Die große Suche nach dem Glauben

oder: warum Yoga irgendwie doch etwas mit Religion zu tun hat

„Öffne dein Herz weit und vertraue, dass sich alles fügen wird“, mit diesem Satz endete gestern meine wöchentliche Yogastunde und ich merkte wie immer, wie mir warm ums Herz wurde und den beseelten Gesichtern um mich herum nach zu urteilen, war ich damit nicht alleine. Hippe, kreative, bunte Menschen, die selbstbewusst und emanzipiert ihr Leben meistern, die am Wochenende für die beste Party der Stadt auf der Gästeliste stehen, die erfolgreich Unternehmen führen oder strukturiert das Familienleben organisieren. Die zu ihrer Meinung stehen, neugierig und offen in die Welt schauen. Diese ganz unterschiedlichen Menschen haben alle eins gemeinsam: in der Früh legen sie sich die Lieblingsmala um den Hals, zünden Räucherstäbchen an, tragen Gebetstücher und schmücken die eigenen vier Wände mit hinduistischen Symbolen und Gottheiten. Täglich pilgern sie in eines der vielen hübschen Yogastudios der Stadt um dann gemeinsam die Aufmerksamkeit zum Herzen zu bringen, zu meditieren und bewusst zu atmen. Sanft und achtsam dehnen sie ihre Körper und zum Schluss singen sie mit betenden Händen vor dem Herzen für den eigenen Frieden und den Frieden aller Wesen auf Erden.

Sehnsucht nach Vertrauen und Halt

Diese Menschen verbindet oft mehr als Rückenschmerzen und der schlichte Wunsch nach Bewegung. Vielmehr ist es eine tiefe Sehnsucht nach Zufriedenheit, das Bedürfnis dem Sinn des Lebens auf den Grund zu gehen und zu erforschen, was es sonst noch gibt neben Studium, Job und Networken. Diese Menschen haben es satt, in der Oberflächlichkeit des Alltags zu schwimmen, immer mehr leisten zu müssen und sich an irgendwelchen sozialen oder beruflichen Leitbildern zu orientieren.

Ihr wollt meine Meinung wissen, warum Yoga so einschlägt? Yoga schenkt Vertrauen und Halt wie ein weiser Freund und lehrt uns zeitgleich, dass es einen Grund gibt, warum die Dinge so laufen, wie sie laufen und dass alles was wir uns wünschen, bereits vorhanden ist.

Yoga lässt uns wieder glauben

Ich weiß nicht wie es bei euch so war, aber in meiner Jugend war alles, was sich um das Thema Glauben, Kirche und Religion drehte, doch eher out. Beten oder sonntags in den Gottesdienst gehen? Och nö, das war was für Langweiler. Im Grunde waren wir kleine Rebellen, die sich dem verstaubten und altmodischen Glauben bewusst widersetzten. Uns widersprach aber auch niemand. Und so wurden wir erwachsen. Nicht unbedingt als bekennende Atheisten („irgendwas gibt es da bestimmt“), eher als eine Generation, in der Verstand, eine seriöse schulische und berufliche Laufbahn und die Wissenschaft einen höheren Stellenwert hatten als Glauben, Philosophie und Spiritualität. So war das eben. Und das war nicht zwangsläufig schlimm.

Wir haben gelernt, uns auf unseren Sachverstand und auf unsere Fähigkeiten zu verlassen und schnell selbstständig und erfolgreich zu werden. Da war wenig Platz für Träumereien und Herzensangelegenheiten. So wurden wir Ärzte, Juristen, Grafiker, Handwerker oder Steuerfachangestellte. Ziemlich gute sogar, das steht fest. Aber eins vermissen wir heute fast alle: Tiefsinnigkeit. Auf der Suche danach reisen wir mit wenig Gepäck um die Welt, gönnen uns eine Auszeit im Kloster, unterstützen Hilfsprojekte in aller Welt oder gehen eben zum Yoga. Plötzlich ziehen uns Dinge an, die uns das große Ganze zeigen sollen, wir möchten endlich wissen, warum wir alle wirklich hier sind. Back to the roots. In den nächsten Gottesdienst zieht es uns bei dieser Suche allerdings selten, dafür jedoch gerne mal ins neue Yogastudio um die Ecke. Vielleicht zunächst nur um mitreden zu können oder gegen die Rückenschmerzen nach 10 Stunden Schreibtischarbeit.

Lernen, wieder aufs Herz zu hören

Was wir dort dann kennenlernen, passt oft wie die bekannte Faust aufs Auge: ein flexibler und freier Glaube, der uns beibringt, wieder auf unser Herz zu hören, dankbar zu sein für die Dinge, die wir haben und endlich wieder Mitgefühl zu entwickeln. Zeitgleich passt diese neue, alte Philosophie mit den vielen dogmenfreien Ansätzen ganz hervorragend in unseren selbstbewussten und freien Lebensstil. Plötzlich können wir uns geborgen fühlen, so sein wie wir sind und uns fallen lassen.

Schon Max Planck wusste „Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln“. Das erklärt wohl auch das Phänomen, warum immer mehr Yogis ihren tristen, aber lukrativen Lebensweg verlassen, um ihrem Herzen zu folgen. Gut so.

Auch ich habe mein Glück und meinen Glauben auf der Matte (wieder-)gefunden. Die Yogapraxis hat mich etwas gelehrt, was keine Eliteuniversität der Welt hätte lehren können: den Glauben an mich, an das Leben und dass die Antwort auf alle Fragen stets tief im Herzen liegt.

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Vanessa ist Yogini und Yogalehrerin aus Leidenschaft. Für sie ist Yoga mehr als minutenlang in verschiedensten Asanas auszuharren - für sie ist Yoga wie etwas wonach sie immer schon gesucht hat. Ein Weg! Ein Abenteuer! Ein Freund! Eine Lebenseinstellung! Außerdem liebt sie das Wellenreiten, Reisen, gesundes Essen aus aller Welt und noch jede Menge anderer Dinge. In ihrem Blog Om Shanti Düsseldorf schreibt sie über alles, was sie gerade beschäftigt und ihr Herz berührt. Schaut einmal vorbei: Om Shanti Düsseldorf schreibt sie über alles, was sie gerade beschäftigt und ihr Herz berührt.


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