No plastic please: Wie du plastikfrei einkaufen kannst

Ich stehe bewaffnet mit Jutebeuteln verschiedener Größen, meiner Edelstahl-Brotdose und meiner Korbtasche am Eingang des Hamburger Isemarkts, denn auf dem Markt stelle ich mir das plastikfreie Einkaufen am Angenehmsten vor. Du ahnst es schon. Mein Ziel heute: Einen kompletten Wochenendeinkauf erledigen, ohne auch nur einen Fitzel Plastik mit nach Hause zu bringen. Warum nicht? Kannst du hier nachlesen. 

Noch einmal tief Luft holen und mutig auf den Gemüsestand zuschreiten. Dann mein Anliegen kundtun. Dort ist es alles kein Problem. Der freundliche Altländer Gemüsedealer nimmt meinen großen Jutebeutel entgegen und schmeißt erst alles rein, was dreckig ist: Kartoffeln, Karotten, Sellerie. Oben drauf dann die Äpfel, Birnen, Saftorangen, die ich für mein tägliches Wohlbefinden brauche. Der Beutel ist voll, ich reiche ihm einen neuen, etwas kleineren. Den stopft er voll mit Feldsalat. Dann möchte ich noch Cherrytomaten, Avocado und Gurke. Alles kein Problem. Erster plastikfreier Einkauf geschafft!

Wieso hab ich eigentlich die ganzen schweren Sachen zu Anfang eingekauft?

Tapfer schleppe ich meine Ibiza-Hippie-Korbtasche über den Isemarkt. Nächste Mission: Brot. Die Verkäuferin lobt meinen kleinen Brotbeutel aus Jute und findet ihn süß. Ich fühle mich gebauchpinselt und bestärkt in meinem Vorhaben. Bis ich beim Nudelstand ankomme und die köstlichen, handgemachten Steinpilzravioli bestelle. Hier krieg ich erst mal einen Korb und eine fette Belehrung in Sachen Lebensmittelvorschriften. Die Verkäuferinnen dürfen keine Gefäße über die Theke annehmen um darin Nudeln einzupacken. Hmpf. Wir finden einen Kompromiss. Ich stelle meine Edelstahlbrotdose oben auf die Theke, sie wiegt die Nudeln hinter der Theke ab und legt sie mir dann mit spitzen, plastikbehandschuhten Fingern in meine Dose.

Mit etwas gedämpfter Stimmung geht es weiter, denn ich merke: Es braucht zielgerichtete Unverschämtheit und charmante Penetranz, um nicht eingeschüchtert mit Plastik nach Hause zu kommen.

Auf der Mitte des Isemarktes ereilt mich ein Triumph

Ich habe selbstgemachte Fassbutter in Butterbrotpapier gefunden! Viele Käsestände pfeifen auf Fassbutter – was ich nicht verstehen kann – und wickeln zudem schon vorab alle Käsestückchen in Plastik ein. Aus Faulheit. Oder hygienischen Gründen, wer weiß das schon. Du bekommst jedenfalls keine Chance, darauf zu verzichten! Die Plastikkäsemenschen werden ab jetzt einfach gemieden. Ich kenne mittlerweile die Stände, die Papier zum Einwickeln benutzen und die besuche ich dann einfach.

Ich werfe einen zufriedenen Blick in meine Hippie-Tasche. Kein Plastik drin!

Jetzt noch frische Tulpen kaufen. Ah! Der Händler dahinten hat welche in Papier gewickelt! Ich kaufe die gelb-roten, obwohl ich eigentlich pinke möchte. Aber die pinken sind in Plastik verpackt.

Man muss auch Kompromisse machen können.

zero waste einkaufen

Für deinen ersten plastikfreien Einkauf brauchst du Folgendes: 

