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Capsule Wardrobe

All you need is less: Wieso Ausmisten die Seele befreit

Das erste Mal, dass ich richtig loslassen musste, war mein Umzug nach England Anfang zwanzig. Ich durfte so viel mitnehmen, wie in den Kofferraum des elterlichen Autos passte. Die fuhren mich nämlich netterweise dort hin. So hatte ich meine Lieblingsklamotten im Gepäck, mein Rennrad und ein paar Kleinigkeiten. Zurück ließ ich eine umfangreiche Plattensammlung, Klamotten, Sneaker, einen Boyfriend und ein WG Zimmer in St. Pauli. Vier Jahre strichen ins Land und ein Fotografiestudium später kam ich wieder nach Hamburg zurück. Dann ging es los mit den Praktika und im Jahr 2010 bezog ich meine erste eigene, kleine Wohnung.

Wieso Ausmisten die Seele befreit

Auch Mitte zwanzig war ich sehr minimalistisch unterwegs. Einerseits, weil ich es befreiend und einfach fand, andererseits, weil ich nicht die Kohle hatte, um so viel Zeug anzuhäufen. Ich steckte mitten in meinem Volontariat, verdiente etwas mehr als 1000 € monatlich und lebte im (für mich etwas zu hochpreisigen) Hamburger Portugiesenviertel in einer 1,5 Zimmer Wohnung, die mehr als die Hälfte meines Gehalts verschlang. Somit waren große Luxusgüter gestrichen.

Ich kaufte sehr reduziert ein

Ging sogar mit einer Freundin ab und zu „containern“ (Ganz recht. Ich ließ meinen Oberkörper in die Tiefen einer großen Supermarktmülltonne hinab, um weggeworfenes Bio-Gemüse mitzunehmen). Ich schlug regelmäßig zum Verkaufsschluss meines Lieblings-Wochenmarktes auf, um die Massen von Gemüse und Obst abzugreifen, deren Lebzeit überschritten war und die von den Standbesitzern verschenkt wurden. Dann ging es zu Hause ans Eingemachte. Oder viel mehr ans Einmachen: Aus schlappen Kräutern wurden Pestos, aus müdem Obst Marmeladen und Gemüse wurde eingefroren oder eingelegt. Mein Putz-Sortiment bestand aus Essig, Wasser & Spüli und ich shoppte am Liebsten auf Flohmärkten. Meine Smoothies enthielten lokale, saisonale Zutaten, hochwertige Öle und Nüsse. Ich musste mich nicht vor einem Regal voller Superfood-Supplements täglich neu entscheiden, welchen Fitness-Cocktail ich meinem Körper heute zumuten möchte. Moringa, Acai oder Matcha?

Ich hatte nicht viel und brauchte nicht viel

Ich lebte damals von wenig Cash und es fühlte sich sehr gut an. Irgendwann ging es dann los mit dem Geld verdienen und das unbedachte und hochpreisige Shoppen hielt Einzug in mein Leben. Ich hatte noch nie immens viel Kleidung, und das änderte sich auch nicht. Doch statt Flohmarkt wurden es eben Designerklamotten, auf die ich schon ewig scharf war. Von denen manche aber leider auch keine längere Halbwertszeit haben als ein gebrauchtes Kleidungsstück. Die man genau so schnell über hat, wie ein Top von Zara. Die oft qualitativ der allerletzte Schrott sind – ich erinnere mich an einen schockierend schlecht verarbeiteten Pullover von Marc Jacobs, den ich nach einem Monat in meinem Besitz in die Altkleidersammlung gegeben habe.

Sogar in Sachen Yoga wurde ich zum Messy

Ein Buch gesellte sich zum nächsten, auf einmal stapelten sich 10 bunte Leggings im Schrank und ich besaß 6 (!!!) Yogamatten. Jetzt sag mir doch mal: Wozu in aller Welt braucht man drei Tarotkartendecks? Sogar mein Altar war völlig zugestellt mit Kitsch und transportierte nicht mehr das, was er mir geben sollte: Ruhe & Raum. Dazu kommt, dass mein Mann Platten, Sneaker und Bücher sammelt und leidenschaftlich gern mit ausgefuchsten technischen Gerätschaften kocht. Also ist auch die Küche, sagen wir mal, großzügigst ausgestattet.

