Kumbh Mela 2016 – was das größte spirituelle Festival der Welt in mir bewirkte

Es ist kein geringeres als das größte Festival der Welt: Die Kumbh Mela in Indien, die alle 3 Jahre im Wechsel in den 4 heiligsten Städten des Landes stattfindet: Ujjain, Haridwar, Allahabad und Nashik. Vom 20. April – 22. Mai 2016 war Ujjain wieder dran und es kamen nicht weniger als 50 Millionen Pilger. Ich träumte schon seit Jahren davon, einmal dabei zu sein und flog nun endlich, mutig wie ich war, für ganze 2 Wochen hin.

Sowas kann man sich ohne es erlebt zu haben kaum vorstellen!

Solche riesen Zeltstädte und vor allem solch große Menschenmassen hatte ich noch nie in meinem ganzen Leben gesehen. Und die waren 24/7 in großen Schaaren am Fluss zu Gange, Tag und Nacht, ohne Pause. Idealerweise liegt der Siddha Ashram von meinem Meditationsmeister Swami Nardanand direkt am Fluss, prime location also. Wir hatten es eine Minute von zu Hause bis ins heilige Wasser und wir konnten uns einwandfrei aus dem Gewusel zurückziehen um es einfach von oben zu beobachten.

 

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So hatte ich es mir dort vorgestellt

Ehrlich gestanden hatte ich vorher natürlich so meine Erwartungen: Unendlich viel meditieren, jeden Abend Bhajans (chanten), viel chillen mit den Swamis, am liebsten jeden Tag einen der wichtigsten Weisen Indiens in seinem Camp besuchen und aus hygienischen Gründen war ich mir ziemlich unsicher, ob ich mich überhaupt in das Flusswasser wagen würde.

Die Realität schaute dann aber ganz anders aus

Schon eine Stunde nach unserer Anreise aus Delhi fanden wir uns plantschend und tanzend im Fluss wieder, samt Klamotten und unserem fröhlichen Swamiji, der heiliges Wasser über unsere Köpfe schippte. Überall ertönten unzählige Mantras sowie Hindi Songs, die ganze Geräuschkulisse gab uns rund um die Uhr das Gefühl, als hätte gerade irgendwer 3 WMs gleichzeitig gewonnen. Die super staubige Luft hatte fortwährend Noten von Blumengirlanden, Fäkalien, Räucherwerk sowie Millionen schwitzender Inder und hier und dort mischte sich noch Kuhduft dazu. 35 – 42 Grad Hitze sowie täglich mehrere Strom- und Wasserausfälle waren die Norm und überall liefen die Klimaanlagen, die mir zu schaffen machten.

Immerhin aber hatten wir ein Dach über dem Kopf, nicht wie unzählige Pilger, die nachts zusammen mit den Kühen und Hunden die Bordsteine der gesamten Stadt pflasterten. Das Highlight waren zwei gigantische Regengüsse, die die ganze Kumbh vermatschten, einige Zelte einkrachen ließen und es bei uns in den Zimmern des obersten Ashram-Geschosses regnen ließen, da das Dach noch nicht ganz fertig gebaut war. Als wir Europäer also wie wild am Wasser rausschaufeln waren um den Ashram vor dem Schimmeln zu retten, schauten uns ein paar tiefenentspannten Inder interessiert zu – Anpacken liegt einem Großteil von denen irgendwie einfach nicht in den Genen.

Zum Meditieren war ich trotz Chai oft zu müde oder meine laufende Nase meinte, mich ständig stören zu müssen.

Die Entfernungen der Camps waren letztendlich riesig, es standen viel zu wenige Tuktuks parat und auf Taxis musste man 3 Stunden warten, weil sie nicht durch die Menschenmassen kamen, sodass wir es irgendwie zu keinem besonderen Heiligen geschafft haben und auch irgendwie nicht so ganz wussten, wie wir die ohne Straßenschilder oder ein Wort Hindi hätten finden sollen.

Und trotzdem bewirkte die Kumbh so viel in mir!

Die Schönheit und Power der Kumbh Mela Zeit war also irgendwo anders zu finden, als im perfekten Retreat Ablauf des exotischen Ashrams mit Flussspektakelblick. Was uns verzauberte, waren eindeutig die familiäre Atmophäre im Ashram, das leckere Essen und die grandiose Energie des Ortes. Vor allem aber passierte trotz anders-als-erwartetem Außen auch mehr als wir erwarteten im Innen:

 

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1) Erwartungen loslassen und annehmen was ist
Auch wenn quasi nicht wirklich viel so lief wie ich es mir gewünscht hatte, war ich happy, zufrieden, gelassen und fand alles tutti frutti. Ein Teil von mir schaute buchstäblich dabei zu, wie ich zero angenervt war und sogar ganz relaxed über typisch ineffektiv-indische Alltagssituationen lächelte. Kein innerliches Kochen, kein deutsches „hach ist das aber schlimm, doof und dreckig“ sondern einfach nur „—  —„.

Es gibt für mich keinen besseren Ort um sich genau darin zu üben, einfach anzunehmen was ist und seinen inneren Zustand so gar nicht vom Äußerlichen abhängig zu machen.

