Du möchtest wissen, was im Ashram so abgeht? So war meine erste Ashram-Erfahrung

Indien im Westerwald – so war meine erste Ashram-Erfahrung

Ich sitze in einem großen Raum vor einem Altar, auf dem eine westliche Frau ganz in orange sitzt und auf dem Harmonium Mantras spielt. Mir wurde ein Korb mit Instrumenten hingehalten und ohne groß darüber nachzudenken, hab ich zu einer Rassel mit karibischem Muster gegriffen. Die kenne ich aus dem Kindergarten, in dem ich arbeite. Ein mir vertrauter Gegenstand inmitten dieser etwas unwirklichen Umgebung. Wahrscheinlich deshalb der spontane Griff danach.

Unwirklich, weil dieser Ort mit nichts vergleichbar ist, wo ich mich vorher schon mal aufgehalten habe. Und ich bin tatsächlich schon viel rumgekommen. Ein Stück Indien mitten im Westerwald. Genauer gesagt: Ein Ashram. Die meisten der Bewohner hier laufen in weiß, gelb oder orange rum. Das Event, das hier gerade abläuft, nennt sich Satsang. Ein Beisammensein mit Gesang und Vorträgen. Erinnert mich vom Prinzip an eine Messe in der Kirche. Die mochte ich noch nie besonders gerne. Mal sehen, ob das mit mir und dem Satsang noch was wird. Genügend Möglichkeiten eine Freundschaft aufzubauen bestehen, schließlich gibt es dieses Event zweimal täglich. Dieser hier ist der Einstieg in unsere „energetisierende Ferienwoche“, die ich mit einer lieben Freundin und 7 anderen Teilnehmern gemeinsam erleben werde.

Nun hab ich also eine Rassel in der Hand und das Mantra-Buch vor mir liegen

Um mich rum lauter fröhlich singende Menschen. Für mich gerade ein bisschen zu fröhlich, der Vibe hat mich noch nicht gepackt. Ich finde es gerade eher befremdlich. Vor allem bin ich auch müde, Jetlag. Erst etwas mehr als 24 Stunden bin ich wieder in der Heimat und noch etwas erschlagen von den Eindrücken der mir eigentlich vertrauten, aber doch inzwischen oft fremden Welt.

Auf die Woche hier habe ich mich unheimlich gefreut. Besonders auch auf meine Freundin, die ich 1,5 Jahre lang nicht gesehen habe. Endlich wieder Face-to-Face quatschen, lachen und albern sein, das können wir besonders gut im Doppelpack. Doch irgendwas hindert mich gerade daran, die Rassel voller Elan zu schwingen und lauthals in den Gesang mit einzusteigen. Obwohl ich mir vorgenommen habe, ganz unvoreingenommen zu sein und einfach alles mitzumachen.

Der Ort, an dem wir sind, liegt im tiefsten Westerwald

Wir sind lange durch einen dunklen Wald gefahren, fernab von jeglicher Zivilisation. Hier gibt es nur wenig Licht, dafür aber umso mehr Stille. Auch das ist erstmal eine Umstellung, wenn man sonst in einer chinesischen Großstadt mit vielen Millionen Menschen lebt. Das es genau diese Stille ist, die ich in den nächsten Tagen so zu schätzen lerne, das weiß ich an diesem ersten Abend noch nicht.

Die erste Nacht im Doppelzimmer ist gut. Wir stehen auf und mir knurrt der Magen. In Gedanken freue ich mich schon aufs Frühstück. Ach nee, Fehlanzeige, das war nur mein Wunschdenken. Frühstück gibt es ja gar nicht. Da muss ich mich noch etwas gedulden bis zum Brunch um 11 Uhr. Vorher gibt es noch Meditation, den morgendlichen Satsang, einen Vortrag und eine zweistündige Yogastunde. Man muss sich die Nahrung also erstmal erarbeiten. Zum Glück liegen aber Äpfel und Bananen bereit, um einer eventuellen Ohnmacht vorzubeugen.

Yoga vom Feinsten und sehr abwechslungsreich

Nach dem Brunch gibt es „Freizeit“. Zum Glück ist meine Freundin mit dem Auto da. Ein ganz neuer, sportlicher Flitzer, der beim losfahren brummt wie ein Rennauto (ihr Mann arbeitet für eine große Autofirma). Der Wagen macht sich nicht nur super zwischen den ganzen Normalo-Autos auf dem Ashram-Parkplatz (die alle, aber wirklich alle OM auf dem Kennzeichen stehen haben), sondern er eignet sich auch super zur kurzen Flucht in die Realität. Der Ausflug geht zur nächsten Kaffee-Oase. Diesen gibt es nämlich im Ashram selbstverständlich nicht. Wifi auch nicht, und Handys sind sowieso nicht gerne gesehen, wegen der Strahlung.

Am Nachmittag geht es dann weiter mit dem Programm. Eine weitere, 2-3 stündige Yogaklasse, Abendessen, Meditationen und, natürlich, Satsang. Danach noch verschiedene Entspannungstechniken, bevor man dann erschöpft aber glücklich ins Bett fallen darf. Im Laufe der Woche gibt es neben den „klassischen“ Yogastunden auch viele ganz besondere Stunden. In einer Yogastunde werden zum Beispiel jeder Asana passende Affirmationen genannt, die man dann (wenn man möchte) im Kopf wiederholen kann. Bei einer Mantra-Yogastunde werden wir während der Praxis mit dem Harmonium begleitet. Dann erlebe ich auch meine erste Kundalini-Yogastunde und bin hinterher noch lange von den Erfahrungen beschwingt.

