Wie ich einmal in Erinnerung behalten werden möchte

Wie ich einmal in Erinnerung behalten werden möchte

Abschied nehmen. Etwas, was keiner von uns möchte und was wir doch alle früher oder später durchleben müssen. Etwas, was nicht gerne thematisiert wird, weil es weh tut. Und weil es uns mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Ein Thema, das auch nicht einfacher wird, egal wie oft man es schon durchlebt hat. Oft überwiegen in solchen Zeiten Schmerz, Wut, Verzweiflung und all diese Emotionen, die wir eigentlich gar nicht durchleben wollen. Und doch ist man am Ende oft stärker, lebt man vielleicht bewusster, hat man vielleicht doch wieder eine „Lektion“ gelernt. So ging es zumindest mir beim letzten Mal.

Vor einigen Monaten musste ich von meiner Tante Abschied nehmen. Ein Tod, der überraschend kam und sehr viele Fragen aufgeworfen hat. Die Zeit nach ihrem Weggehen habe ich in Deutschland bei meiner Familie verbracht. Jeder, der so etwas schon mal durchgemacht hat weiß, wie absurd viel es nach einem Tod zu organisieren gibt. Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Nachricht im Ort verbreitet hatte. Bald trudelten die ersten Beileidsbekundungen ein. Täglich wurden es mehr und ehrlich gesagt war ich von der großen Anteilnahme sehr beeindruckt. Es gab verschiedene Arten von Karten. Da waren die, die relativ „neutral“ gehalten waren. Standardisierte Sprüche oder Sätze, die man halt für solche Anlässe verwendet.

Der andere Teil der Karten hat mich sehr nachdenklich gestimmt

Karten mit liebevollen und sehr persönlichen Worten. Worte, mit denen Menschen, die ich zum größten Teil nicht kannte, nochmal ausdrücken wollten, was meine Tante für sie und ihr Leben bedeutet hat. Je mehr dieser Karten ich also las, desto mehr berührten die Worte mich. Diese Worte voller Liebe und Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wurden, haben mich unheimlich stolz auf meine Tante gemacht. Mir war immer bewusst, dass sie ein toller, herzlicher, interessanter, lustiger und intelligenter Mensch war. Jemand, der sich für viele Dinge interessiert hat, immer ein offenes Ohr für andere hatte und sehr hilfsbereit war. Durchaus auch ein Mensch, der mit seiner Meinung polarisieren konnte und auch mal angeeckt ist, aber auch das macht ja einen Menschen aus.

Klar wusste ich auch, wie wertvoll sie für mein Leben war und was sie mir persönlich bedeutet hat. Aber ich hab irgendwie nie so richtig darüber nachgedacht, wer sie für andere war und inwieweit sie deren Leben beeinflusst hat. Eigentlich komisch, aber irgendwie auch verständlich. Als Familie, sieht man den Menschen nochmal aus einer ganz anderen Perspektive, lernt ihn wahrscheinlich auch ganz anders kennen als Außenstehende. Familie ist halt auch nicht immer leicht. Menschen, die man liebt, die einem sehr nahe stehen, die meist nur das Beste für einen wollen, aber eben auch oft Konfliktpotential bieten. Verschiedene Generationen, verschiedene Hintergründe, verschiedene Ansichten. Du kennst das sicherlich. Eine große Lernaufgabe und eine tolle Möglichkeit zu wachsen, auch wenn man das manchmal erst später erkennt.

In diesen Tagen kam dann plötzlich eine Frage in meinen Kopf. Diese Frage habe ich mir in den vergangenen Monaten immer wieder gestellt und viel drüber nachgedacht:

 

Wie möchte ich einmal in Erinnerung behalten werden?

Hast du dir darüber auch schon einmal Gedanken gemacht? So richtig hatte ich mir diese Frage vorher noch nie gestellt. Vielleicht unbewusst, aber nie zuvor hab ich sie so deutlich formuliert in mir drin gehört. Schließlich ist das Thema Tod auch keines, mit dem man sich unbedingt tagtäglich beschäftigt. Fakt ist nun aber, dass keiner von uns ewig auf diesem Planeten verweilen können wird. Wir alle werden diesen wundervollen Planeten  irgendwann verlassen und weiterziehen müssen. Und deshalb finde ich, dass dies durchaus eine Frage ist, die man sich zwischendurch mal stellen sollte. Einfach mal so, um zu checken, ob noch alles so läuft, wie wir es uns eigentlich wünschen.