Kurzum: Wir besaßen plötzlich eine Menge Zeug

Um Weihnachten herum bekam ich einen großen Rappel. Angefangen bei der Ausstattung für unsere kleine Tochter, die im Mai auf die Welt kommt, war ich völlig entsetzt, was einem alles als „Essentielle Babyerstausstattung“ suggeriert wird. Natürlich der teure Joolz oder Bugaboo Kinderwagen. Wickeltisch, luftdichter Windeleimer, Krabbeldecke mit Erlebnis-Greif-Gedöns, Fläschchenwärmer, Klamotten, Windeln, Kosmetika. Spieluhr, Babybadewanne, Babybadetuch. Manduka-Trage, Mulltücher, Windeln, Spielzeug…. Nein. Da mach ich nicht mit.

Und ich erinnerte mich an meine minimalistischen Zeiten. Es gab wenig Auswahl und somit auch wenig Gedanken, die ich in Garderobe oder Nahrung stecken musste. Das Leben war EINFACH. Und diese Einfachheit gab mir eine Menge Raum für Gedanken und Lebensfreude, für Ideen und Kreativität, für Leichtigkeit und Entspannung. Für Ruhe im Kopf. Und ich erinnerte mich daran, wie einfach alles war, bevor die Kreditkarte zu glühen begann.

Weniger haben. Frei sein. Wieso ausmisten die Seele befreit.

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Ich fing an, auszusortieren. Mari Kondo half mir dabei. 

Ich fing zuerst bei meinem Kleiderschrank an. Das Buch The Life-Changing Magic of Tidying (auch auf Deutsch erhältlich, es heißt „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert„) von Aufräum-Spezi Mari Kondo war mir eine große Hilfe.

Ausmisten á la Mari Kondo geht so: Alle Klamotten rausholen. Drei Stapel machen:

  • Absolute Lieblinge. Werden drei mal die Woche angezogen. Passen von Farbe, Form Schnitt wie eine Eins zu mir. Meist sind dies hochwertige Basics in gedeckten Farben: Bequeme Leggings, gut sitzende Jeans, hochwertige Shirts und Tanktops, kuschelige Pullover und Cardigans, flache Schuhe.
  • Klamotten, die ich aus emotionalen Gründen noch behalten bzw. verkaufen möchte. Entweder, weil sie eine Menge Taler gekostet haben, oder weil sonst irgendein „Wunschbild“, das ich mal von mir entwickelt habe (athletische Super Yogini, freigeistige Hippie-Braut, knallharte Business-Lady) damit verknüpft ist, welches ich noch nicht ganz losgelassen habe. Ein weiteres Kriterium: Raus mit den Dingen, die meinem Alter nicht mehr angemessen sind. Diese Klamotten dürfen verschenkt werden oder in Kisten wandern, bis ich entscheide wie ich weiterhin damit verfahre bzw. ich verkaufe einiges davon im Internet. Das, was ich entspannt gehen lassen konnte und was noch in gutem, tragbaren Zustand war, hab ich der Eidelstedter Kleiderkammer gespendet – dazu gleich mehr.
  • Der Bodensatz. Also Zeug, mit dem du ganz definitiv durch bist. Entweder weil verwaschen, ausgeleiert, von mieser Qualität oder kaputt. Das kann einfach in die Tonne.

Es gibt einige Wege, deine alten Klamotten loszuwerden:

  • Bester Karma-Faktor: Spenden. Und zwar nicht in die Rotkreuz-Tonne werfen, sondern schauen, wo du LOKAL helfen kannst. Bestimmt gibt es eine Flüchtlingsunterkunft in deiner Nähe, die sich über warme, saubere Kleidung freuen. Nur bitte die Paillettenminiröcke und 15 cm Hacken nicht dorthin bringen. Siehe dieser Text. Gern gesehen sind derzeit auf jeden Fall wollige Pullover, am Besten vorher anrufen, was gebraucht wird!
  • Zweitbester Karma-Faktor: Verschenken. Meine kleine Schwester, selbst gerade Mitte zwanzig, freut sich immer über ein paar neue Fetzen.
  • Dann natürlich der gute alte Flohmarkt. Immer mit einem ganzen Tag frieren oder in der Sonne braten verbunden und für mich im Moment – hochschwanger wie ich bin – nicht geeignet.
  • Wie schon erwähnt, ist Kleiderkreisel eine Plattform zum Verkaufen oder Tauschen  – allerdings sind dort eine Menge shoppinglustiger Teenager unterwegs, die Sachen wochenlang reservieren möchten, weil sie noch auf ihr Taschengeld warten. Nerven aus Stahl sind hier gefragt.
  • Ansonsten gibt es auch noch Momox.de (für Bücher, CDs und DVDs) bzw. Momox-Fashion.de, wo du deine Markenklamotten ganz gut los wirst. Das Schöne daran: Du packst alles in einen Karton und schickst es hin, das Geld wird dir dann aufs Konto überwiesen.

