Yoga Festival

Loved every moment – Yoga Conference Germany 2014

Festivalzeit, juhu. Mein Zug fährt vorbei an der Haltestelle Scheeßel in Niedersachsen – doch stopp, nein, es geht nicht zum Hurricane Festival mit Headlinern wie Placebo oder Björk, welches jedes Jahr auf einer alten Rennbahn in Scheeßel stattfindet. Es geht nach Köln, in das Pullmann Hotel, zur Yoga Conference mit Mainacts wie Sheri Celentano, Bryan Kest und Patrick Broome.

„Klingt ein bisschen wie ´n Schlagerfestival“, witzelt eine bekannte Berliner Yogalehrerin und Buchautorin. Sie treffe ich als erstes am Hoteleingang an ihrem Stand und diskutiere, welchen Yogalehrer man sich unbedingt anschauen muss. Fünf Räume gibt es, dazu noch drei weitere Yogastudios von Lord Vishnus Couch, dem Veranstalter der jährlichen Conference. Zeitgleich finden verschiedene Stunden statt, manche Workshops überschneiden sich. Man muss sich also entscheiden, welche Referenten man erleben möchte, denn reinschauen und rausgehen und seine Matte wieder woanders ausrollen ist nicht. Schließlich sind wir hier nicht beim Musikfestival.

Love.Every.Moment.

Die Morgenmeditation mit Patrick Broome, dem Yogalehrer der deutschen Fußballnationalelf, läuft gerade, als ich ankomme. Nachträglich reingehen ist ein No-go, also schaue ich mir die kleine, aber feine Auswahl an Ständen an, an denen Yogaequipment und Co. angeboten wird, und rede mit anderen über die kommenden Tage. Es ist faszinierend, in so viele strahlende Augen zu schauen, die Stimmung ist schon morgens sehr gut, und Tipps gibt es en masse: „Du musst unbedingt zu Danny Paradise gehen, der Typ soll abgefahren sein“, „Katchie Ananda ist der Hammer“, „Meghan Currie ist ein Youtube-Babe, macht Yogaclips im roten Kleid, aber sprüht vor Leidenschaft.“. Letztere hatte ich eh auf dem Plan, der Titel „Love.Every.Moment.“ klingt für mich gut und hat seinen Zweck marketingtechnisch somit erfüllt. Scheinbar nicht nur für mich: Ich stehe viel zu früh vor einem kleinen Raum und warte mit bereits circa 40 anderen Yogis und Yoginis auf Einlass. Mit Mühe ergattere ich noch einen Mattenplatz an der Wand, quasi unter einem Schrank. Erstaunlich, wie viele Matten in einen Raum passen, der eigentlich bereits voll ist. Aber egal, love every moment. Und das machen wir dann auch, denn die Stunde von Meghan Currie, dem Youtube-Babe, ist ziemlich lustig, die Musik dazu cool und passend und am Ende der Yogastunde hat jeder den etwas komplizierten Flow verstanden. Und: Die junge Kanadierin sprüht wirklich vor Leidenschaft und es macht Freude, ihr zuzusehen und Teil der freudigen Yogagemeinde zu sein.

Vegane Stärkung und Inside Flow-Aerobic

Mittagszeit, kurze Pause. Im Hotel ist ein Buffet aufgebaut und für einen okayen Preis gibt es Salat, Obst und warme Pulmann Hotel KölnGerichte. Bryan Kest läuft an mir vorbei. Wieder diskutieren alle, was sich als nächstes lohnen sollte. Ich höre von vielen Seiten, dass sich Young−Ho Kims Stunde „Inside Flow“ einfach super anhört und exakt auf Musik abgepasst ist. Ja, klingt gut, ein bisschen wie Musikfestival. Aber mich hat der Vortrag „Hot Sex for real yogis“ irgendwie in den Bann gezogen. Auf geht´s in den 12. Stock des Hotels mit Hammerblick über Köln. Schnell die Matte ausrollen, um sich einen Platz zu sichern (eigentlich gar nicht meine Art, aber hier essentiell). Irgendwie bin ich mir dann auch nicht mehr so sicher, Cameron Shayne, der Referent, scheint zu polarisieren, und einige sprechen Partnerübungen an.