  • ein dickes Fell
  • eine Korbtasche, die nach Ibiza und Hippiekultur aussieht (Jutebeutel tut es auch, aber die Ibiza-Tasche gibt dir das gute Gefühl, ein plastikfreier Hippiewarrior mit Style zu sein)
  • Jutebeutel in verschiedenen Größen, kleinere Größen für Nüsse, Linsen etc kaufe ich im Forschershop.
  • Deine Wasserflasche aus Glas oder Edelstahl, falls du durstig wirst. Ich finde die von Klean Kanteen mit Bambus Deckel sehr gut.
  • Eventuell einen Kaffeebecher aus Edelstahl oder Glas, falls du dort ein Kaffeepäuschen einlegen möchtest. Mein Favorit: der Keep Cup aus recyceltem Glas – leider mit Plastikdeckel, aber die Menge an Plastikdeckeln, die ich dafür einspare, macht das Ganze für mich okay
  • Eine Brotdose aus Edelstahl, ich habe die ECOlunchbox Brotdose aus Edelstahl mit drei Etagen für fettendes Zeug, Käse, etc
  • Ein, zwei Weckgläser oder Schraubgläser, falls du Oliven, eingelegte Tomaten oder andere ölige Sachen einkaufen möchtest – achte darauf, dass du sie vorher auskochst, abtropfen lässt und gleich verschließt, wegen Bakterien und so

Locations zum plastikfreien Einkaufen: 

  • Ganz klar: Dein lokaler Wochenmarkt. Denn nichts toppt regional & bio. Der Vorteil: Wenn dich die Verkäufer schon kennen, stellen sie sich vielleicht nicht so an und deine Hürde, nach Plastikfrei zu fragen, ist niedriger.
  • Auch eine Möglichkeit, plastikfrei an deinen Einkauf zu kommen: Die Gemüsekiste. Nun gut, sie selbst ist zwar aus Plastik, aber der köstliche, frische Inhalt wird einfach nur so reingelegt und die Kiste wird immer wieder benutzt.
  • Hofläden. Wenn du z.B. beim Kattendorfer Hofladen in Hamburg einkauftst, kannst du genau so vorgehen wie auf dem Isemarkt. Die bieten auch ein fantastisches Pfandsystem an, du kannst Milch, Sahne, Quark und Joghurt in Glasflaschen mitnehmen und diese einfach wiederbringen. Übrigens alles selbst gemacht auf dem Hof! Einfach mal googeln, so etwas gibt es bestimmt auch in deiner Nähe
  • Augen aufhalten! Letztens hab ich festgestellt, dass der Bio-Markt um die Ecke lose Datteln und Studentenfutter hat. Auch da war es kein Problem, die kleinen Jutebeutel zu benutzen.
  • Höre dich mal um, ob es in deiner Stadt einen verpackungsfreien Supermarkt gibt. Hier gibt es eine schöne Deutschlandkarte mit allen verpackungsfreien Supermärkten im Überblick.
  • Vorausschauend planen ist das A und O. Wenn du 5 Km fährst, um plastikfrei einzukaufen, sollte es sich schon lohnen und Sachen wie Reis, getrocknete Kichererbsen, Linsen, Nudeln und Bohnen, Haferflocken, Nüsse etc halten sich lange. Also lieber einmal mehr kaufen und nicht so oft ins Auto steigen.
  • Gewöhne dich daran, dass du nicht mehr alles auf einen Schlag bekommst wie im Supermarkt. Du hast irgendwann deine speziellen Dealer für spezielle Dinge, und die suchst du einmal im Monat auf.

Verpackungsfrei in Hamburg:

  • Wenn du so lucky bist, in Hamburg zu leben, dann besuche den 12 Monkeys Supermarkt auf dem Kiez. Dort findest du alles an Nüssen, Reis, Nudeln etc unverpackt. Aber nur vegan!
  • Wie gesagt, der Kattendorfer Hofladen bietet eine tolle Auswahl an fantastischem Gemüse und Obst. Erdnüsse und Walnüsse gibt es dort auch lose.
  • Der Kaufmannsladen in der Bahrenfelder Straße in Ottensen hat alles mögliche an losem Zeug. Von Tee bis Quinoa. Sogar köstliche Ölsorten kannst du dir dorf abfüllen lassen! Einfach mal vorbei schauen, der Besitzer ist dem ganzen plastikfreien Thema sehr angetan.

unverpackt einkaufen

Hast du weitere Tipps zum plastikfreien Einkaufen? Wenn ja, dann freu ich mich über deinen Kommentar.

