch unserer Träume sehen. Unser Körper reagiert umgehend auf die Signale des Kopfes und zum Glück funktioniert die Verbindung ebenso anders herum! Sind wir im Kopf muffig und miesepetrig, dann wäre die übliche Körperhaltung eher nach vorne gebeugt, vielleicht ein gesenkter Kopf, hängende Mundwinkel, mit wenig Körperspannung.

Die Magie der Veränderung setzt ein, wenn wir unseren Körper dazu überreden, etwas anderes zu machen. Wenn wir uns an das halten, was wir sonst so lieben: Unsere Praxis. Sofort signalisiert unser Körper dem Kopf: Entspannung! Energie! Und komischerweise funktioniert das. Der Kopf wundert sich nicht groß, sondern kann kaum festhalten an dem, was vorher da war. Veränderung setzt ein.

Glückselige Amnesie

Und noch etwas anderes macht Yoga an uninspirierten Tagen: Es holt uns sofort ins Jetzt zurück. In den Moment – in den frischen und neuen Moment. Nicht nur körperlich sondern auch durch den geistigen Fokus. Zum Glück muss man sich beim Yoga auf so viel gleichzeitig konzentrieren. Bandhas und Stellung der Füße, Blickrichtung und innere Spirale. Die Konzentration ist die Schnellstraße in den Moment – weg von den Sorgen des Vortages oder den Zweifeln der nächsten Tage. Weg von der Bewertung der Pflicht – hin zum Tun. Die Magie liegt darin, unseren Körper zu nutzen, um unsere Gedanken zu verändern und wieder dahin zu führen, wo es leichter wird und freundlicher. Dahin, wo es eigentlich zählt: In die Gegenwart. Beides zusammen ist tatsächlich magisch: Der Kopf wird ruhig und konzentriert und der Körper bewegt sich in gewohnter Routine.

Bei mir funktioniert es bestens. Uninspirierte Tage trainieren zwar meine Disziplin in einem besonderen Maße, aber sie enden immer gleich: Ich liege glückselig auf meiner Matte. Spontane Amnesie über die schlechte Laune inklusive. War ich wirklich so miesepetrig? Ich erinnere mich beim besten Willen nicht. Ich liege und atme. Irgendwann stehe ich auf und manchmal wundere ich mich: Warum zum Teufel liegt da ein altes Aerobic-Video?

 


Und hier noch etwas Inspiration für Null-Bock-Tage:

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Silja ist Mama von drei Söhnen, von Beruf Trainerin, Coach und Yogalehrerin. Sie liebt Psychologie, Yoga, grünes Essen und alles, was das Leben schöner, leichter, fröhlicher macht. Du kannst sie u.a. in Workshops zum Thema „Yoga & Psychologie“ erleben und auf ihrer Seite  www.glücksplanet.de mehr von ihr lesen. 


'Warum du auch an Null-Bock-Tagen auf die Matte solltest' have 3 comments

  1. 9. Oktober 2015 @ 12:50 Corinna

    Schön, dass nicht nur ich manchmal ein uninspirierter Yogi bin und es anderen sehr ähnlich geht. Aber wenn ich an solchen Tagen auf die Matte steige, bin ich immer sehr stolz auf mich, wenn ich meine Yogapraxis anständig mache. Und vor allem muss ich hinterher immer schmunzeln, weil ich wegen so kleinen Dingen ein Miesepeter war – hihi :)

    Liebe Grüße
    Corinna

  2. 9. Oktober 2015 @ 21:26 Silja

    Corinna!! Da sind wir ja uninspirierte Yogi-Schwestern. Schön eine Gleichgesinnte zu lesen. Liebe Grüße Silja

  3. 18. November 2015 @ 12:23 Sandra

    Ich finde es manchmal auch total schwer mich zu motivieren. Meistens raffe ich mich dann aber auf und danach ist das Gefühl einfach das beste. Zum ersten, weil es wieder richtig Spaß gemacht hat und außerdem, weil ich weiß, dass ich mich dazu aufgerafft und es gemacht habe :) Liebe Grüße Sandra!


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