Der Grinch lässt grüßen – Von Dunkelheit und Licht zur Weihnachtszeit

Ach ja, es weihnachtet sehr. Fast alle Fenster sind inzwischen mit kitschigen Blinklichtern und Weihnachtssternen dekoriert und an jeder Ecke findet man einen Weihnachtsmarkt, die auch in diesem Jahr wieder wie Pilze aus dem Boden gesprungen sind. Sie vernebeln die Luft mit einer Mischung aus gebrannten Mandeln, Bratwurst und Oh Tannenbaum. Im Fernsehen werden wir in den Werbepausen penetrant mit den absurdesten Geschenkideen bombardiert, bis wir irgendwann selbst glauben, eine elektrische Zahnbürste sei definitiv der Schlüssel zum Glück unserer Liebsten, mit denen wir derweil an einem organisatorischen Masterplan zum Besuch sämtlicher Familienmitglieder während der Weihnachtsfeiertage feilen, während wir nebenbei noch ein Dutzend Projekte mit Termindruck im Job zu Ende bringen. Es werden Pläne für Silvester geschmiedet, wo wir dann bitteschön trotz der 15 Raclette-Pfännchen in unserem Bauch und der lähmenden Trägheit als Souvenir der bratengeschwängerten Feiertage auf Knopfdruck ausgelassen und losgelöst feiern sollen und möglichst bloß nicht hinterfragen, was eigentlich.

Weihnachten, Silvester und die Tage dazwischen, das ist definitiv nicht meins. Und in meine Rolle als beleidigte Weihnachts-Leberwurst kann ich mich zur Freude meiner Familie und Freunde auch jedes Jahr wieder so richtig schön reinsteigern. Der Grinch lässt grüßen. Dann schwinge ich große Töne, dass ich das nächstes Jahr auf gar keinen Fall mehr mitmachen und mich stattdessen in ein Land ohne Weihnachtskultur absetzen werde. Indien, Marokko, Nord-Korea – völlig egal.

Hauptsache keiner will mit mir schrottwichteln oder mich mit Dominosteinen füttern.

Tja, was soll ich sagen? Natürlich bin ich jedes Jahr wieder am Start, beobachte leicht grummelig und irritiert das weihnachtliche Treiben um mich herum, all die Menschen, die geradezu euphorisch auf der Suche nach neuen Kekskompositionen sind, während sie mit seligem Gesichtsausdruck „Last Christmas“ vor sich hin pfeifen, völlig überteuerten Glühwein schlürfen und im Geschenkemarathon von Geschäft zu Geschäft hetzen … und ich wundere mich über mich selbst.

Offenbar birgt diese Zeit selbst für eingefleischte Weihnachtsmuffel wie mich doch eine bestimmte Qualität. Denn obwohl viele Menschen dem Zauber der Weihnachtszeit nicht viel abgewinnen können, machen doch die allerwenigsten ihre Androhung der kompletten Weihnachtsverweigerung tatsächlich wahr.

Durch die yogische Brille betrachtet ist das gar nicht so merkwürdig, denn in der spirituellen Welt spielt sich das Leben zwischen den Polen Licht und Dunkelheit ab. Traditioneller Weise lernte (und lernt man zum Teil noch heute) sein Yoga von einem Guru, einem spirituellen Lehrer, der seinen Schüler auf dem Weg von der Dunkelheit (Gu) der Unwissenheit hin zum Licht (Ru) der Seele begleitet. Diese Suche nach Licht, nach Bedeutung und einem Weg aus der Dunkelheit, der Wunsch unsere Ängste zu überwinden und unsere Leiden aufzulösen ist das, was uns – oft ohne es bewusst wahrzunehmen – irgendwann vom Fitness- ins Yogastudio treibt. Wir beginnen unsere spirituelle Reise.

