Die Brüste lieben lernen

Brüste. Eine späte Freundschaft.

Kleine Brüste. Große Brüste. Spitze Brüste. Runde Brüste. Wippende Brüste. Hängende Brüste. Brüste mit flachen Nippeln. Brüste mit frechen Nippeln. Brüste mit langen Nippeln. Mini Nippel. Riesen Nippel. Dunkle Nippel. Helle Nippel. Drei Nippel. Keine Nippel.

Meine erstes Aufmerken in Sachen Brustform geschah mit 14. Irgendein Typ, den ich damals wohl cool fand, an dessen Namen ich mich allerdings heute noch nicht mal mehr erinnern kann, ließ eine richtig doofe Bemerkung fallen. Er möge einfach keine traurig dreinschauenden Brüste. Ihm seien die fröhlichen einfach lieber.

Ich fragte nicht genauer nach, wie sich dies definierte. Also ab vor den Spiegel, Reality Check. Au wei. Guckten mir da etwa traurige Brüste entgegen? Von je her mit einer gewissen Fülle gesegnet, konnte ich nie ohne BH rumlaufen. Das Thema war einfach mal mit 13 abgehakt. Sie sahen jetzt nicht absolut ekstatisch aus, meine Brüste. Nicht wie Teenager vor ihrer ersten guten Party. Eher wie Teenager mit einem zufriedenen Hangover nach einer guten Party, mit Pyjamas auf der Couch. Gemütlich trifft es wohl eher. Oder war das dann doch schon leicht depressiv?

Da war er, der erste Headfuck.

Mir schwante Übles und die Suche nach der Definition einer akzeptablen Oberweite ging weiter. Gesellschaftlich festgelegte Kriterien für eine schöne Brust entnahm ich der damaligen Pflichtlektüre in Sachen Selbstbewusstseins-Bashing. Ich glaube, es war die „Glamour“ oder die „Joy“. Wahrscheinlich beide. Sie gaben ein klares Statement ab: Rund sollte sie sein, die perfekte Brust. Ein Bleistift sollte gefälligst nicht darunter zu klemmen sein. Nippel bitteschön NIEMALS größer als ein Fünfmarkstück. Und anhand dieser Eckdaten konnte ich mich mit 15 von dem Gedanken verabschieden, eine „schöne“ Brust zu haben.

Es folgten ein paar verschämte Jahre… 

…in denen ich mich wirklich ungern nackt zeigte. 20, um genau zu sein. Obwohl mir nicht einer meiner Exfreunde je einen komischen Blick zuwarf oder das Gefühl gab, im oberen Drittel meines Körpers nicht attraktiv genug zu sein. Aber egal. Ich hatte ja noch den altbekannten Satz im Kopf:

Brüste müssen fröhlich sein.

Und das ließ sich sicher nicht durch ein paar positive Erfahrungen wieder ausbügeln. Das Ganze ging so weit, dass ich sogar meinem Ehemann, ich wiederhole, meinem mir per Gesetz angetrauten Ehemann, meinem Liebsten, dem Vater meiner Tochter, nicht gerne meine Möpse präsentierte und stets mit vorgehaltenem Handtuch von der Dusche zum Schrank flitzte.

Erst in der Geburtsnacht von Dora legte ich meinen Headfuck ab

Vor meinem Mann und natürlich auch vor unseren zwei Hebammen. Ich lag acht Stunden lang nackt in der Geburtswanne und tönte wie eine Elchkuh ein Baby aus mir heraus, mir hätte nichts egaler sein können als der Anblick meiner Brüste. Irgendwann machte es plopp und sie war da (okay, das ist eine etwas übertriebene Darstellung). Sie wurde nach kurzer, magischer Begrüßungseuphorie direkt angelegt und wusste sofort etwas mit meinen Brüsten anzufangen.

In den nächsten Wochen folgte der Stillmarathon

– auf den keine werdende Mama so richtig vorbereitet wird. Und damit auch konstantes Brust-Aua. Ich war noch mal ziemlich im Clinch mit meinen Milchtüten. Wieso zur Hölle mussten die so weh tun? Was für eine Unverschämtheit war eigentlich dieser Milcheinschuss? Und wieso bittesehr passten Doras Kiefer und meine NipNips so mies zueinander? Warum wurde das Stillen immer als „wunderschön“ propagiert, wenn es so schmerzhaft war?

