fbpx
Yoga Sutra Patanjali

Kleshas – die Wahrnehmungsverzerrer

Letztens, beim Telefonieren mit einer sehr guten Freundin und Kollegin, erzählte mir diese von diversen Situationen, die sie gemeinsam mit ihrem Mann erlebt hat, aber wenn es darum ging, diese z.B. an Freunde oder Familie weiter zu erzählen, merkte sie, wie da die Wahrnehmungen auseinanderklaffen, so daß sie ihn wirklich manchmal fragen musste:  „Dicki, waren wir auf derselben Party?!“ „Kleeeeeshhhaaaassss!“ Grölten wir lauthals, lachten und klopften uns auf die Schenkel.

Was sind denn Kleshas?

Es gibt 5 Kleshas und sie sind die Grundlage allen menschlichen Leids, die unsere Wahrnehmung verzerren. Es sind Muster und Kräfte in unserem Geist, die uns unbewusst durch’s Leben laufen lassen, uns steuern. Patanjali, der Urzeit-Checker, hat die Kleshas natürlich bereits in seinen Yoga Sutras aufmerksam studiert. Laut P gibt es verschiedene Stadien dieser Muster in uns: Sie können „schlafen“, schwach und unterbrochen sein, aber eben auch superaktiv. Es kann auch sein, dass eins stärker ist als alle anderen.

Übersetzt aus dem Sanskrit bedeuten Kleshas so klebriges, ungewolltes Zeugs, wie Betrübnis, Schmerz, Kummer, Leid, Plage, Elend, Trübsal.

Die Kleshas werden auch häufig als ein Baum dargestellt, bei dem Avidya (die Unwissenheit) der Stamm ist und die anderen 4 Kleshas als Äste daraus hervorgehen.

Avidya – die Unwissenheit, ist das Basis-Hindernis. Es bedeutet soviel wie falsches Wissen/Verstehen oder subjektive Wahrnehmung. Wir Menschen tun ja gern so, als ob wir alle eigene Planeten bewohnen würden und so ist es auch mit der Wahrnehmung. Schon Anais Nin schrieb:

„Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind.“

Ich nehme Dinge, Menschen, Situationen ganz anders wahr, als meine Yogakollegin, meine Friseurin oder mein Vater. Wir nehmen also die Dinge eingefärbt durch unsere Erfahrungsbrille auf. Wir sind von Mustern und Prägungen umzingelt und ordnen nur aus unserer individuellen Lebenslage- und Erfahrung unsere Welt ein. Unser konditionierter Geist scannt alle Erlebnisse, die wir so haben, automatisch und subjektiv ab (nämlich nach altbekannten Mustern), die er und somit natürlich auch wir, dann für richtig empfinden: nämlich als unsere Realität. Dadurch verstricken wir uns gern in Nebensächlichkeiten, erliegen Täuschungen und falschen Erwartungen und unser Leidensdruck steigt automatisch an.

  • Asmita – der Egoismus. Auch nicht so schön. Wer möchte schon gern als egoistische/r Yogi/ni bezeichnet werden (gibt es das etwa?!)? Dieses Klesha bezieht sich auf’s Ego und Deine Selbsteinschätzung. Entweder Richtung Selbstüberschätzung oder auch in die andere Richtung mit Minderwertigkeitskomplexen und Selbstmitleid. Beides nervt tierisch. Entweder labern einen die Leute zu, wie unfaßbar toll sie sind und was sie alles können und haben oder sie verursachen einem blutige Ohren beim zuhören, wie schlecht es NUR ihnen gehen würde und überhaupt wäre ihr Leben eine totale Katastrophe. Beides hat mit der Identifikation des Ego zu tun. Es ist nicht das Problem, eins zu haben, ganz im Gegenteil, denn wir benötigen es um zu leben und zu funktionieren. Problematisch wird es erst, wenn das Ego glaubt, dass es wir ist. Wenn unser Leben und unsere Aktivitäten aus dem Ego entspringen und wir uns davon leiten lassen, was unser Ego gerade so will, kommen wir in die Bredouille, da wir uns vom großen Ganzen abgrenzen und dem „kleinen Ich“ (dem Ego) alle Kontrolle überlassen.
  • Raga – die Anhaftung, entspringt aus einem Gefühl des Mangels. Es ist das „Habenwollen“ und „Behaltenwollen“-Gefühl. Auch dieses Gefühl ist erfahrungsbedingt. Wir haben irgendwann erlebt, wie glücklich wir sein konnten, haben schöne Erfahrungen gemacht und möchten dieses unbedingt und immer wiederholen, damit wir uns ewig so wolkig fühlen. Raga ist dieses Bedürfnis aus Mangel, immer mehr zu wollen, als uns letzten Endes gut tut und das auch nie befriedigt ist (findet sich z.B. Essen, Sport, Konsumverhalten, Arbeitsverhalten…etc.). In Patanjalis Yoga Sutras heißt es (2.7) „Das was die Erfahrung von Glück begleitet, ist Anhaftung.“ Wenn wir nicht bekommen, was wir uns wünschen, kriegen wir die Krise. Wenn wir bekommen was wir uns mit heißem Herzen gewünscht haben, geht es uns gold und das soll bitte so bleiben, ja und für immer wäre toll. Wenn wir dieses nun aus irgendeinem Grund wieder verlieren, kriegen wir wieder ne Krise. Und hecheln dem Gefühl ab jetzt hinterher, denn das war doch so richtig und so wunderbar! 