Nee, das ist dann vielleicht doch nicht meins, mit wildfremden Menschen mein Muladhara und Svadhisthana Chakra öffnen, ich weiß nicht. Doch der Inside Flow nebenan? Alle schwärmten so. Also Matte greifen, nach nebenan umziehen. Der Raum ist viel größer und schöner, wenn auch proppevoll.

Los geht s, Young−Ho Kim, Frankfurter mit koreanischen Wurzeln, ist mit seinen Assistenten da, die auf der kleinen Bühne ein wenig wie Gogo-Tänzer alles vormachen. Der Inside-Flow hat, so lerne ich nun, weniger mit spirituellem Blick ins Innere zu tun. Vielmehr heißt das Yogastudio von Young-Ho Kim „Inside Yoga“ und der kommende Flow ist seine eigene erfundene Abfolge von Asanas zu Musik. Ein wenig wie Aerobic geht es nun zu, eine Choreographie wird aufgebaut und nach und nach kommen mehr Elemente dazu. Zu Rihanna in ohrenbetäubender Lautstärke turnen (ja, ich verwende das Wort extra) wir halbwegs im Takt der Musik, zum Ende hin sollen wir es alleine ohne Ansage hinbekommen – oder auf seine Gogo-Jungs schauen. Am Ende hatten wir alle eine schöne Aerobicstunde, die meiner Meinung nach nicht viel mit Yoga zu tun hatte, aber Spaß hat´s trotzdem gemacht.

Schamanismus, Chakras oder was ist hier eigentlich das Thema?

So viele tolle Lehrer, so viele Möglichkeiten. Schier hin und hergerissen weiß man gar nicht so recht, wo man hin soll. Eigentlich hatte ich Sheri Celentano geplant. Aber eine dritte fordernde Flowstunde hintereinander? Irgendwie brauche ich jetzt mehr yogisch-philosophischen Input und entscheide mich spontan um – für Danny Paradise im riesigen Konferenzsaal. Auch hier liegen wir Matte an Matte, aus dem Nebenraum dringt Musik von der „Sacred Dance“-Stunde.

Danny sitzt auf einem zum Altar geschmückten Podest und fasziniert schon durch sein Äußeres. Seit 38 Jahren praktiziert er Ashtanga-Yoga, hat 1976 auf Hawaii mit Patthabi Jois, dem Begründer des Ashtanga Yogas, gelernt und seither viele andere Yogalehrer selbst ausgebildet. Der Name Danny Paradise ist Programm: Wilde Lockenmähne, Batikshirt über dem gestählten Körper, Hippie durch und durch. Sehr sympathisch und inspirierend hält er einen Vortrag über einen Mix aus Schamanismus, der Verbindung des Yogas zur Natur und erzählt uns, dass Yoga eigentlich von den Ägyptern erfunden wurde. Eigentlich steht die Stunde unter dem Motto „Balancing Chakras“, was auch er irgendwann merkt und schließlich die Chakras erklärt. Seine anschließende Performance von Nauli und Uddyana Bandha wird den Teilnehmern sicher lang im Gedächtnis bleiben. Plötzlich stehen 80 Leute mit hochgekrempelten Shirts auf ihren bunten Matten und versuchen sich auch daran, ihren Bauch wie eine Waschmaschine zu drehen. Dann praktizieren wir Yoga – Ashtanga Yoga. Sonnengrüße, anschließend stehende Übungen, viele mit Abwandlungen, „so, wie die Ägypter es gemacht haben“.

Mein Plan, einen relaxten Vortag anzuhören und ein paar Lockerungsübungen für die Chakras zu machen, ging nicht ganz auf: Dies war die anstrengendste Stunde des Tages. Die Chakras selbst standen irgendwie nicht mehr im Mittelpunkt, aber so ist es eben: Pläne ändern sich.

