Bhaktified – wie du Liebe und Hingabe in dein Leben integrieren kannst

Jeden Morgen sehe ich die beiden.

Ich fahre zum Unterrichten oder bin auf dem Weg ins Büro, und sie strampeln an mir vorbei. Vater und Sohn auf einem Tandem: Sohn vorne, Vater hinten. Der Sohn kann aufgrund eines Handycaps beide Arme nicht bewegen, fährt freihändig und ist im Teenageralter. Der Vater sitzt hinter ihm und ich sehe sie miteinander reden. Jeden Morgen, bei so ziemlich jedem Wetter. Wenn ich auf dem Rückweg nach Hause bin, sehe ich den Vater allein auf dem Tandem, auf dem Weg zur Schule, um seinen Sohn wieder abzuholen.

Es berührt mich jedes Mal.

Die beiden sind für mich Inbegriff absoluter Liebe und Hingabe – Bhaktified for life.

Bhakti ist einer der großen Yogawege und bedeutet das Yoga der Liebe und der Hingabe. Es wird auch als eines der sechs Hauptwege zur Selbstverwirklichung beschrieben.

Bhakti für einen Menschen, eine kleinere Gruppe, für Familie, Freunde, Bekannte zu spüren und zu verwirklichen, fällt den meisten Menschen unter uns ziemlich einfach. Man muß es eben einfach nur machen. Bhakti für größere Gruppen, wie z. B. die Flüchtlinge, die momentan nach Europa strömen, in der Hoffnung auf ein besseres und sicheres Leben, zu fühlen und eben einfach nur zu machen, wird sehr, sehr kontrovers und leidenschaftlich diskutiert.

Es ist ein Thema, das niemanden kalt läßt und zu dem jeder eine ganz eigene Einstellung hat. Ich muß zugeben, daß mich viele meiner Mitmenschen mit ihrer Meinung über Flüchtlinge, deren Unterbringung und Zukunftschancen in unserem Land, doch – milde gesagt – erstaunt haben. Bei vielen ist es eine Mischung aus Unwissenheit, Angst und diffusen Gerüchten – leider oft unterstützt durch ein extrem schlechtes Marketing seitens der Politik. Man wird wieder eher übervorsichtig und mißtrauisch, schließt die Haustür lieber zweimal ab und bangt um Haus und Kinder.
In diesen Gesprächen wurde ich jedesmal auf alle existierenden Probleme hingewiesen, die wir hier in Deutschland ja auch erstmal bewältigen müssten.

Klagen auf hohem Niveau

Na klar, Herrgottnochmal. Die kann ich auch nicht alle wegatmen. Aber die Situation ist ja nun mal so, wie sie gerade ist (und zwar nicht nur hier in Europa, sondern weltweit!) und ich persönlich glaube nicht, dass durch unser Gejammere und Angstgehabe und HätteHätte-Geheule irgendetwas magisch besser wird oder mehr Flüchtlinge sich auf halben Weg, in einem schrottigem Boot auf der Mitte eines Meeres doch entscheiden lieber umzukehren (“Hey, war doch nicht so schlecht zu Hause. Da meckern die Leute wenigstens über echte und nicht über 1. Welt Probleme”).

Mich macht es traurig zu sehen, dass wir Deutschen anscheinend erst ein Wort wie “Willkommenskultur” erfinden müssen, damit viele mal die Einschläge merken. Abgesehen davon plädiere ich, dass dieses Wort auf der Un-Wortliste des Jahrhunderts landen darf, weil es einfach fürchterlich ist. Es klingt wie Schützenverein und Kleingeistigkeit. Ich wünschte, ich hätte es nie gekannt.

Taten sprechen lassen

Durch meine ehrenamtliche Arbeit beim Winternotprogramm in Hamburg, habe ich in den Obdachlosenheimen schon vor 3 Jahren Kontakt zu Flüchtlingen gehabt. Zu 95 % positiv und horizonterweiternd. Aber auch nicht immer wirklich einfach. Am Anfang habe ich viel von dem Schweren mit nach Hause genommen. Mit der Zeit wurde es besser, nicht weil ich unempfindlicher wurde, sondern weil ich sah, dass ich half. Selbst mit kleinen Gesten, wie ein Extra-Wurstbrot zu schmieren, ein kurzes Gespräch zu führen oder eine trockene Hose aus der Kleiderkammer heraus zu suchen: Es gab einfach etwas, was ich physisch tun konnte, um ein kleines Problem aus der Welt zu schaffen. Wohlgemerkt ein kleines Problem für mich. Für den Menschen, der vor mir stand und mich darum bat, konnte es sehr viel mehr bedeuten.

In meinen Augen ist es genau das, was wir tun können: Kleinigkeiten. Die zusammengefasst zu einer reellen Unterstützung im Alltag dieser Menschen werden können. Es gibt schon sehr viele Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, aber es werden immer helfende Hände, mitfühlende Herzen und frische Ideen gebraucht. Und gern über längere Zeit.

Liebe/r Yogi/ni: Lass Bhakti nicht einfach nur zu einem Wort werden, mit dem Deine Yogalehrerin ab und an in Deiner wöchentlichen Klasse herumhantiert, oder dass Du mal in Deiner Yogalehrer-Ausbildung gehört hast. Gerade wir Yoga-Praktizierenden dürfen gern (noch) öfter über den Rand unserer sicheren Matten blicken und uns engagieren.

Wir leben in einer Welt im Wandel. Alle gemeinsam.

Wer sich für Zahlen und Fakten interessiert, darf hier gerne nachlesen.


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Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga. Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de oder schreib einfach eine Mail an Julie.  


'Bhaktified – wie du Liebe und Hingabe in dein Leben integrieren kannst' have 2 comments

  1. 7. September 2015 @ 9:47 Julie

    Liebe Moni!!
    Vielen, lieben Dank für Deinen Kommentar!! Wie toll! Das ist eine ganze Menge, die Du da auf die Beine stellst – Respekt!!
    Ich würde mich freuen, wenn Du mir von Deinen Erfahrungen schreiben würdest, vor allem, wie der Deutschkurs angenommen wird.
    Alles Liebe und shine your light!
    Julie

  2. 3. September 2015 @ 9:47 Moni en Route

    Guten Morgen,
    was für ein zauberhafter Artikel Julie!!!! Vielen Dank dafür. Ich bin tief gerührt und bestärkt, mich ebenfalls weiterhin zu engagieren. Heute habe ich eine kleine Gruppe (bei mir gegenüber ist eine Flüchtlingsunterkunft) eingeladen, bei mir zu kochen, wenn sie mögen und nächste Woche starten wir mit einem Deutschkurs.
    Herzliche Grüße


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