Ich war stinksauer auf die beiden (meine Brüste, nicht Dora und Ehemann) und kämpfte mich so gut es ging von einer Stillsession zur nächsten. Bis ich irgendwann beim Googlen auf die Low Level Lasertherapie stieß und mir sofort drei Termine holte. Und auf einmal flutschte es. Ich konnte ohne Schmerzen stillen. Und noch besser: Ich konnte mich endlich mit meinen Brüsten versöhnen.

Denn Dora findet die beiden so prima!

Sie lacht sie an, kurz bevor es los geht. Sie ächzt empört, wenn ich sie zu spät aus der Bluse hole. Sie quatscht mit ihnen, bevor sie ins Bett geht oder wenn sie sich morgens einfach nur auf den Tag freut. Sie benutzt sie als Kopfkissen. Sie schläft am liebsten mit der Nase ganz dicht dran. Sie seufzt und macht „Mhmhmhmhm“, wenn sie trinkt. Meine Brüste sind köstliche Nahrungsquelle, ein Ort des Schutzes und kuschelige Seelentröster. Ich bin die, aus deren Brüsten warme, süße, köstliche Milch fließt, die mein Baby glücklich machen. Die mich glücklich machen, wenn ich so ineinander verkuschelt mit ihr da liege und sie stille. Plötzlich erkannte ich den elementaren Sinn meiner Brüste: Mein Kind zu ernähren.

Kuschelmomente mit Doralein

Kuschelmomente mit Doralein

Unser Brüste sind Zeichen unserer weiblichen Superpowers

– ob wir nun Babys damit füttern oder nicht. Sie stehend für die nährenden, umsorgenden, liebevollen Qualitäten, die wir Frauen mitbringen. Sie sind ausgestattet mit einem perfiden System, das die nahrhafteste Milch aus Drüsen fließen lässt. Die übrigens ausreicht, um ein Baby ausschliesslich damit zu ernähren, zur Not über viele, viele Monate. Die Brüste unserer Vorfahren haben in Hunger – und Kriegszeiten die Kinder durchgebracht. Eine Freundin meiner Mutter wurde im zweiten Weltkrieg von einer Nachbarin gestillt, damit sie nicht verhungern musste.

Wenn du auch Dauerzoff mit deiner Oberweite hast

Dann lass doch meine Gedanken dazu ein wenig wirken. Ich finde, dass Brüsten in unserer Gesellschaft ein völlig falscher Stellenwert zugeschrieben wird. Unsere Brüste sind nicht unsere „Manpleaser“. Es geht nicht darum, Männern zu gefallen (ach, nee!). Es geht nicht darum, sexuell attraktiv gefunden zu werden (ok, auch. Aber eben an zweiter Stelle und nicht im Vergleich zu anderen Brüsten.) Unsere Brüste sind fein, so wie sie sind. Sie tun ihren Job ganz fantastisch. Und klar: Wir können nicht von einem auf den anderen Tag anfangen, unsere harte Kritik an unseren Brüsten sein zu lassen. Aber wir können nach und nach anfangen, eine zarte Freundschaft entstehen zu lassen. Mit Weichheit und Offenheit und Liebe unserer Brust zu begegnen.

Denn weißt du was? Direkt hinter unseren Brüsten schlägt unser Herz.

Ein paar Tipps von mir für mehr Brustliebe:

  • Eine Brustmassage mit einem nährenden Öl ist einfach nur wunderbar. Ich benutze dafür das Spinnrad Mandelöl, das auch empfindlichen Babynasen nix ausmacht (Brustwarzen aber auslassen!) oder, während der ersten Wochen der Stillzeit das Weleda Stillöl.
  • Ich übe sehr gern die Herzmeditation von Laura Seiler. Sie hat einen fantastischen Podcast, den du ganz umsonst auf iTunes abonnieren kannst.
  • Ich baue gerne Herzöffner und Übungen in meine Praxis ein, um die Wirbelsäule flexibel zu halten – z.B. Katze/Kuh und den Kamelritt (hier findest du eine Anleitung). Denn wie meine Lehrerin Andrea Kubasch während unseres Teacher Trainings sagte: Dein Herz strahlt auch nach hinten.
  • Und nicht zuletzt: Freundliche Affirmationen. Sprich mit deiner Brust. Sag ihr, dass du noch etwas ambivalent ihr gegenüber bist, aber daran arbeitest, mit ihr wirklich gut befreundet zu sein. Dass du ihre zarten Rundungen sehr zu schätzen weißt, und dran bist, auch {…setze hier deinen persönlichen Headfuck ein…} zu lieben. Deinen Worten werden deine Gedanken folgen.