Licht und Schatten liegen zur Winter- oder Weihnachtszeit so nah beieinander wie sonst nie

Im Außen werden die Tage kürzer, die Nächte länger und die Natur und ihre Farben ziehen sich zurück. Und auch im Innen, in unserem Seelenleben, findet sich diese Dunkelheit wieder und wir neigen zur Melancholie und werden sensibel. Als hätten wir riesige Vergrößerungsgläser vor unserem Herzen, berührt uns jedes Leid, jede Ungerechtigkeit, jede Stichelei oder Kritik ganz besonders tief. Gerade für sowieso schon sensible Seelen oder Menschen in großer Verzweiflung ist die weihnachtliche Kombination aus hohen Erwartungen bei gleichzeitig hoher Empfindsamkeit oft eine große Belastung. Zu keiner anderen Jahreszeit gibt es so viele Selbstmorde und Familienkrisen, ist die Einsamkeit so präsent. Gleichzeitig lässt sich aber auch selten so viel Mitgefühl und Hilfsbereitschaft wie zum Jahresende beobachten. Hilfsorganisationen erhalten Spendengelder in Millionenhöhe, Freiwillige versorgen Obdachlose mit warmen Mahlzeiten und viele Unternehmen sammeln Geschenke für Kinder in bedürftigen Familien oder Krisenregionen.

Zeit, um wieder mehr Licht ins Dunkel zu bringen

Im Winter rollt sich das Leben in der Kindshaltung zusammen, wir ziehen uns zurück in die Höhle unserer Innenwelt und gewinnen Klarheit über die Themen, die uns den Sommer über beschäftigt haben. Wir besinnen uns auf unsere Werte und suchen nach Möglichkeiten, diese in unser Leben zu integrieren. In der Dunkelheit erkennen wir unser Licht, und sei es nur ein sanftes Flimmern in der Ferne. In der Dunkelheit schöpfen wir neue Hoffnung, weil wir spüren, dass tief in dieser Dunkelheit neues Leben schlummert. Licht ins Dunkel zu bringen ist die Essenz einer jeden spirituellen Reise und häufig nicht nur ein erhellender, sondern eben oft auch ein schmerzhafter Prozess, denn die Dunkelheit konfrontiert uns mit unseren Ängsten, unserem Schmerz, unseren Schattenseiten. Aber gleichzeitig gibt sie uns einen ordentlichen Tritt in den Hintern auf dem Weg zum Licht und zur Hoffnung. Wir sind irritiert und gleichzeitig Dankbar für die Heftigkeit dieses Tritts, der uns aus unserer gemütlich-kuscheligen Komfortzone herauskatapultiert und uns wieder vor Augen führt, dass der Weg zum Licht zwar steinig und schwer ist, aber aufgeben keine Option und das Ziel jede Mühe wert ist.

Egal, ob du Weihnachten liebst, weil es dich an dein Licht erinnert oder dies eine schwere Zeit für dich ist, weil du deine Dunkelheit spürst, ich wünsche dir eine besinnliche Zeit, dass du in der „Stillen Nacht“ Frieden findest, deine Geschenke Ausdruck deiner Dankbarkeit sind und du im Kreise deiner Liebsten oder auch allein dein Herz öffnen und dich deinem inneren Frieden hoffnungsvoll zuwenden kannst.

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Licht und Schatten liegen in der Weihnachtszeit sehr nah beieinander. Für die einen könnte es keine schönere Zeit geben, für die anderen ist es eine Qual. Doch auch für die Weihnachtsmuffel birgen diese Tage etwas besonderes, denn diese Zeit steht auch für Veränderung und Hoffnung.
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Yoga und Reisen – Reisen und Yoga, das ist Katrins Lebensglück. Anfang 2015 wurde dann nicht nur der Wunsch größer, beidem mehr Raum zu geben, sondern auch die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Also zog sie los, mit minimalem Gepäck, Reise-Yogamatte und offenem Herzen auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens und mit dem Wunsch, die Wurzeln des Yoga zu entdecken. Erleuchtung hat sich zwar nicht eingestellt, dafür hat Katrin aber die Erkenntnis gewonnen, dass man große Abenteuer nicht nur in weiter Ferne erleben kann und Spiritualität an der Supermarktkasse genauso möglich ist wie am Fuße des Himalaya. Als Yogalehrerin und Körpertherapeutin in Hamburg teilt sie nun die Erfahrungen dieser Yoga-Weltreise mit ihren Schülern – und das natürlich besonders gern im Rahmen ihrer Yoga Retreats in Deutschland, Spanien und Portugal. In Ihrem Blog New Moon Yoga schreibt sie über das Leben, die Freiheit und das Spannungsfeld zwischen Wunsch und Realität … und natürlich über Yoga und Reisen.


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