Nein - warum das Wort so viel Power hat und wie du sie nutzen kannst.

Nein – kleines Wort mit großer Wirkung

Als Kind haben wir es ständig gehört – es hat uns die Grenzen aufgezeigt, die uns von unseren Eltern gesteckt wurden. Und wir haben es gehasst! Alles, oder zumindest das Meiste, das Spaß machte, war verboten. So schien es aus unseren kindlichen Augen heraus. Ob es ein schützendes, ein freundliches, ein trotziges oder ein konsequentes Nein war, war eigentlich egal – scheiß Fremdbestimmung.

Wir wurden älter und erwachsen und plötzlich gab es keine Eltern oder Erzieher oder Lehrer mehr, die Verbote aussprachen. Plötzlich waren da nur noch wir selbst, die wir für uns Grenzen abstecken mussten und lernen mussten, uns selbst zu schützen. Viel mehr Selbstbestimmung, aber auch viel mehr Verantwortung. Und plötzlich gibt es kaum noch klare Neins in unserer Umgebung, es sei denn es geht darum, ob noch Wein nachgeschenkt werden soll oder die Rechnung benötigt wird. Kurz reflektiert fallen mir nur sehr wenige Situationen ein, in denen ich in letzter Zeit bewusst Nein gesagt habe. Diese situativen kleinen Neins, klar, die gibt es häufig, aber die lasse ich an dieser Stelle mal außen vor. Lasst uns die großen Neins, die bewussten, die, die vielleicht unerwartet kommen oder die viel Kraft kosten, in den Fokus rücken. Denn Nein sagen in Situationen in denen ein Ja vorerst einfacher wäre kostet Mut.

Nein sagen ist nichts für Warmduscher!

Nein sagen, wenn man genau weiß, dass das Ja gewünscht und akzeptiert ist, das Nein aber im besten Fall Erstaunen und im weniger guten Skepsis oder Empörung hervorruft. Aber Gott, kann es befreiend sein und einem auf lange Sicht gesehen so Einiges ersparen, in den richtigen Situationen mal Nein gesagt zu haben.

Es geht bei den kleinen Gefallen los, die uns vielleicht eigentlich gar nicht in den Kram passen, aber die man natürlich macht, als guter Freund, guter Arbeitskollege, guter Nachbar. Die Frage nach einem gemeinsamen Mittagessen verneinen, weil man die wenige Zeit am Wochenende gern auch mal mit sich allein verbringen möchte, die Präsentation nicht überarbeiten, weil man ohnehin schon mindestens zwei Stunden länger im Büro bleiben muss, das Packet nicht annehmen, weil man genau weiß, dass es frühestens in zwei Wochen abgeholt wird und bis dahin im Flur vollstaubt. Unser Gehirn ist darauf programmiert, tendenziell erst mal Ja zu sagen, weil ein Nein kurzfristig negative Folgen haben kann – es ruft bei unserem Gegenüber Unbehagen hervor. Also stellen wir harmoniebedürftigen Homo sapiens uns nicht dem Konflikt, sondern flüchten uns in das Ja – ist ja auch so schön einfach, erst mal. Irgendwann nervt uns das Ja dann und wir ärgern uns über unsere Gutmütigkeit oder darüber, das Bauchgefühl wieder einmal gekonnt ignoriert zu haben.

Ein Nein hat völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf

Weiter geht es mit den großen Entscheidungen im Leben: Eine solala-Beziehung weiterlaufen zu lassen ist leichter, als sich zu trennen. Den Job, von dem wir eigentlich genau wissen, dass er uns nie glücklich machen wird, „erstmal“ zu behalten leichter, als zu kündigen. Doch bis wohin ist es Vernunft und ab wann flüchten wir vor der Verantwortung für uns selbst? Entscheidungen treffen ist schwer und Entscheidungen gegen etwas zu treffen, dabei wahrscheinlich die Königsdisziplin. Denn Nein hat einen schlechten Ruf, völlig zu Unrecht wenn ihr mich fragt! Warum ein Nein direkt als negativ abstempeln? Genauso wie deine Eltern dich in deiner Kindheit mit einem Nein vor der heißen Herdplatte oder der spitzen Schere bewahrt haben, so musst du nun dich selbst mit einem Nein schützen, vor alldem, was dir nicht gut tut. Ehrlich sein, nicht nur gegenüber allen Anderen, sondern auch gegenüber sich selbst. Kein halbherziges Ja mehr, nur um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Das böse N-Wort ruhig mal öfter in den Mund nehmen – es wird sich auszahlen!

