Was genau ist Yoga? Wir klären auf!
wissenschaftliche Fakten über Yoga

Yoga & Science: Die Wissenschaft des Yoga

Für lange Zeit wurde Yoga den esoterischen Pseudowissenschaften zugeschrieben. Und er ist ja bis heute eine Philosophie – also eher eine Geisteswissenschaft als eine Naturwissenschaft. Trotzdem wird immer wieder betont, wie gut Yoga für uns sei. Ist er das? Oder schauen wir auf Yoga wie eine Mutter auf ihr neugeborenes Kind?

Yoga und Forschung

Yoga wird immer besser wissenschaftlich erforscht – hauptsächlich in den USA. Die Auswahl ist erstaunlich – von „Lach-Yoga und Demenz bei Senioren“ bis „Yoga und Schizophrenie“ findet man eine bunte Auswahl an Studien. Leider sind die Studien im allgemeinen nicht sehr verlässlich, oft sogar ergebnislos. Das liegt daran, dass die Studien gerade in der Vergangenheit eine zu geringe Stichprobe erfassten, kaum Kontrollgruppen zum Vergleich einsetzten und letztendlich ‚Yoga‘ nicht standardisiert ist.

Was ist denn genau Yoga? Jeder Yoga Stil hat eigene Regeln und Schwerpunkte. Wo hört Fitness auf und wo fängt Yoga an? Ist eine Yoga Praxis ohne Atemübungen und Meditation eine Yoga Praxis? Welchen Einfluss hat die Erfahrung und Ausbildung des Lehrers? Oft wird deshalb Iyengar oder Kundalini Yoga für Studien verwendet, weil er präzise und standardisiert ist. Eine Vielzahl von Studien erforschen darüber hinaus rein die Meditation – ohne Asanas.

Positive Auswirkungen des Yoga

Es hat sich einiges geändert in den letzten Jahren und die Studien zu Yoga sind umfangreicher und präziser geworden. Die Forschung befasst sich primär mit den physiologischen und psychologischen Auswirkungen des Yoga. Li und Goldsmith (2012) haben zum Beispiel 35 Studien zu Yoga und Angst oder Stress analysiert und verglichen. Sie fanden heraus, dass Yoga durchaus Angst und Stress reduzieren kann. Allerdings weisen sie auch auf die Einschränkungen der Studien hin, wie zum Beispiel geringe Stichproben und fehlende Kontrollgruppen. Umfangreichere Forschung ist notwendig, um die Zusammenhänge eindeutiger zu belegen.

Studien haben darüber hinaus gezeigt, dass Yoga das körperliche Selbstbild und das Körpergefühl verbessern kann – mehr sogar als normaler Sport (Impett, Daubenmier, Hirschman, 2006; Flaherty, 2014).

Laut weiteren Studienergebnissen hilft Yoga auch gut gegen Rückenschmerzen (Tilbrook et al, 2011). Weitere, allerdings weniger eindeutige Studien gibt es zu Yoga im Zusammenhang mit Depression, Essstörungen, und anderen Krankheiten.

Und obwohl wir zumindest ahnten, dass sich Yoga positiv auf unser Wohlbefinden ausübt, hilft es doch wissenschaftliche, empirische Belege zu haben. Denn ironischerweise trügt oft die eigene Erfahrung. Zu viele Vorlieben und Vorurteile lassen wir in die Dinge einfliessen, die uns nahe sind.

Leider konnte ich keine einzige Studie finden, die Auswirkungen einer einzelnen Asana auf den Körper untersuchte. Man hört ja so gerne im Yoga-Unterricht, welche Asana z. B. gut für die Nieren ist oder ein Chakra stärkt. Chakren werden übrigens als interzelluläre Raum-Verbindungen gehandelt, allerdings ist das auch alles noch nicht erwiesen. Eine andere Theorie verbindet Chakren mit den Körper-Drüsen. Bitte nicht alles für bare Münze nehmen, was so im Yoga-Unterricht erzählt wird.

Einen kritischen Geist bewahren – in jeder Hinsicht

Es ist jedenfalls gut, dass es immer mehr Studien mit interessanten und vielversprechenden Ergebnissen zum Yoga gibt. Auch, wenn sie zur Zeit noch mit Vorsicht zu geniessen sind. Dass Yoga uns gut tut, erfahren wir (hoffentlich) am eigenen Leib. Am Ende darf man nicht vergessen, dass auch die Wissenschaft sich verändert und lernt. Studien können helfen allgemeine Gültigkeit zu bestätigen. Letztendlich müssen wir auch hier – wie in allem – die Balance finden zwischen Ratio und Intuition.

Als Yogi und Yoga-Lehrer ist es wichtig zwischen eigener Erfahrung und allgemein gültigen Zusammenhängen zu unterscheiden. Es geht nicht darum, ob wissenschaftliche Beweise besser sind als die Intuition oder umgekehrt, sonder darum, wie sich beide Einsichten optimal ergänzen können.

Nachtrag:
Sollte jemand Studien zu spezifischen Asanas oder allgemein interessant Studien zu Yoga finden, bitte gerne an mich schicken .

Referenzen:

  • Li, Amber W., & Goldsmith, Carroll-Ann W. (2012). The effects of yoga on anxiety and stress.(Report). Alternative Medicine Review, 17(1), 21.
  • Flaherty, M. (2014). Influence Of Yoga On Body Image Satisfaction In Men. Perceptual & Motor Skills, 119(1), 203-214.
  • Tilbrook, H. E., Cox, H., Hewitt, C. E., Kang’ombe, A. R., Ling-Hsiang, C., Jayakody, S., & … Torgerson, D. J. (2011). Yoga for Chronic Low Back Pain. Annals Of Internal Medicine, 155(9), 569-W-167.
  • Park, C. L., Groessl, E., Maiya, M., Sarkin, A., Eisen, S. V., Riley, K., & Elwy, A. R. (2014). Comparison groups in yoga research: A systematic review and critical evaluation of the literature. Complementary Therapies in Medicine, 22(5), 920-929. dx.doi.org/10.1016/j.ctim.2014.08.008
  • Impett, E. A., Daubenmier, J. J., & Hirschman, A. L. (2006). Minding the body: Yoga, embodiment, and well-being. Sexuality Research & Social Policy, 3(4), 39-48. dx.doi.org/10.1525/srsp.2006.3.4.39

Photocredit: Sam Young

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About

Clemens Frede ist Yoga Lehrer in Hamburg und schreibt einen eigenen Blog über Yoga und das Leben. Besucht Clemens auf seinem Blog www.clemensfrede.com oder schreibt ihm eine Mail. 


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