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Christina ist Mama, Yogini und Full-Time-Bloggerin. Sie praktiziert Yoga seit vielen Jahren mit großer Freude und findet, dass Spiritualität eine sehr persönliche Angelegenheit ist: Jeder lebt sie ein bisschen anders! Nebenbei designt Christina liebevolle yogische Geschenksets sowie spirituellen Schmuck, den du in ihrem HAPPY MIND SHOP kaufen kannst. Privat mag Christina das Übliche: Zeit mit ihrer Tochter und ihrem Mann verbringen, gutes Essen, Filme, Musik, Reisen und einen netten Umgang miteinander. Schreib eine Mail an Christina. Oder sag hallo auf Google+


'Brüste. Eine späte Freundschaft.' have 11 comments

  1. 26. Mai 2017 @ 9:47 Christina Waschkies

    Liebe Regina, danke für deinen ehrlichen Worte und schön, dass du mittlerweile auch Freundschaft geschlossen hast. Ich kann dich beruhigen: Nach Schwangerschaft und Stillzeit werden sie nochmal kleiner. :) Ganz ganz liebe Grüße!

  2. 26. Mai 2017 @ 9:47 Reginka

    liebe Christina,

    ich bin durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen und habe mich – im ersten Teil – sofort wieder erkannt. Zugegeben, ich hadere auch heute noch mit meinen Brüsten und zeige mich ungern nackt vor meinem Freund. Zwar kann ich mit kühnem Verstand sagen, „alles halb so schlimm“, aber so richtig mögen, tue ich die Dinger ;) immer noch nicht.

    Absurd, ich weiß!

    Mit 14 haben meine Brüste angefangen zu wachsen und (gefühlt) nicht mehr aufgehört. Ganze 75 E haben die beiden erreicht und waren nicht zur übersehen. Ich trug Sport-BH`s nicht nur zum Sport, sonder auch im Alltag um meine Brüste zu verstecken. Dessous kaufen war kein Vergnügen für mich, den mit 16-18 Jahren möchte man schöne sexy Unterwäsche tragen und keine „Oma-Wäsche“ (die für große Oberweiten angeboten wurde). Von meinen „Freundinnen“ musste ich mir Sprüche, wie „na du hast ja Riesen-Hupen“ anhören…

    Alles in allem hat sich nach der Pubertät für mich alles ein wenig relativiert und meine Brüste sind auf – jetzt halte dich fest – 75 D/C „geschrumpft“ oder besser gesagt, sich durch das älter werden und Sport zurück gebildet. Aber meine Angst bleibt: sollte ich Schwanger werden, kommen die Zeiten der Riesen-Brüste wohl zurück :/

  3. 16. Oktober 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    <3 Wie lieb! Hoffe es geht dir ganz fein. Du, ich wohn jetzt in Hannover! Ganz nah dran an dir! Können uns ja mal auf einen Kaffee sehen? Drück dich!

  4. 16. Oktober 2016 @ 9:47 Kristin

    Sehr schön geschrieben! Vielen Dank, liebe Christina!

  5. 6. Oktober 2016 @ 9:47 Birgit

    Danke für den schönen und mutigen Beitrag. Spricht mir aus der Seele!

  6. 30. September 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Ach ich freu mich, hab lange über diesen Text nachgedacht, bevor er aus den Fingern geflossen kam. Und auch etwas Angst, ihn online zu stellen :D Liebe Grüße!

  7. 30. September 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    :) Freut mich. Sehr gern!

  8. 30. September 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Danke liebe Dani, wie schön! Unsere Brüste sind wirklich toll. <3 Ganz liebe Grüße!

  9. 29. September 2016 @ 9:47 Dani

    …ich bin frisch gebackene Mama und du sprichst mir so sehr aus dem Herzen/ aus den Brüsten ????. Erst jetzt weiß ich sie zu schätzen und bin schon fast stolz auf sie und auf das was sie leisten!

  10. 28. September 2016 @ 9:47 Hofpils

    War schön zu lesen – musste ab und an schmunzeln. Danke dir. ????

  11. 28. September 2016 @ 9:47 janina

    ha! nichts hinter der überschrift vermutet und dann total gepackt worden.

    danke für diesen schönen text, ich werde mir die affirmationen zu herzen (und auch direkt darüber ;) nehmen


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