Ist Rohkost wirklich so gesund

The Dark Side of Rohkost – ein Erfahrungsbericht

Rohkost ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde und zählt zurzeit zu den populärsten Ernährungstrends. Die Idee überzeugt durch ihre Einfachheit und ihre Pragmatik gleichermaßen. Je naturbelassener ein Lebensmittel, desto gesünder. Zudem ist der damit verbundene Aufwand gerade für uns heutige Jet-Setter auf dem Durchflug von Termin zu Termin idealtypisch, da eine zeitaufwendige Zubereitung entfällt. In die Hände, fertig, los. Doch hält die Theorie in der Praxis auch wirklich, was sie verspricht? Ein Erfahrungsbericht mit der Erkenntnis: eher nicht.

Seit gut einem halben Jahr habe ich meinen Speiseplan im Begeisterungssturm für das Raw-Konzept konsequent auf den Kopf gestellt. Bereits zum Frühstück habe ich mir den Start in den Tag vergrünt: Alter Hirse-Obst-Nuss-Brei bye bye und welcome new age Frühstück in flüssigem Smaragd. Ich habe mir einige Bücher angeschafft und andere durchforstet, um mich an immer wieder neuen Rezepten und Kombinationen zu probieren. Vorgedrungen bis in die Liga der Superfoods, habe ich meiner Kreativität keine Grenzen gesetzt und mich im Obst- und Gemüsegarten erfinderisch ausgetobt – doch leider mit nicht unerheblichen Kosten im doppeldeutigen Sinne.

Feststellung nach 6 Monaten: Ein überforderter Körper

Nach rund 6 Monaten musste ich feststellen, dass ich deutlich an Gewicht verloren habe. Nun könnte man meinen – toller Effekt und was gibt es da zu meckern? – doch das war so gar nicht in meinem Sinne. Zudem stellten sich hartnäckige Magen-Darm-Beschwerden ein, die sich zunehmend manifestierten und mir deutlich zum Ausdruck brachten, dass mein Organismus sich mit der Umstellung so gar nicht einverstanden erklärt. Völlige Überforderung von Leber, Niere, Galle und Bauchspeicheldrüse waren das Resultat. Die enzymatische Aufspaltungsarmee trat die Revolte an. Teilweise wird auch gefrorenes Gemüse und Obst verwendet, worauf nicht jeder Verdauungstrakt freundlich reagiert.

Bei der Smoothie-Herstellung kombinieren wir zum Teil eine Vielzahl an Lebensmitteln, was den Verdauungstrakt schon grundsätzlich vor eine erhebliche Herausforderung stellen kann. Hinzu kommt jedoch noch, dass auch die einzelnen Bestandteile untereinander nicht unbedingt gut aufeinander abgestimmt sind und nicht miteinander harmonieren, da sie unterschiedliche Aufgaben an die Verstoffwechselung stellen, was zum Streik der Darmflora führen kann. Du hast vielleicht schon mal eine ähnliche Erfahrung gemacht, wenn Du Dir beim Buffet den Bauch vollgeschlagen hast und dann feststellen musstest, dass er dagegen rebelliert. Viel hilft nicht immer viel.

Ayurvedische Ernährungsberatung brachte Aufklärung

Letztlich nahm ich die Signale zum Anlass eine schon ohnehin lang auf der Agenda vorgesehene, ayurvedische Konstitutionsbestimmung und Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen, die leider meine Euphorie für die frisch etablierte Gewohnheit zu Fall brachte. Wir Menschen sind wohl doch viel zu unterschiedlich, als das ein Konzept für jeden Einzelnen gleichermaßen taugen kann. Mir wurde offenbart, dass ich in Bezug zu meiner Dosha-Dysblanace meine neu geschlossene Freundschaft zu den Fruchtcocktails überdenken und ernsthaft in Frage stellen muss, da sie mir leider gar nicht bekommt und für meine aktuell ausgeprägte Konstitution überhaupt nicht zuträglich ist. Das nenne ich mal Desillusionierung bar jeder Vernunft.

