Die Niyamas sind die No-Go's im Yoga.

Die Niyamas im Yoga – Yoga Philosophie für Anfänger

Die zweite Stufe des achtfachen Pfades nach Patanjali sind die Niyamas. Während die Yamas sich mit dem Verhalten anderen gegenüber auseinandersetzen, geht es bei den Niyamas um den Umgang mit Dir selbst. Auch nicht ganz uninteressant.

Die Niyamas

Shauca (Reinlichkeit) – hierbei geht es nicht nur um die Reinigung unserer äußeren Hülle. Ungeduscht zur Class zu gehen, ist nicht nur unfair Deinen Mityogi’s gegenüber, sondern auch dem Yogalehrer, der Dich adjustet.

Es geht auch um innere Sauberkeit. Z.B. daß die Nahrung, welche ich zu mir nehme „sauber“ ist, pestizidfrei, frisch und Bio (soweit man das heutzutage überhaupt noch feststellen kann).

Dazu gehört auch, daß man seine Wohnumgebung weitgehend „kramsfrei“ hält, was sich ja in Dekowut zu bestimmten Jahreszeiten als schwierig herausstellen kann. Man kann auch Beziehungen und Freundschaften „detoxen“. Sich von Menschen, die einem nicht gut tun, loslösen und von ungesunden Verhältnissen bereinigen.

Aber nicht nur alles Äußere zählt hier zur Reinlichkeit, sondern auch reine Gedanken, alle inneren Prozesse. Für einen klaren Geist unterstützt uns das Yoga mit Pranayama (Atemübungen), den Asanas (Körperübungen), sowie den Kriyas (Reinigungsübungen). Detox auf allen Ebenen, für einen sauberen Körper und einen sauberen und fokussierten Geist.

Santosha (Zufriedenheit), nicht zu verwechseln mit Glück. Zufrieden zu sein, bedeutet, das anzunehmen, was uns jeder einzelne Tag so bringen kann. Wenn es regnet, regnet es eben. Mit meiner miesen Laune kann ich leider (noch nicht!) das Wetter ändern, sondern verdunkle nur mir und denen um mich herum, den Tag. Echte Zufriedenheit erwächst nur aus dem Inneren heraus und ist nicht von äußeren Umständen abhängig. Es ist einfach, zufrieden zu sein, wenn alles in unserem Leben rund läuft.

Aber nur wenn wir auch lernen die schwierigen Situationen anzunehmen, zu verarbeiten, nicht zu verzweifeln und uns komplett ins Tal der Tränen abzuseilen, nur dann, haben wir wirklich die Chance frei zu werden. Wahrzunehmen, daß das einzig Stete im Leben der ständige Wandel ist und das wir inmitten dieses Wandels, der nicht immer schmerzfrei vonstatten geht, lernen, dass unser Innerstes nicht mehr angegriffen werden kann, es eben für den Moment so annehmen können (denn alles ändert sich ja sowieso wieder), dann praktizieren wir Santosha.

Wenn der Wandel nicht mehr unsere inneren Dramen auf die Bühne bittet, lernen wir auch dem Sturm zu trotzen und zufrieden zu sein, egal was das Leben uns gerade auf den Teller packt.

Tapas (Disziplin, Durchaltevermögen), wird auch frei übersetzt mit „Feuer“ oder „Hitze“, manchmal auch mit „feuriger Disziplin“. Durch Disziplin können wir herausfinden, was wirklich für uns wichtig ist und was wir wirklich wollen. Für mich ist es schwierig auf jegliche Art von Schokolade zu verzichten, für andere mag es schwierig sein, mit dem rauchen aufzuhören. Für wieder andere bedeutet es eine unglaubliche Herausforderung, sich täglich (oder überhaupt) auf die Yogamatte zu bewegen und zu praktizieren.

Bewusster Verzicht befreit uns von den Dingen, die wir eigentlich nicht benötigen. Ich verzichte auf die geliebte Schoki, wenn ich ein paar Kilos weniger auf den Rippen haben möchte. Man hört auf zu rauchen, weil es einem wirklich nicht gut tut und man es seiner Tochter fest versprochen hat. Wir rollen unsere Matte zu Hause aus und praktizieren, obwohl der innere Schweinehund seine ganze Familie eingeladen hat und eine Pyjamaparty auf dem Sofa veranstalten will. Aber das Gefühl danach, wenn man durchgehalten hat, Ausdauer gezeigt hat und richtig diszipliniert mit sich selbst war, fühlt sich einfach unschlagbar an.