Nachdem dieser Teil erledigt war, fing ich an mir Gedanken über eine sinnvolle, ökologische Garderobe Gedanken zu machen, die Spaß macht und mir vollkommen entspricht. Und da stolperte ich über das Wort „Capsule Wardrobe.“ Doch dazu liest du mehr im zweiten Teil meiner Aufräum-Aktion.

Und hier meine Lese-Tipps für befreiendes Ausmisten mit System: 

Wie machst du das mit dem Ausmisten? Regelmäßig? Oder häufst du lieber an? Ich freue mich über Feedback von dir in den Kommentaren.

Fotocredit: Sina Niemeyer

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All you need is less: Wieso Ausmisten die Seele befreit
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All you need is less: Wieso Ausmisten die Seele befreit
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Ausmisten schafft Ruhe und Klarheit in Gedanken und Gefühlen. Ich könnte behaupten, es hat meine Seele befreit. So bin ich vorgegangen.
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Christina Waschkies

Christina ist Mama, Yogini, Spiritual Business Mentorin und Bloggerin. Ihre Mission ist es, Yoga, Ayurveda, Meditation und Achtsamkeit ganz unkompliziert zu leben und weiterzugeben. In der SPIRITUAL BUSINESS SCHOOL coacht Christina Frauen darin, ihre Bestimmung zu finden und sie zu einem profitablen Business zu machen. Außerdem designt Christina liebevolle yogische Geschenksets sowie spirituellen Schmuck, den du in ihrem HAPPY MIND SHOP kaufen kannst. Privat mag Christina das Übliche: Zeit mit ihrer Tochter und ihrem Mann verbringen, gutes Essen, Filme, Musik, Reisen und einen netten Umgang miteinander. Schreib eine Mail an Christina. Oder sag hallo auf Google+


'All you need is less: Wieso Ausmisten die Seele befreit' have 10 comments

  1. 23. März 2017 @ 9:47 Christina Waschkies

    :D Mieten ist super! Und nein, der Artikel ist in der Schwangerschaft mit Dora entstanden :) Er ist vom letzten Jahr, aber immer noch total gültig. ALles Liebe!

  2. 21. März 2017 @ 9:47 Cherry

    Super Artikel der wie gerufen kommt. Da werde ich mich mal näher mit beschäftigen. Für unseren Lütten miete ich den größten Teil seiner Klamotten. Wenn er rausgewachsen ist, schicke ich die Sachen einfach wieder zurück und habe sie hier nicht rumliegen.
    Aber warte, im Artikel fällt mir etwas auf… Hochschwanger wie ich bin….. Bekommt Dora ein Geschwisterchen?;)

  3. 21. März 2017 @ 9:47 Christina Waschkies

    Danke dir :) das freut!

  4. 21. März 2017 @ 9:47 Nadine

    Ein wunderbarer Text! Vielen Dank für die Anregung! Herzliche Grüße!

  5. 27. März 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Ich bin nach ein paar Wochen Capsule wardrobe total zufrieden mit den wenigen Klamotten und auch mein Shoppingverhalten hat sich total geändert. Und das lustige ist, wenn man einmal mit dem ausmisten anfängt mag man gar nicht mehr aufhören:) Liebe Grüße!

  6. 24. März 2016 @ 9:47 Ann-Kathrin

    Ich möchte dieses Jahr auch endlich mit einer Capsule Wardrobe beginnen. Den Kleiderschrank habe ich zwar vor ein paar Wochen schon mal grob aussortiert aber ich glaube, dass ich mich der Sache nochmal richtig stellen muss um wirklich eine Veränderung spüren zu können.
    Liebe Grüße

  7. 15. März 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    ohh das freut mich liebe Sabrina. Dank dir für deinen Kommentar. <3 Christina

  8. 15. März 2016 @ 9:47 Sabrina

    Vielen lieben Dank für diesen super geschriebenen, tollen Artikel!! Du hast mich damit wirklich inspiriert, selbst etwas an meinem Storage- und Kaufverhalten zu ändern. :-)

  9. 13. März 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Danke sweetie :)

  10. 13. März 2016 @ 9:47 Crissi

    Super toller und inspirierender Beitrag!


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