So wenig Dogmen im Ayurveda festgeschrieben sind, so individuell fallen die Empfehlungen für unsere spezifischen und hoch komplexen Lebenswirklichkeiten aus. Bei meiner aktualisierten Menügestaltung ist nun Rohkost bis auf weiteres Tabu. Gleiches gilt für reine Vollkornprodukte, die ebenfalls zuvor einen zentralen Bestandteil bei meinen Essgewohnheiten eingenommen hatten. Einige zusätzliche Überraschungen wurden mir verkündet: wie bspw. die Unverträglichkeit von Speisen mit einer Kombination aus Früchten und Milch(produkten) bzw. auf den Genuss saurer Früchte zu verzichten und die Zunahme von Kohlgemüse zu vermeiden.

Es bleibt für mich festzustellen, dass eine rein rationalisierte Herangehensweise die kognitiv Konzepte adaptiert und dabei nicht psychophysisch überprüft nicht gerade die gewünschten Resultate hervorbringt. Außerdem wurde ich um die Erkenntnis reicher, dass eine self-made-Diagnostik bei weitem einer professionellen Einschätzung eines Ayurveda-Therapeuten nicht einmal im Ansatz gerecht wird und es daher aus meiner Sicht Sinn macht, sich nicht an gefährlichem Halbwissen zu orientieren.

Letztlich ist es wahrscheinlich wie so oft: Die Dosis macht das Gift und das Maß ist ausschlaggebend. Vermutlich ist die Balance zur Mitte auch hier eine geeignete Lösung. Und manchmal ist eben auch weniger mehr.

In diesem Sinne: Namasté.

 

Disclaimer /Haftungsausschluss: Die hier beschriebenen Ratschläge basieren lediglich auf meiner persönlichen Erfahrung. Es handelt sich nicht um heilkundliche oder medizinische Auskünfte. Eine ärztliche Einschätzung wird dadurch in keinem Fall ersetzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden, ist ein Arzt zu konsultieren.

 


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About

The green guy. Kreativer Pioniergeist, der sich dem Prinzip der Ganzheitlichkeit folgend beruflich beiden Sphären der Kopfarbeit verschrieben hat. Zunächst gestartet als Frisettenschnitzer. Anschließender Besuch der Meisterschule in Köln sowie Teilnahme der high-end Eliteausbildungmaßnahme Campus Maximus in Berlin über Begabtenförderungsstipendien. Mit dem Psychologie Diplom in der Tasche folgten als Betätigungsfelder die Mitarbeit in einem verhaltenstherapeutisch orientierten Elterntraining zur Frühförderung autistischer Kinder, wissenschaftliche Projektarbeit und psychometrische Eignungsdiagnostik beim berufspsychologischen Service der Agentur für Arbeit. Aktuell begleite ich Menschen nach psychischer Erkrankung im Bereich beruflicher Rehabilitation im Rahmen von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Heute als freier systemischer Coach und Heilpraktiker (Psychotherapie) tätig. Weitere Infos auf www.psysko.de. Meine Begeisterung gilt der yogischen Lebensgestaltung.


'The Dark Side of Rohkost – ein Erfahrungsbericht' have 2 comments

  1. 18. August 2015 @ 09:05 julia

    Hallo Mike, vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Kannst du Literatur und/oder ayurvedische Ernährungsberatungen empfehlen?
    Viele Grüße,
    Julia

  2. 9. Oktober 2015 @ 13:12 Mike

    Hey Julia,
    aus persönlicher Erfahrung kann ich die Praxis Anjuliveda empfehlen, die ein breites Angebot zu ayurvedischer Therapie bietet – bspw. auch Konstitutionsanalyse oder Ernährungsberatung.

    Ein Kochbuch, welches mir persönlich gut gefällt, ist Nickys Veda.

    Hoffe damit verwertbare Anregungen gegeben zu haben.

    Viel Spaß beim Entdecken….


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