Yoga abseits der Matte leben – Ahimsa und was es für mich bedeutet
Ahimsa bedeutet gewaltfrei leben. Und so setze ich es in meinem Alltag um. #yoga #yamas

Ahimsa – gewaltfrei leben: Wie ich es im Alltag hinkriege

Wenn du dich schon länger mit Yoga beschäftigst, weißt du, dass Yoga viel mehr als das reine Praktizieren von Asanas ist. Yoga ist eine Lebenseinstellung, eine Philosophie und sollte auch abseits der Matte gelebt werden. Wenn man allerdings damit beginnt sich mit Yogaphilosophie zu beschäftigen, ist diese anfangs oft nicht so einfach zu verstehen und nur schwer verdaulich. Deshalb möchte ich dir heute einen kleinen Teil davon auf meine ganz persönliche Art und Weise vorstellen.

In der Yogaphilosophie gibt es unter anderem den achtgliedrigen Pfad des Yoga. Vielleicht hast du ja schon davon gehört. Er besteht aus:

1. Yamas – Umgang mit der Umwelt
2. Niyamas –Umgang mit sich selbst
3. Ãsanas –Körperübungen
4. Prãnãyãma –Atemübungen
5. Pratayãhãra –Rückzug der Sinne
6. Dhãranã – Konzentration
7. Dhyãna – Meditation
8. Samãdhi – das Höchste: die innere Freiheit

Thema meines heutigen Beitrages sind die Yamas bzw. ein bestimmtes Yama. Nämlich Ahimsa, das übersetzt so viel wie „Gewaltlosigkeit“ bedeutet.

Definition von Ahimsa

Yoga Wiki definiert Ahimsa folgendermaßen:

„Ahimsa (Sanskrit: अहिंसा ahiṃsā f.) wörtl.: Nicht-Verletzen, ist das Konzept der Gewaltlosigkeit, d. h. der Nichtschädigung anderer in Gedanken, Worten und Taten. Seid gewaltlos gegenüber eurem Körper, gegenüber anderen Lebewesen aber auch in Gedanken und Worten – das besagt Ahimsa.“

Es gibt unzählige Definitionen und Interpretationen von alten, berühmten Yogis darüber, wie Ahimsa im Alltag umzusetzen ist. Darum soll es heute aber nicht gehen, sondern darum, was es für mich bedeutet.

Was ich während meiner Yogalehrerausbildung über Ahimsa gelernt habe

Während meiner Ausbildung haben wir uns intensiv mit den Yamas, vor allem aber mit Ahimsa beschäftigt. Ein kritischer und strittiger Punkt beim Leben von Ahimsa ist stets die Frage, ob man, um Ahimsa richtig zu leben, Vegetarier bzw. gar Veganer sein muss. Die meisten Yogis sind der Meinung, dass nur eine vegetarische Ernährung yogisch ist. Viele gehen noch weiter und sagen, dass eine yogische Ernährung gar vegan sein muss, da in unserer heutigen Industrie meistens weder Milchkühe noch Legehennen artgerecht behandelt werden.

Eine unserer ausbildenden Yogalehrerinnen hat uns erklärt, dass sie nicht auf Fleisch verzichten will und deshalb nach einer Art gesucht hat, bei der sie das Essen von Fleisch und das Leben von Ahimsa für sich miteinander verbinden kann. Ihre Lösung war es, eine eigene Kuh zu kaufen und diese ausnahmslos zu verwerten. So wusste sie nicht nur wo ihr Fleisch herkommt, sondern auch, dass es der Kuh ihr gesamtes Leben bis zum Moment der Schlachtung gut geht.

Ebenfalls schwierig kann es sein, Ahimsa und Satya miteinander zu vereinbaren.

Auf der einen Seite sollen wir niemanden durch unsere Worte verletzen, aber auf der anderen Seite die Wahrheit sagen. Das passt nicht immer zusammen und beherbergt Konfliktpotenzial. Viele alte Yogis sind der Meinung, dass Ahimsa vorgeht, da es das erste Yama und Satya nur das zweite ist. Andere vertreten allerdings die Meinung, dass alle Yamas gleichrangig sind. Wie also dieses Dilemma lösen?

Das muss jeder für sich herausfinden. Denn vor allem das wurde uns im Rahmen unserer Ausbildung nahegelegt. Uns nicht an irgendwelche starren Meinungen und Dogmen zu halten, sondern den individuell für uns richtigen Weg zu finden, um Yoga auch abseits der Matte zu leben.

Ahimsa bedeutet gewaltfrei leben. Und so setze ich es in meinem Alltag um. #yoga #yamas

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Meine Interpretation von Ahimsa

Ich praktiziere Yoga mittlerweile sehr lange aktiv und meine Yogalehrerausbildung liegt auch schon zwei Jahre zurück. Trotzdem habe ich die Yamas und Ahimsa noch lange nicht abschließend für mich interpretiert und entdecke nach wie vor oft neue Facetten und Auslegungsmöglichkeiten. Ich denke, das ist ein lebenslanger Prozess und wahrscheinlich kann sich sogar die eigene Interpretation mit den Lebensjahren und der eigenen Entwicklung ändern und anpassen.