Besonders wenn wir mal wieder merken, dass wir uns von uns selbst entfernen, es uns in eine Richtung treibt, die vielleicht nicht unserem wahren Kern entspricht. Momente, in denen wir uns selbst untreu werden. Wenn man sich mal wieder unmöglich benimmt, wenn die Zunge schneller ist, als der Verstand, man unüberlegt irgendwelche Dinge heraushaut, die man danach bitter bereut. Oder wenn das Ego mal wieder das Steuer übernimmt, um im Ozean der Selbstverliebtheit einen blöden Spruch nach dem nächsten zu versenken. Klaro, solche Momente wird es immer wieder geben. Wer hat sich schon 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr völlig unter Kontrolle? Das schafft man selbst als Super-Yogi nicht, würde ich mal behaupten.

Was ich aber von mir selbst möchte und was auch mein Vorschlag für dich ist: 

Immer mal wieder innehalten und sich fragen ob alles noch so läuft, wie es laufen sollte. Vielleicht jeden Abend mal kurz innehalten und überlegen:

  • Was habe ich heute Gutes getan? Wie hab ich jemand anderem etwas Gutes getan?
    (und wenn es nur das Lächeln war, dass du jemandem geschenkt hast. Auch das ist ein riesen Geschenk, was jemand anderem vielleicht den kompletten Tag versüßt hat!)
  • Was hätte ich heute noch besser machen können?
    (vielleicht bringt das ständige Fluchen im Straßenverkehr ja doch nicht so viel, wie ich immer denke?!)
  • Hab ich heute etwas gesagt/getan, was eventuell jemand anderen verletzt hat? Und falls ja, ist da vielleicht eine Entschuldigung angebracht?
    (oh ja, eigene Fehler eingestehen. Mag das Ego gar nicht gerne, zeigt aber in meinen Augen wahre Größe!)
Ich möchte, dass andere Menschen sich später mit Freude an mich erinnern

Das bedeutet nicht, dass ich versuche, es allen Recht zu machen oder mich selbst hinten anstelle, um andere zufriedenzustellen. Ganz im Gegenteil. Ich möchte authentisch leben, mich nicht verbiegen lassen, mir selbst treu bleiben. Und gleichzeitig aber auch Spuren hinterlassen im Leben der Menschen, die mir am Herzen liegen. Ich möchte positive Energie aussenden und sie meine Liebe spüren lassen.

Und, dass die Erinnerung an mich den Menschen ein Lachen ins Gesicht treiben wird. So geht es mir wenn ich heute an die lieben Menschen denke, von denen ich mich schon verabschieden musste. Die Gedanken der Liebe und Dankbarkeit überwiegen. Ich sehe sie als meine Vorbilder, als meine Lehrer und als die Personen, die mich durch ihre Art zu Leben, aber auch durch ihren Tod, am stärksten geprägt haben.

Wenn du gerne etwas zu dem Thema teilen möchtest, dann hinterlasse mir doch einen Kommentar :-)

 

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Wie ich einmal in Erinnerung behalten werden möchte
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Wie ich einmal in Erinnerung behalten werden möchte
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Ich möchte, dass andere Menschen sich später mit Freude an mich erinnern Das bedeutet allerdings nicht, dass ich versuche, es allen Recht zu machen oder mich selbst hinten anstelle, um andere zufriedenzustellen.
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Jasmin ist Yogalehrerin für Kinder und Erwachsene und lebt nun schon seit einigen Jahren in Asien. Sie träumt davon, irgendwann ein kleines Retreat (am liebsten am Meer) zu eröffnen, wo sie die Menschen mit Yoga, Massagen, Reiki und veganem Essen verwöhnen kann. Sie unterstützt Christina hier beim Happy Mind Mag hinter den Kulissen.


'Wie ich einmal in Erinnerung behalten werden möchte' have 2 comments

  1. 2. Mai 2018 @ 9:47 Jasmin Schüller

    Liebe Carla,
    vielen Dank für deine Nachricht. Freue mich sehr, dass dir der Artikel gefällt.
    Herzliche Grüße, Jasmin

  2. 27. April 2018 @ 9:47 Carla

    Sehr schöne Ideen…und ein Artikel der zum Nachdenken anregt. Habe ihn abgespeichert und werde sicher demnächst mal darauf zurück kommen. ;-) gern mehr davon…
    Schöne Grüße Carla


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