2) Die größte innere Ruhe findet sich im Chaos
Trotz, dass das Flussufer am Shipra so voll wie eine Disko und so bunt wie Karneval war, gefühlt jeder 5. Inder ein Selfie mit uns machen wollte und tausende Polizisten einen ununterbrochen mit lautem Gepfeife wie eine Kuhherde anzutreiben versuchten, lag gerade in dieser Situation eine ganz tiefe Ruhe. Man kam quasi nur unversehrt weiter, wenn man seelenruhig dort entlanglief wo sich gerade eine Menschenlücke ergab und durch den extremem Lärm war der Geist so überfordert, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als einfach selbst die Klappe zu halten und zu genießen. Es lag eine ganz besondere Magie in diesen Flussspaziergängen mitten im Gewusel, die mehr tief verankerte Ruhe in mir hervorriefen, als es jemals eine Yogastunde im geordneten Deutschland schaffte.

3) Das Flussbaden muss tatsächlich irgendwie magisch sein
Logischerweise wusste mein ach so schlauer Kopf schon die ganze Zeit, dass auch das Abwaschen der Sünden im Fluss nur eins der etlichen Rituale der Hinduisten ist, die auf Aberglauben beruhen. Ha, Pustekuchen! Zwar spürt man konkret nichts Besonderes während man dort eintauchte, aber es hat immerhin von jetzt auf gleich meine sich seit 1,5 Tagen anschleichende Blasenentzündung verpuffen lassen, ein anderes Mal fühlte ich mich deutlich geklärt nachdem ein Traumata dort an die Oberfläche kam (so was bringen spirituelle Pilgerfahrten nun mal so mit sich) und irgendwie hatten wir nach unserer Reise wirklich alle das Gefühl, Tonnen von unserem alten Selbst dort im Fluss gelassen zu haben. Irgendwie cool.

4) Real human connections
Die Herzlichkeit der Inder dort war wirklich enorm. Nicht nur im Ashram, sondern alle die wir ansahen, gaben uns ein ehrliches, liebevolles Lächeln zurück, das direkt durch die Augen ins Herz ging. Die Verbindung zwischen Mensch und Mensch, oder eher wohl Seele und Seele, war dort so stark zu spüren, was sicher daran lag, dass fast alle die dort waren spirituell Suchende waren. Und demnach Leute, die das Göttliche in jedem sahen. Das hat uns alle sehr berührt.

5) Der Nachhall ist enorm
Das aller stärkste an der Kumbh Mela Erfahrung war für mich eindeutig jedoch das Ankommen zu Hause. Weil ich fand, viel zu wenig meditiert zu haben und ständig mit banalen Dingen wie Saubermachen, Wäsche auswaschen, Regenrausschippen, Essen, Schlafen oder in der Hitze rumlaufen beschäftigt gewesen zu sein, dachte ich definitiv, ich sei spirituell nicht so wirklich viel weiter gekommen, außer dass mein Kopf brav still gehalten hat und ich auf seltsame Weise total Om Shanti war. Dass ich aber zu Hause nun wie in Watte gepackt rumlaufe, mich selbst die deutsche innere Unruhe anderer nicht juckt und ich mich frage „Hallo Antrieb, wo bist du hin?“, hat mich richtig stutzig gemacht. Ich habe es sogar mal mit Schwarztee und Matcha versucht, aber selbst die bringen mich so überhaupt nicht aus der Ruhe, was ich sehr beachtlich finde.

Einmal Kumbh immer Kumbh?
In Indien noch war ich der festen Überzeugung, dass dies meine erste und letzte Kumbh Mela war, meine jahrelange Lust darauf war nun eindeutig gestillt. Heute aber bin ich mir da nicht mehr so sicher. Denn die Kumbh Mela ist tatsächlich auf ihre Weise besonders und um das zu merken, muss man einfach nur dabei sein, ohne pompöses Programm. Es gibt einfach Dinge, wo der Kopf nicht ganz mitkommt und das heilige, indische Baden zu günstigen Sternkonstellationen mit Millionen von Menschen ist wohl eins davon.

Om Shanti.

 

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Carina liebt das ayurvedische Leben, vegane Essen und Meditieren. Sie ist Tochter der Eigentümerfamilie des Ayurveda Parkschlösschen ***** Hotels sowie Buddha-Museums in Traben-Trarbach und Hatha Vinyasa Yogalehrerin. Als Geschäftsführerin im Hotel genießt sie ihre tolle Aufgabe um in der Welt Gutes zu tun und gibt dort zudem wöchentlich Vorträge über Ayurveda und Yoga.


'Kumbh Mela 2016 – was das größte spirituelle Festival der Welt in mir bewirkte' has 1 comment

  1. 7. Juli 2016 @ 9:47 Boost your OmÜber die Kraft deiner Tränen | Boost your Om

    […] trinken Wasser um zu leben. Wir reinigen unseren Körper durch dieses. Manche Menschen springen in heilige Gewässer hinein, um sich von ihren Sünden zu befreien und zu reinigen. Die Natur sie zerstört mit ihren […]


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