Ahimsa bedeutet für mich, mich nicht in Yogaposen zu zwingen für die mein Körper noch nicht bereit ist, was mir als sehr ehrgeiziger Mensch oft schwerfällt. Ahimsa bedeutet für mich gegenüber Menschen nicht körperlich gewalttätig zu sein, das ist eine Selbstverständlichkeit. Schwieriger ist es schon, wenn es um Gewalt in Worten geht. Ich bin der Meinung, dass die Wahrheit ab und zu, auch wenn sie dem anderen wehtut, raus muss. Natürlich nicht immer und manchmal ist es bestimmt besser Dinge zu verschweigen. Aber das ist einzelfallabhängig.

Nehmen wir mal eine Liebesbeziehung zwischen zwei Menschen. Wenn ich nie sage was ich mir denke, weil es den anderen verletzen könnte, würde das zum Einen dazu führen, dass sich in mir etwas anstaut und zum Anderen dazu, dass bestehende Konflikte nicht ausgetragen oder gar gelöst werden können. Natürlich soll man dem Partner deshalb nicht jede Gemeinheit, die man sich denkt, an den Kopf werfen, und sollte in gewissen Situationen besser mal die Klappe halten. Aber eben auch oft das Gegenteil.

Ahimsa und der Fleischkonsum

Ahimsa bedeutet für mich natürlich auch gegenüber Tieren nicht gewalttätig zu sein. Abgesehen von einer Stechmücke, die mich stechen will. Wahrscheinlich würden auch dabei jetzt einige Yogis aufschreien. Aber da geht für mich eben mein Wohl vor. Wenn ich allerdings Fleisch esse, übe ich, wenn auch nicht aktiv, Gewalt gegen Tiere aus. Ich habe mein Leben lang gerne Fleisch gegessen. Es schmeckt mir. Allerdings begann ich mit der Zeit ein schlechtes Gewissen zu haben. Wegen der Umweltbelastung, die Fleischkonsum verursacht und wegen der Gewalt, die Tieren dabei zugefügt wird. Letzten Sommer habe ich das erste Mal einen vegetarischen Versuch gestartet. Seit Anfang des Jahres 2018 habe ich, bis auf zwei Ausnahmen, noch kein Fleisch gegessen. Ich befinde mich hier nach wie vor in einem Prozess, lebe Ahimsa nicht ganz so wie ich es in dieser Beziehung für richtig empfinden würde, nämlich vollkommen vegetarisch zu sein. Weiß aber, dass Druck nichts bringen und bei mir als Trotzkind am Ende ins Gegenteil umschlagen würde.

Ahimsa bedeutet natürlich noch mehr und hat auf viele Lebensbereiche Einfluss. Das würde allerdings den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Im Grunde geht es für mich aber bei den Yamas so auch bei Ahimsa darum, das für sich richtige Gleichgewicht zu finden und nicht sich ein Leben nach strengen Dogmen aufzuerlegen.

Aber erzähl mir gerne von dir. Wie lebst du Yoga abseits der Matte? Wie integrierst du die Yamas und vor allem Ahimsa in deinen Alltag? Ich bin neugierig.

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Ahimsa - gewaltfrei leben nach den Yoga Prinzipien
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Ahimsa - gewaltfrei leben nach den Yoga Prinzipien
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Ahimsa - Gewaltlosigkeit. Ein wichtiges Thema der Yogaphilosophie. Doch was ist damit gemeint? Julia erzählt uns, was es für sie bedeutet.
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Julia ist ehemalige Juristin aus Österreich, die ihre Berufung in Yoga, dem Schreiben und einem kreativen Leben gefunden hat. Am glücklichsten ist sie, wenn sie nach dem Surfen in ihrem home away from home Bali barfuß am Strand spazieren und aufs Meer starren darf. Julia liebt kraftvolles Vinyasa Flow Yoga, betreibt selbst den Yoga & Lifestyle Blog www.yogaandjuliet.com, unterrichtet in Wien Yoga und veranstaltet Yoga Retreats.


'Ahimsa – gewaltfrei leben: Wie ich es im Alltag hinkriege' has 1 comment

  1. 16. April 2018 @ 9:47 angelika

    Ein ganz toller Beitrag von dir. Im Grunde geht es mir gleich wie dir, ich versuche so gut es geht vegetarisch zu leben, genehmige mir aber Ausnahmen. Bei Satya halte ich es so: ich lebe die Wahrhaftigkeit so weit, wie es mir hilft authentisch zu bleiben, meine Integrität und Selbstständigkeit zu wahren und an mir zu arbeiten. Aber in Dingen die jemand anderen betreffen, halte ich gerne die Klappe. Bei persönlichen Dingen (zb Geschmack, Arbeit, Aussehen, Wohnsituation usw.) ist die Gefahr zu groß jemand zu verletzen und die Wahrheit oft unnötig, da es nur meine Wahrheit ist. Lg Angelika


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