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Listen up: Die Kunst des Zuhörens

„Also, als ich mal in so einer ähnlichen Situation war wie Du, da hab ich ganz einfach kurz innegehalten, meine Füße auf der Erde gespürt und tief in mein Hara-Zentrum geatmet. Und weißt Du, es ging mir sofort super, ich war gleich wieder angebunden ans Universum. Ich hab auch immer meinen Aventurinstein in der Hosentasche und wenn ich dann noch meinen Dosha-Tee aufgieße, der extra für mich von meiner Ayurveda-Ärztin angemischt wurde, du, dann ist eigentlich schon wieder alles im Fluß….“

In die spirituelle Labertaschenfalle tritt jeder Yogalehrer aka Yoga-Praktizierende irgendwann mal.
„OMG“ würde Tochterkind dazu sagen. Und ich krieg direkt Ausschlag.

Für jedes Problem ein spiritueller Ratschlag

Es gibt selten so viele unterschiedliche und gleichzeitig höchst unterhaltsame Ratschläge, wie im spirituellen Yogi-Gehege der Eitelkeiten. Je mehr Yogis man befragt, desto wirrer wird es: „Geh mal zu meinem Schamanen, in seinem Trommelkreis ist noch ein Plätzchen frei.“, „Ich kenne da noch eine Heilerin, die soll super sein!“ oder „Willst du mal meinen Astrologen anrufen?“…

Um die Buhrufe, die ich selbst hier am beschaulichen Stadtrand bereits hören kann, zu minimieren:
Ich nehme mich da überhaupt nicht aus! Morgens befrage ich gern meine Affirmationskarten von Gabby Bernstein oder Elena Brower, suche mir einen Stein von meinem Nachttisch für den Tag aus und stecke ihn ihn meine Hosentasche. An der Ampel im Auto atme ich in mein Herz-Chakra, um mehr Mitgefühl für den beschissenen Fahrer vor mir zu entwickeln. Und wenn jemand bei mir zu Hause war, dessen Energien mir nicht in den Kram passten, räuchere ich umgehend mit Palo Santo bis der Rauchmelder Stress macht.

Jeder muss selbst schauen, was für ihn passt

Allerdings mache ich das ausschließlich für mich. Und ich trage das auch nicht unbedingt ständig vor mir her und in meine Umgebung hinein. Wenn mich jemand fragt, weil er meine klackernde Steine-Sammlung in der Handtasche bemerkt hat, hey, na klar. Dann erzähle ich von meinen kleinen Ritualen, die ich mit der Zeit für mich entwickelt habe. Und dafür habe ich auch nach rechts und links geguckt, na klar. Vieles habe ich ausprobiert und gleich wieder gelassen, weil es sich albern anfühlte und so gar nicht zu mir passte. Oder aber weil es bei jemandem anders einfach so cool und easy ausgesehen hat, nur bei mir eben nicht.

Manchmal hätte ich auch einfach nur gern einen normalen und weltlichen Rat gehabt, anstatt jedes Zipperlein oder Problem esoterisch seziert zu bekommen: „Du bist erkältet? Wovon hast Du denn die Nase voll?“, „Du hast Rückenschmerzen? Woran trägst Du so schwer?“

Manchmal ist einfach nur Zuhören gewünscht

Wir hören nicht mehr zu um wirklich zuzuhören, sondern um zu antworten. Um uns in der vermeintlichen Wärme unserer eigenen tollen Worte zu sonnen. Ich könnte mich ja auch einfach nur mal wieder an fiesen Schulviren angesteckt haben oder eine Bierkiste zuviel angehoben haben, ha!
All die bestimmt gutgemeinten Vorschläge, die wir anderen gern machen, die mögen ja für uns im günstigsten Fall funktioniert haben, aber gilt das automatisch für alle anderen um uns herum? Häufig projezieren wir unser Leben auf anderer Leute Verhalten, aber so funktioniert unsere Realität einfach nicht.

Ein wunderbares Zitat von Dr. Ralph Roughton passt hier ganz hervorragend:

„Wenn ich Sie bitte, mir zuzuhören und Sie fangen an mir Ratschläge zu geben, haben Sie nicht das gemacht, worum ich Sie gebeten habe. Wenn ich Sie bitte, mir zuzuhören und Sie fangen an mir zu sagen, weshalb ich mich nicht so fühlen sollte, trampeln Sie auf meinen Gefühlen herum. Wenn ich Sie bitte, mir zuzuhören und Sie haben das Gefühl, Sie müssen etwas tun, um mein Problem zu lösen, haben Sie mich, so seltsam das auch klingen mag, im Stich gelassen.

Hören Sie mir zu! Nur darum habe ich Sie gebeten: mir zuzuhören. Nicht zu sprechen oder irgendetwas zu machen – mich einfach nur anzuhören. Etwas tun kann ich selbst. Ich bin nicht hilflos. Wenn Sie etwas für mich tun, was ich selbst für mich tun kann und muss, tragen Sie zu meiner Angst und meinem Gefühl der Unzulänglichkeit bei. Wenn Sie es aber als eine Tatsache akzeptieren, dass ich mich so fühle, wie ich mich fühle, so komisch es auch wirken mag, brauche ich nicht mehr zu versuchen, Sie zu überzeugen und kann darangehen, zu verstehen, was hinter diesem komischen Gefühl steckt. Und wenn das klar ist, sind die Antworten offensichtlich und ich brauche keine Ratschläge.“

Wir dürfen lernen, zuzuhören mit der Absicht zu verstehen. Und dazu brauchen wir gar keine Steinchen, keine Räucherstäbchen und Kerzen. Sondern einfach ein bisschen Zeit und unsere Ohren.

Photocredit: Sam Young Photography


Für noch mehr bewusste Kommunikation: achtsam sprechen – achtsam zuhören: Die Kunst der bewussten Kommunikation


Und noch ein paar Tipps für mehr Achtsamkeit im Alltag:

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Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga. Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de oder schreib einfach eine Mail an Julie.  


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