Wenn wir durchhalten, obwohl es gerade echt mies läuft, wir uns nach seeeehr viel Nougatschokolade, mindestens zwei Packungen Roth Händle ohne Filter oder dem Sofa sehnen, dann ist das Tapas. Wir entzünden das Feuer in uns, eine Energie, die wir benötigen, wenn wir etwas erreichen wollen und Erfolg haben möchten und die uns auch reinigt und zu mehr Zufriedenheit führt.

Svadhyaya (Selbstreflexion), bedeutet sich selbst wirklich unter die Lupe zu nehmen. Sich aufmerksam zu beobachten, wach zu sein, gegenüber unseren Gedanken und Gefühlen. Indem wir alles, was in uns aufsteigt, hinterfragen: wo stehe ich jetzt? Wohin bringt mich mein jetziges Verhalten? Was will ich eigentlich wirklich? Was sind meine Prioritäten? kann Svadhyaya uns dabei helfen, unseren inneren Autopiloten außer Kontrolle zu setzen. Vieles in unserem Leben machen wir ganz automatisch ohne viel darüber nachzudenken.

Aber nicht alle lieb gewonnenen und altbekannten Muster sind wirklich gut für uns. Waren es vielleicht sogar nie, aber wir haben uns so daran gewöhnt, daß wir sie nicht mehr hinterfragen. Wie gut kann man sich selbst belügen? Man kann sich prima und lange Dinge schön reden, bis man sie wirklich selber glaubt. Und nicht mehr hinterfragt. Und so können wir nicht nur uns selbst spiegeln und untersuchen, sondern auch uns im Verhältnis zu anderen Menschen.

Alles was uns dabei hilft, ein tieferes Verständnis für uns selbst zu erreichen, ist Svadhyaya.

Ishvarapranidhana (Gottvertrauen, die Hingabe an Gott). Um hier gleich den potentiell religiösen Zündstoff herauszunehmen, Gott ist nicht gleich Gott. Als Ex-Katholikin habe ich lange nach einem für mich passenden „Gottesbild“ suchen müssen. Für mich klappt es mit der Vorstellung, dass es etwas viel Größeres als mich gibt, etwas viel Größeres, als alles was ist. Diese Vorstellung schenkt mir eine gewisse Geborgenheit und Sicherheit, der ich mich hingeben kann, der ich vertrauen kann. „Gottvertrauen“ hat auch damit zu tun, es mal gut sein zu lassen. Zu wissen, daß man sein Bestes getan hat und Gott, das Universum oder das was größer ist als ich, den Weg kennt.

Wir alle kennen Zweifel und Ängste. Ishvarapranidhana bedeutet sich genau davon befreien zu können, Vertrauen zu haben. Wirklich zu wissen, daß alles gut sein wird. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann schon.

Dieser Artikel ist im Original am 8.4.2013 erschienen.


Neugierig geworden? Patanjalis Yoga Sutra* a.k.a. die besten Lebenstipps, die du je gelesen hast, gibt es bei Amazon.

 

Happy Mail - der Newsletter, der dich glücklich macht!

You want more of the good stuff? Dann melde dich jetzt für den Mailout an und erhalte alle zwei Wochen unseren Newsletter - natürlich kostenlos!

Du bekommst unsere besten Tipps für ein spirituelles Leben, Yoga-Übungen, köstliche Rezepte sowie exklusive Angebote nur für dich - jeden zweiten Sonntag und jederzeit abbestellbar!

Geschafft! Herzlich willkommen im Club

Irgendwas hat nicht geklappt!


Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga.
Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de oder schreib einfach eine Mail an Julie.
 


'Die Niyamas im Yoga – Yoga Philosophie für Anfänger' has 1 comment

  1. 15. April 2013 @ 09:57 Kleine süße Yoga Füße - Fußpflege selber machen

    […] – im wahrsten Sinne des Wortes. Reinlichkeit (Moment! Das Thema hatten wir doch gerade in den Niyamas nach Patanjali) bedeutet nicht nur Selbstliebe, es bedeutet auch Respekt vor den Mitmenschen. Also Ladies & […]


Would you like to share your thoughts?

Your email address will not be published.

© Dein Blog für Yoga, Ayurveda, Ernährung, Lifestyle & Wellness.

Send this to a friend