Sonnengruß-Marathon um 6 Uhr morgens

Ein weiteres Highlight sind definitv auch die 108 Sonnengrüße, die wir an einem Morgen mit einer kleinen Gruppe machen. Selten hab ich während einer Yogastunde so dermaßen geschwitzt. Zwischendurch hatte ich immer wieder den Gedanken, mich in Shavasana zu schmeißen und erstmal nicht mehr aufzustehen. Doch als ich es dann nach 55 Minuten vollbracht hatte, hätte ich vor Freude fast geweint. Emotional ging es mir, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Erschöpfung, Stolz und Erleichterung, dass es nun endlich vollbracht war. Die gute Stimmung und die positive Energie trägt mich dann durch den Rest des Tages.

Am letzten Abend erwartet uns dann ein weiterer Höhepunkt: Nach dem Abendessen gehen wir zunächst zur Mantra-Rezitation für den Weltfrieden. Zu fünft sitzen wir im Halbkreis vor dem Altar und trommeln, als gäbe es kein Morgen mehr. Wir kommen in einen richtig tollen Flow und schmettern dazu eine Stunde lang lauthals das Mantra „Om Namo Narayanaya“ in die Welt hinaus. In Gedanken stelle ich mir vor, wie sich mit jeder Wiederholung des Mantras für irgendwen auf diesem Planeten das Leben ein kleines Stückchen verbessert. Gut fühlt sich das an.

Was passiert bitteschön im Ashram? Jasmin erzählt von ihrer Ashram Erfahrung.

Pin mich auf Pinterest!

Zum Abschluss: Krishna mit Milch übergießen und mit Blüten bewerfen

Als wir fast fertig sind, füllt sich der Raum langsam immer mehr. Viele wollen an der anschließenden Puja teilnehmen. Puja, das ist eine Zeremonie zur Veehrung der Götter. Für diesen Abend wurde Krishna ausgewählt. Eine Krishna-Figur steht auf einem kleinen Altar. Drum herum viele Schälchen, Löffel und Schüsseln. Als die Zeremonie beginnt, wird jeder Schritt für uns „Puja-Neulinge“ genau erklärt. Es werden viele Mantras rezitiert. Anschließend werden wir aufgefordert, die Statue mit Reismilch zu übergießen und dabei gute Wünsche auszusenden. Das dauert einige Minuten. Danach werden dann Blütenblätter und Reis auf die Statue geworfen. Was mir am Anfang noch etwas fremd erschien, macht mir auf einmal richtig viel Spaß. Die ganze Zeremonie ist definitiv ein weiterer Höhepunkt und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Beim letzten Satsang am Morgen des Abschlusstages bin ich schon ein wenig emotional. Viele verschiedenen Instrumente hab ich im Laufe der Woche ausprobiert, diese positive Energie und Lebensfreude die hier herrscht, hat mich gepackt und alle anfänglichen Zweifel über Board geworfen.

Alles in allem kann ich abschließend sagen, dass die Woche in dem kleinen Ashram im Westerwald meine Erwartungen definitiv übertroffen hat. Vieles hatte ich im Vorfeld darüber gehört, nicht alles unbedingt positiv. Ich würde diese Ashram Erfahrung definitiv weiterempfehlen und kann mir gut vorstellen, dort noch einmal einzukehren.

Und du? Warst du schon mal im Ashram? Wie hat es dir dort gefallen?

Fotocredit: Linda David

Willst du Glückspost von mir?

Liebe Christina, bitte sende mir wöchentlich und jederzeit widerruflich deine schönsten Inspirationen, Rezepte, Neuigkeiten, Infos und Angebote zu Yoga, Ayurveda und Meditation per Email zu.


Deine E-Mail Adresse wird an meinen Newsletter Anbieter ConvertKit zum technischen Versand weitergegeben. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.

Wir behandeln deine Daten nach DSGVO vertraulich. Du bekommst keinen Spam zugeschickt. Powered by ConvertKit

Jasmin ist Yogalehrerin für Kinder und Erwachsene und lebt nun schon seit einigen Jahren in Asien. Sie träumt davon, irgendwann ein kleines Retreat (am liebsten am Meer) zu eröffnen, wo sie die Menschen mit Yoga, Massagen, Reiki und veganem Essen verwöhnen kann. Sie unterstützt Christina hier beim Happy Mind Mag hinter den Kulissen.


'Indien im Westerwald – so war meine erste Ashram-Erfahrung' has 1 comment

  1. 14. Januar 2018 @ 9:47 Christina Richter

    Liebe Jasmin,
    danke für den tollen Artikel, der mich in meinen eigenen Erinnerungen schwelgen ließ. Ich war schon des öfteren im Ashram in Bad Meinberg, dem größten der Yoga Vidya-Ashrams. Dort ist es, schätze ich, viel wuseliger als im Westerwald, aber der Ablauf ist derselbe. Nach jedem Ashramaufenthalt bin ich voll positiver Energie und strahle im wahrsten Sinne des Wortes. Die Atmosphäre und die Menschen dort sind ganz besonders. Ich freue mich schon auf mein nächstes Mal.


Would you like to share your thoughts?

Your email address will not be published.

© Happy Mind Mag 2018 || Dein Blog für Yoga, Ayurveda, Meditation & Achtsamkeit || Fotos © Christina Waschkies | Sina Niemeyer (falls nicht anders angegeben)

Send this to a friend