Bewusstsein durch Verkörperung: Embodiment

In den letzten Jahren hat sich meine Yoga Praxis sehr verändert. Während am Anfang der Fokus darauf lag, was muskulär möglich ist, liegt inzwischen der Fokus darauf, was aus der Wahrnehmung heraus möglich ist. Obwohl abstrakt der Traum noch besteht, irgendwann mühelos den Skorpion machen zu können, liegt der eigentliche Antrieb meiner Yoga Praxis jetzt in der immer feineren Wahrnehmung von Körper und Geist.

Doch was bedeutet das? Man muss aufpassen, nicht ins Mystische oder Unerklärliche abzuschweifen. Die Grenzen liegen da sehr nah beieinander.

Was ist Embodiment?

Embodiment (Verkörperung) beschreibt die Verbindung von Körper und Geist und geht davon aus, dass
Bewusstsein nicht ohne Verkörperung möglich ist. Unsere körperlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen sind also gegenseitig verknüpft mit unseren Gedanken und unserem Verhalten. So, wie wir über unseren Körper, oder genauer unsere Sensomotorik, Informationen aufnehmen, können wir uns auch nur über unseren Körper äußern. Diese sensomotorische Wahrnehmung ist wiederum eingebettet in ein biologisches, psychologisches und kulturelles Umfeld.

Embodiment in der Forschung

Viele Forschungsbereiche, unter anderem die Soziologie, Philosophie und Psychologie, beschäftigen sich schon länger mit dem Konzept des Embodiment und haben erkannt, dass der Körper einen wesentlichen Aspekt unseres Denkens und der Wahrnehmung beeinflusst. So werden physisch-neurale, aber auch physisch-kognitive Zusammenhänge sowie Wechselwirkungen mit dem Verhalten erforscht. Dazu gehören zum Beispiel Studien, die untersuchen wie die Darmflora mit unserem Gemüt zusammenhängt oder Muskelaktivität sich auf Willenskraft auswirkt. Natürlich gibt es darüber hinaus weitreichende Literatur zum Thema Embodiment aus den unterschiedlichsten Bereichen. Die Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Körper und Geist verdichten sich ganz klar, wobei zur Zeit immer noch sehr viele Fragen offen sind.

Wo die Wissenschaft empirisch forscht und allgemeingültige Zusammenhänge aufzeigt, können wir im kleinen – für uns selbst – unsere eigenen Theorien aufstellen. Auch, wenn sich persönliche Erlebnisse nicht ohne weiteres verallgemeinern lassen, können sie doch zumindest zur Erfahrung der eigenen Verkörperung beitragen.

Neue Ansätze im Yoga

Das Konzept des Embodiment eröffnet wieder eine alte, fast vergessene Perspektive auf die Yoga Praxis.
Während man gerade den Eindruck hat, dass Yoga immer mehr als athletische Praxis erforscht wird, in der
Knochen, Gelenke, Muskeln und Bindegewebe eine Rolle spielen, gibt es inzwischen Ansätze, die einen anderen Fokus auf die Yoga Praxis legen: Die physische Yoga Praxis als Ausdruck und Verkörperung unseres
Bewusstseins. Daraus entsteht, neben der rein physischen, auch eine meditative Erfahrung unseres Körpers und des Geistes.

Diese Perspektive auf die Yoga Praxis eröffnet eine vielversprechende Entwicklung im Yoga. Letztendlich ist
natürlich wichtig, wie wir unsere eigene Yoga Praxis wahrnehmen, und wo für uns der Fokus liegt. Das ist zum einen eine individuelle Entscheidung, allerdings eben auch eine Frage des Angebots. Je umfangreicher die Facetten des Yoga Angebots werden, desto mehr Möglichkeiten gibt es, die eigene Technik und Erfahrung des verkörperten Selbst im Yoga zu verfeinern. Wohin soll die Reise gehen?

 

Fotocredit: www.samanthayoungphotography.com


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About

Clemens Frede, Yogalehrer aus Hamburg Clemens Frede ist Yoga Lehrer in Hamburg und schreibt einen eigenen Blog über Yoga und das Leben. Besucht Clemens auf seinem Blog www.clemensfrede.com oder schreibt ihm eine Mail. 


'Bewusstsein durch Verkörperung: Embodiment' have 2 comments

  1. 29. Juni 2015 @ 9:47 Clemens

    Hallo Milena,
    das freut mich. Komm gerne mal vorbei, wenn Du in Hamburg bist.
    Embodied Flow ist eine neue Yoga Art, die genau auf diese Wahrnehmung eingeht.
    Schöne Grüße! Clemens

  2. 25. Juni 2015 @ 9:47 Milena

    Lieber Clemens,

    tolles Thema über das Du da schreibst :-) Mich interessiert Embodiment am aller meisten! Ein langsamer, meditativer Flow und Bewusstsein, dass sich ausdehnt bis in jede Zelle hinein :-) Sensomotorisch-perzeptive Wahrnehmung als Schlüssel für Bewusstseinsverändernde Prozesse! Ohhh ja :-) liebe Grüße Milena


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