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Christina ist Mama, Yogini und Full-Time-Bloggerin. Sie praktiziert Yoga seit vielen Jahren mit großer Freude und findet, dass Spiritualität eine sehr persönliche Angelegenheit ist: Jeder lebt sie ein bisschen anders! Nebenbei designt Christina liebevolle yogische Geschenksets sowie spirituellen Schmuck, den du in ihrem HAPPY MIND SHOP kaufen kannst. Privat mag Christina das Übliche: Zeit mit ihrer Tochter und ihrem Mann verbringen, gutes Essen, Filme, Musik, Reisen und einen netten Umgang miteinander. Schreib eine Mail an Christina. Oder sag hallo auf Google+


'No plastic please: Wie du plastikfrei einkaufen kannst' have 10 comments

  1. 11. Dezember 2017 @ 9:47 Christina Waschkies

    Hi Tom, danke dir für den Hinweis, das ist super!

  2. 9. Dezember 2017 @ 9:47 Tom

    Moin,
    nur mal als Nachtrag: es gibt da noch so ein paar versteckte Alternativen, die in den weniger hippen Ecken an weniger durchdesignten Orten zu finden sind. Beispielsweise kann man in der Drogerie Passvogel in Langenhorn ( https://passvogel.info/Tangstedter-Landstrasse/ )schon seit langer Zeit alle möglichen Reinigungsmittel auf Essig- und Zitronensäurebasis in mitgebrachte Flaschen abfüllen. Den Namen des Herstellers hab ich gerade nicht drauf. Das wären Angebote, die von den zero.waste Läden mal aufgegriffen werden sollten.

  3. 11. Mai 2016 @ 9:47 Boost your OmLose und unverpackt - was dein Konsumverhalten mit Umweltschutz zu tun hat | Boost your Om

    […] Ein gute Sache ist es einmal die Woche auf den Wochenmarkt zu gehen, dir ein bisschen Zeit einzuplanen und bewaffnet mit Jutebeuteln und Glasbehältern mutig deinem Ziel eines verpackungslosen Einkaufs entgegenzuschreiten. Einen tollen Artikel dazu findest du hier. […]

  4. 20. April 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Oh toll! Ich hoffe einfach, dass es in ein paar Jahren solche Läden in allen Städten gibt. Im Moment muss man einfach noch sehr gut planen, und das gelingt mir auch nicht immer :) Viele liebe Grüße, Christina

  5. 19. April 2016 @ 9:47 Irina

    Ein toller Artikel. Ich glaube wirklich, dass es unfassbar schwer ist komplett plastikfrei einzukaufen!
    Zum Glück eröffnet bei uns in der Stadt bald ein Lebensmittelladen, bei dem man wirklich mit den eigenen Dosen und Beuteln hingehen kann und somit komplett plastikfrei seinen Einkauf erledigen kann.
    Ich bin es wirklich auch sehr Leid, immer diese Tonnen an Plastik nach dem Einkauf wegzuschmeißen…

    Liebe Grüße
    Ina
    http://www.mintliebe.de

  6. 17. April 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Total interessant und voll cool, dass du die Hersteller tatsächlich angeschrieben hast. Ich hab jetzt auch schon aus dem Kosmetikbereich gehört, dass z.B. in der Hotellerie gar keine Glasverpackung zugelassen ist wegen der Sicherheit. Hmpf. Hat echt alles seine Vor – und Nachteile. Danke für deinen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Christina

  7. 17. April 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Supergut, danke!

  8. 15. April 2016 @ 9:47 Georgia

    Und hier noch mal eine schöne Auflistung an Einkaufsmöglichkeiten, gefunden auf utopia.de:
    https://utopia.de/ratgeber/plastikfreie-laeden/

    Einen sonnigen Tag euch allen!

  9. 15. April 2016 @ 9:47 Georgia

    Guten Morgen,
    freue mich über deine Erfolgserlebnisse. Ich habe zwischenzeitlich mal bei Alnatura, Davert, Rapunzel und auch Natumi zu ihrer Vision hinsichtlich Zero-Waste befragt. Alnatura als Biosupermarkt habe ich darüberhinaus vorgeschlagen, unverpacktes Einkaufen zu ermöglichen. Alle haben geantwortet. Hier die Auszüge (Begrüßung/ Verabschiedung hab ich rausgeschnitten):

    Alnatura: „Bisher ist es noch nicht geplant, Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte oder andere Lebensmittel in unseren Alnatura Super Natur Märkten unverpackt anzubieten. Das Abfüllen von Produkten in eigene, mitgebrachte Behältnisse ist aus hygienischer Sicht recht schwierig umzusetzen, da Hygiene-Vorschriften im Lebensmitteleinzelhandel sehr streng sind. Zudem würden ohne Verpackung auf dem Produkt wichtige Informationen wie Zutaten, Spurenhinweise, Nährwerte etc. fehlen. Auch wäre die Haltbarkeit verkürzt, da Lebensmittel in der Regel so verpackt sind, dass die Verpackung einen optimalen Schutz gewährleistet. Verpackungen tragen somit auch dazu bei, dass Lebensmittel nicht vorzeitig verderben und entsorgt werden müssen.