Heißt jetzt natürlich auch nicht, dass wir an unserem Glück, wenn es unser Sichtfeld betritt, schreiend vorbeilaufen sollen. Wir sollten uns aber der Flüchtigkeit des Glücks und den damit einhergehenden Gefühlen bewußt sein. Denn Glück ist, wie wir alle eigentlich wissen, kein Zustand. Und die Vorstellung, dass dieses Supergefühl nur mit bestimmten Personen an unserer Seite oder unter bestimmten planetarischen Konstellationen möglich sei, ist auch Stumpfsinn. Es ist in uns und entspringt auch nur dort. Indem wir das anfangen zu erkennen, haben wir eine Möglichkeit, dem  verflixten Kreislauf des Immermehrwollens, bzw. des Leidens, zumindest zeitweise, zu entkommen.

  • Dvesha – die Abneigung. Hier haben wir nun das Gegenteil von Raga. Dvesha, die Abneinung bedeutet, das Ablehnen von Personen, Situationen, mit denen man einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Man verrennt sich ja gern mal in Fixvorstellungen und Vorurteilen, die uns richtig – körperlich und geistig – zumachen lassen. Wir sind dann nicht in der Lage, Neuem die Tür zu öffnen, uns frei von alten Vorstellungen zu machen, um dem ganzen vielleicht unvoreingenommen zu begegnen. Wir sind ängstlich und lassen uns von der Vergangenheit in Ketten legen.
  • Abhinivesha – ist die Furcht, im traditionellen Sinne, vor dem Tod. Aber auch Ungewißheit, Zweifel, Panik und Angst im ganz allgemeinen Sinne. Dieses Kleshas ist wirklich heftig, weil es sehr, sehr mächtig sein kann. Angst lähmt und macht unfrei. Es ist die Angst vor Veränderung, der Wunsch nach Kontinuität und Stabilität.

Auch auf unserer Matte in unserer Yogapraxis, kommen wir mit Kleshas in Berührung. Hier haben wir die Chance, festzustellen, was uns gerade anstupst und können dann entscheiden, wie wir reagieren: entweder gar nicht (was manchmal auch ganz gut ist) oder in einer angemessenen Art und Weise.

In jedem Fall haben wir hier die Oberhand gewonnen, denn unsere Entscheidungen sind nicht mehr einfach automatisiert, sondern ganz bewusst von uns gefällt worden.

 

Willst du Glückspost von mir?

Liebe Christina, bitte sende mir wöchentlich und jederzeit widerruflich deine schönsten Inspirationen, Rezepte, Neuigkeiten, Infos und Angebote zu Yoga, Ayurveda und Meditation per Email zu.


Hinweise zum Newsletterversand, der Auswertung und Datenerhebung mit meinem Anbieter ConvertKit findest du in meiner Datenschutzerklärung. Mehr Infos zum Newsletter findest du hier.

Deine Daten werden ausschließlich zum Newsletter Versand verwendet. Powered by ConvertKit

Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga. Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de oder schreib einfach eine Mail an Julie.  


'Kleshas – die Wahrnehmungsverzerrer' have 3 comments

  1. 3. März 2015 @ 9:47 Bernd

    Wirklich ein sehr interessanter Artikel. IIch glaube, wenn man sich mit den Kleshas näher beschäftigt, kann sich so manch einer, der z.B. an Burnout leidet, die Psychotherapeuten sparen. Diese 5 Kleshas erklären, warum so viele Menschen unglücklich sind.

  2. 5. März 2014 @ 9:47 Traumaufgaben und Beziehungsarbeit - Iromeisters Abenteuerreise

    […] Schon in der Schule habe ich ausgiebig das Phänomen Vorurteil beobachtet & analysiert, aber eben nur mit dem Kopf, nur in Gedanken. Auf dieser Ebene kommt man aber gar nicht aus den (Vor-) Urteilen raus. Die Funktion des Verstandes ist es, zu unterscheiden, zu trennen, auseinander zu nehmen & zu halten. Damit ist er (wie die Funktion des Nutzenoptimierens) ein nützliches Werkzeug, aber mehr eben auch nicht.So kam es, dass ich mit dem Verstand Vorurteile aller Art ablehnte, sie aber dennoch im Alltag ständig praktizierte. Denn der Verstand kennt nur abstrakte (!) Werte von "Gut" & "Böse" oder "Schlecht", in die er im Grunde willkürlich alles einsortiert.Das Herz hingegen fühlt, ohne zu urteilen. Und durch Mit-Fühlen entsteht die Herzverbindung, die Beziehung. Egal welche Gefühle gerade da sind. Das geht um so besser, je mehr der Mensch geübt ist, alle Gefühle einfach so sein zu lassen & sie weder loswerden noch festhalten zu wollen (das, was die Buddhisten sehr prägnant Verlangen und Abneigung nennen, zwei der fünf Kleshas). […]

  3. 27. Juli 2013 @ 9:47 Michael

    Julie; cooler Artikel ;)
    Jetzt weiß ich wenigstens genau wie diese ganzen Zustände heißen, bezweifel aber das ich mir diese Namen merken kann.
    Gruß Miggen


Would you like to share your thoughts?

Your email address will not be published.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

© Happy Mind Mag 2018 || Dein Blog für Yoga, Ayurveda, Meditation & Achtsamkeit || Fotos © Christina Waschkies | Sina Niemeyer (falls nicht anders angegeben)