Wir sind keine Yequana: Selfcare statt Aufopferung

Ich war neulich (trotz Chlorallergie) im Hallenbad. Das Wort „planschen“ wurde meiner Ansicht nach für Babies im Alter meiner Tochter erfunden. Wir hatten Quietscheentchen und Schwimmwindeln dabei, aber der richtige Spaß begann erst in der Sauna. Als Windel und Badeanzug verschwanden, verstand ich plötzlich, wie es die Yequana in „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ schaffen, ihre Babies so zufrieden zu halten. Das ist nämlich kein so großes Kunststück, wenn alle nackt sein dürfen. Und man mit Freundinnen unterwegs ist.

Ich las in der Schwangerschaft mit Begeisterung davon, sein Kind nah am Körper den ganzen Tag durch die Gegend zu tragen.

 Und glaub mir, ich trage sie viel.

Aber eben nicht immer. Meine Nachbarin hat das gemacht. Als Alleinerziehende. Ich weiß zwar nicht wie, aber es scheint in erster Linie eine Frage der Selbstaufopferung zu sein. Ich möchte mich aber nicht opfern! Warum auch?

Es gibt glücklicherweise Kinderwagen

Außerdem soll es orthopädisch gut sein, wenn Kinder auch mal auf dem Rücken rumliegen. Es ist ein Irrtum zu denken, man könne eine Lebensweise einer anderen Gesellschaft komplett auf das eigene Leben übertragen. Meiner Tochter geht es mit Buggy und Kinderwagen auch echt gut. Und ich muss sie nicht permanent beglucken.

Mittlerweile kann sie sich auch schon ganz gut selbst beschäftigen

Sie spielt mit ihren Bauklötzen, räumt unser Plattenregal aus oder blättert in Kinderbüchern. Die Versuchung, ihr immer neues aufregendes Spielzeug zu geben, besteht. Das ist aber wirklich kein Zero-Waste-Verhalten. Deswegen tun es auch die Second-Hand-Spielzeuge meiner Schwestern. Und wenn sich etwas „ausgespielt“ hat, lässt man es einfach eine Zeit lang verschwinden. Wenn es dann wieder auftaucht, ist es wie ein neues Spielzeug. Gut sind auch Sachen, die lange interessant bleiben (Holzklötze, Tücher, der ganze Waldorfkram).

Es liegt in der Natur von Kindern, nachzuahmen

Wenn ich mit Töpfen klappere, klappert Baby gerne mit. Wenn ich Yoga mache, turnt sie mit. Wie viele Yogahaltungen Kleinkinder instinktiv einnehmen, sieht man in dem tollen Bildband Baby-Yoga. Kinder, denen statt Spielzeug Action angeboten wird, werden sich im Zweifelsfall immer für letzteres entscheiden.

Selfcare statt Aufopferung!

Hier noch mal ein kleines Geständnis: Je mehr ich mich langweile, desto konsumgeiler werde ich. Kein Wunder. Eine Studie hat ergeben, dass man von seinem Alltag entweder Entlohnung in Form von zufriedenstellender Arbeit oder von materiellen Dingen erwartet. Und je langweiliger der Job, desto besser muss er bezahlt sein. Natürlich sind Kinder eine Freude. Aber ich erwarte von meinem Leben geistige und kreative Herausforderung. Und wenn ich mir diese nicht gebe, dann langweile ich mich.

Das macht mich luxussüchtig

Chai trinken im Café, ein neues (altes) Paar Schuhe, ein neues Buch, ein neuer Comic. Dann das Bedürfnis nach radjasischen und tamasischen Lebensmitteln. Und in diesem Teufelskreis fühlt es sich so an, als wären Luxusgüter das, womit ich mich belohnen kann. Das macht mich aber auf Dauer eher träge.

Es kommt auf das Gleichgewicht an

Sich nicht jeden Quatsch versagen, aber auch nicht darauf hereinzufallen es als Ersatz für einen yogischen Lebensstil zu benutzen. Erfüllung findet sich in der Selbstliebe und im Erleben des Augenblicks. Dazu gehört auch der gelegentliche Apfelkuchen im Café und das neue Paar Schuhe. Aber vor allem sind es die Geisteshaltung und die Zufriedenheit, die Erfüllung möglich machen. Anders als Jean Liedloff glaube ich, dass Glück auch möglich ist, wenn man eine schwere Kindheit hatte. Es ist vielleicht ein weiterer Weg, aber wenn ich daran denke, was mich wirklich glücklich macht, dann kann ich ihn täglich gehen.

Hier noch ein paar Tipps für einen müllfreien Zero Waste Schwimmbadbesuch:

  • Waschbare Schwimmwindeln
  • Kokosöl für nach dem Chlor
  • Luffa um die tote Haut nach dem Saunieren loszuwerden
  • Für all die Leute, die ihre Tage haben: die beste Lösung ist ein Mooncup
  • Alle, die es versucht haben, sind meiner Erfahrung nach begeisterte Missionar*Innen.

Snacks:

  • Rohkost
  • Mandelmus zum Dippen
  • Kartoffelecken (Kartoffelachtel mit ordentlich viel Öl, Salz, Pfefferund Tajine Marrakesch im Ofen backen, bis sie duften und knusprig aussehen. Besser in eine Brotdose als in ein Glas, sonst werden sie labberig.)
  • Apfel-Bananenmark (Gibt’s bei dm im Glas. Löffel nicht vergessen.)
  • Saft

Li-Ming Richter studiert Szenische Künste in Hildehsheim und ist gerade Hauptberuflich Mama. Sie bloggt auf smugasfuck.comüber ihr Leben mit Baby, Hipstern und Müllvermeidung. Sie experimentiert gerne in der Küche mit lokalen unverpackt-Lebensmitteln. Yoga macht sie schon seit sie elf ist. Außerdem schreibt sie an ihrem Satireroman "Der Yogalehrer".


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