Go with the flow

Nikki Costello steht bei mir als nächstes auf der Liste. Wie sich meine Pläne aber den ganzen Tag eigentlich schon geändert haben, gehe ich zum Restorative Yoga, in der Hoffnung, ein paar Tricks für eigene Yogastunden und Rückenschmerzen geplagte Freunde zu bekommen. Anne Devamaya Heydenreich, Kölner Yogalehrerin mit wahnsinnig ruhiger Ausstrahlung, leitet uns durch die Stunde, komplett ohne Hilfsmittel wie Bolster oder Klötze. Sehr selten für Restorative Yoga. Dafür mit Partnerübungen zum Entlasten des Psoas und Iliopsoas, die bei der großen Anzahl der Teilnehmer schon beeindruckend aussehen. Einigen scheint es zu reichen für heute oder sind Power Yoga gewöhnt und verlassen den Raum. Langsam macht sich auch bei mir Müdigkeit breit. Nach der Stunde geht s noch kurz zum Kirtan von Janin Devi & Band. Die Vorräume haben sich merklich geleert. Am nächsten Tag geht es früh weiter, für mich ist aber heute Schluss, mein Zug fährt abends zurück nach Hamburg.

Und die Moral von der Geschicht?

Leider habe ich viele, die ich eigentlich treffen wollte, gar nicht mehr sehen können. Das Programm ist eng getaktet, man trifft so viele nette Leute, alle sind offen und man tauscht sich aus über seine Erfahrungen und Pläne. Die Zeit vergeht wie im Fluge bei einer wirklich schönen Atmosphäre. Ich habe begeisterte Stimmen über Katchie Ananda, die Flightschool von Roland Jensch und über viele andere gehört. Niemand blickt miesmutig drein, alle strahlen irgendwie. Ich spüre jeden Muskel, wie viele Chaturangas habe ich heute wohl gemacht, wie häufig habe ich mich in den Krieger gehoben? Glücklich, ein wenig kaputt und angenehm müde stehe ich mit meiner Matte bepackt am Bahngleis, zusammen mit vielen Samstag-Abend-Feierwütigen. Ein bisschen ist es dann doch wie beim Musikfestival.

Weitere Infos: www.yogaconference.de & ein dickes fettes Danke an die tolle Crew von Vishnu’s Couch!

 

Willst du Glückspost von mir?

Liebe Christina, bitte sende mir wöchentlich und jederzeit widerruflich deine schönsten Inspirationen, Rezepte, Neuigkeiten, Infos und Angebote zu Yoga, Ayurveda und Meditation per Email zu.


Deine E-Mail Adresse wird an meinen Newsletter Anbieter ConvertKit zum technischen Versand weitergegeben. Weitere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.

Wir behandeln deine Daten nach DSGVO vertraulich. Du bekommst keinen Spam zugeschickt. Powered by ConvertKit

About

Britta ZietemannBritta ist leidenschaftliche Weltenbummlerin, liebt das Meer und arbeitet seit über zehn Jahren in der Kommunikation und im Journalismus. Sie hat alle möglichen Sportarten ausprobiert, aber bis die Liebe zum Yoga entfacht wurde, hat es einige Zeit gedauert. Mit Ashtanga Vinyasa Yoga hat sie ihre Stilrichtung gefunden und yogt nun fleißig seit einigen Jahren. Anfangs aus Fitnessgründen, mittlerweile aus allen möglichen anderen guten Gründen. "Leider bin ich niemand, der sich leicht verbiegen kann oder eben mal so in Utthita Hasta Padangusthasana hineingleitet - ich muss für die meisten Asanas hart arbeiten. Aber Yoga wirkt eben ganzheitlich und ist für mich trotz meiner furchtbaren Ungeduld extrem faszinierend." Als Lesefan hat sie vermutlich fast jedes Yogabuch auf dem deutschen Markt gelesen - Tipps dazu folgen bald.


'Loved every moment – Yoga Conference Germany 2014' has 1 comment

  1. 11. Juni 2015 @ 9:47 Yoga Conference Germany 2015 - Lies hier den Erfahrungsbericht dazu!!

    […] Bericht von der Yoga Conference 2014 […]


Would you like to share your thoughts?

Your email address will not be published.

© Happy Mind Mag 2018 || Dein Blog für Yoga, Ayurveda, Meditation & Achtsamkeit || Fotos © Christina Waschkies | Sina Niemeyer (falls nicht anders angegeben)

Send this to a friend