Wo Nein ist, ist auch Ja

Zoomen wir mal raus aus unserem Nein-Orbit, aus den Situationen, die in unseren Köpfen schwirren, in denen wir künftig üben wollen, Nein zu sagen, stark zu sein, Brust zu zeigen und uns selbst immer treuer zu werden. Wenden wir uns dem Ja zu: Denn wer bewusst Nein sagt, sagt auch bewusster Ja. Wenn wir anfangen, die Option eines Neins zuzulassen in Situationen, in denen uns das Ja eigentlich schon auf der Zunge liegt, gewinnt ein mögliches Ja deutlich an Bedeutung. Es ist immer da, wir können das Ja ebenso nutzen, wie das Nein. Zwei gleichberechtigte Partner. Beides ist okay, beide Optionen sind gegeben. Sich bewusst für etwas zu entscheiden, wenn man sich auch zugestehen würde, es abzulehnen, hat eine ganz andere Kraft. Es ist ein offenes Ja, ein durchdachtes, ein intrinsisches. Ein bewusstes Ja führt zu Entscheidungen, die wir seltener bereuen werden, dessen Konsequenzen, auch die negativen, sich viel leichter schultern lassen. Gibt dem Nein Raum, um das Ja wieder in hellerem Licht erstrahlen zu lassen.

Nein sagen ist so unheimlich wichtig! So lernst du, mit Inbrunst Nein zu sagen.

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Ein Nein über die Lippen zu bringen erfordert oft Mut und kann für Unmut beim Gegenüber führen. Warum es aber so wichtig ist, liest du hier.
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Lena arbeitet in der Kommunikationsbranche und yogt inzwischen (mal mehr mal weniger) seit fast 10 Jahren. Sie verbringt ihre freie Zeit gern in der Natur oder im Lieblingscafé um die Ecke und versucht sich mit der Every-Day-Challenge eines ausgeglichenen Lebensstils. Im Happy Mind Mag bringt sie ihre Gedankenergüsse und Erkenntnisse zu Herzensthemen oder solchen, die ihr beim Stöbern begegnen, aufs Papier, oder besser: den Bildschirm.


'Nein – kleines Wort mit großer Wirkung' have 4 comments

  1. 6. März 2017 @ 9:47 Kathi

    Liebe Lena, vielen Dank für diesen Post. Ich habe dieses Nein-Sagen gar nie von meiner Kindheit an betrachtet. Ein guter Gedanke. Ich stehe seit einigen Wochen vor dem nicht-ausgeprochenen Nein und ich hoffe, das mir dieser Denkanstoß die Situation erleichtert, wenn das Nein kommt.

    Freue mich schon auf weitere Blogposts!
    Alles Liebe,
    Kathi

  2. 26. Februar 2017 @ 9:47 Anne

    Hallo Lena, kennst Du das Buch „Nein aus Liebe“ von Jesper Juul? Hilft super um zu erkennen, dass ein Nein eben nicht immer was negatives ist….

  3. 19. Oktober 2016 @ 9:47 Lena Konopko

    Liebe Anne,

    Es freut mich, dass Dir der Gedanke gefällt – er hat mir auch sehr geholfen! Es ist trotzdem immer eine Challenge, Nein zu sagen, aber am Ende auch Übungssache :)!

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Lena

  4. 18. Oktober 2016 @ 9:47 Anne

    Hallo Lena,

    Ein wirklich schöner Blogpost.
    Ich habe immer ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich zu etwas Nein sagen muss.. Manchmal schiebt man es tagelang vor sich hin und macht sich unendlich viele Gedanken darüber.
    Einem wird jahrelang eingeredet, dass ein Nein immer etwas negatives sein muss. Deinen Ansatz, dass ein bewusstes Nein auch Raum schafft für ein bewusstes, helles Ja finde ich wunderbar.

    Alles Liebe für dich,
    Anne


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