    Bei vielen Produkten bieten Kunststoffverpackungen auch noch einen besseren Produktschutz als Papierverpackungen. Um Produkte zum Beispiel optimal vor äußeren Einflüssen zu schützen, ist es oft sinnvoll, sie luftdicht zu verpacken, was nur mit einer Kunststoffverpackung möglich ist. Beispielsweise Müslis und Flocken sind in dünnen Kunststoffbeuteln besser vor vorzeitiger Ranzidität geschützt als in Papier. Auch bieten Kunststoffverpackungen z. B. bei Nudeln, Müslis, Reis, Nüssen und Gewürzen einen besseren Schutz vor Lebensmittelschädlingen. Bei fetthaltigen Produkten oder bei Produkten, bei denen es leicht zu einem Aromaverlust kommen kann (z. B. Gewürze), sind Papierverpackungen weniger sinnvoll.

    Wir bieten zudem bestimmte Produkte in Kartonverpackungen an, da die Ökobilanz für Mehrwegflaschen und Kartonverpackungen praktisch gleich ist, wenn diese im Gelben Sack gesammelt und wieder verwertet werden – v. a. da diese leichter sind als Flaschen und beim Transport weniger Emissionen verursachen. Mit Kartonverpackungen z. B. bei den Getreidedrinks entsprechen wir auch dem Wunsch eines Großteils unserer Kunden, die eine leichte, einfach zu handhabende (kein Leergut) Getränkeverpackung bevorzugen.

    Das Thema Verpackungen und Müllvermeidung liegt uns sehr am Herzen. So bieten wir beispielsweise die Alnatura Müslis oder Cornflakes im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern lediglich in einer Plastikverpackung an, ohne die zusätzliche Faltschachtel darum herum. Zudem achten unsere Herstellerpartner darauf, dass Folienverpackungen nicht größer als abfülltechnisch notwendig sind.

    Vielleicht ist auch dieser Artikel auf unserer Internetseite interessant für Sie: http://www.alnatura.de/de-de/panorama/kultur-und-gesellschaft/gesellschaft/gut-geschuetzt-ist-nur-halb-gewonnen.“

    Davert: „Für unsere Kleingebinde – Artikel verwenden wir bewusst Polypropylen – Beutel.

    Die Herstellung, Verwendung und Entsorgung dieses Materials (PP) ist nicht mit wesentlichen Umweltbelastungen verbunden.

    Diese Beutel halten Gerüche dicht in den Verpackungen, so dass Schädlinge nicht so stark angelockt werden, wie es unter Umständen bei anderen Verpackungen (Papier) der Fall sein könnte. Da es sich bei unseren Produkten um reine Naturprodukte handelt, ist die Gefahr eines nachträglichen Befalls sehr groß, vor allem bei falscher Lagerung der Produkte. Des Weiteren trägt die Verpackung auch zur Haltbarkeit der Produkte bei.

    Von unseren Lieferanten liegen uns Konformitätserklärungen vor. Diese sagen unter anderem aus, dass für die Herstellung der Verpackungsmaterialien keine gefährlichen Substanzen verwendet werden. Der Verbund sowie die verwendeten Kleber und Druckerfarben, frei von ITX sind. Grundsätzlich sind alle Folien bzw. Verpackungen von Lebensmitteln geprüft und zugelassen. Unsere Folien basieren nicht auf Erdöl und enthalten keine Weichmacher.

    Aktuell arbeiten wir daran, die Faltschachteln auf FSC Mix Papier umzustellen. Damit Sie als Endverbraucher die Möglichkeit haben, sich aktiv für ein Produkt aus verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung zu entscheiden, werden FSC-zertifizierte Produkte mit einem eigenen Label gekennzeichnet. Das Label bezieht sich dabei nur auf die Produkt- oder Verpackungsbestandteile, die aus dem Wald stammen. Nur zertifizierten Unternehmen ist es erlaubt, ihre Endprodukte aus FSC-Materialien mit dem jeweiligen Label zu versehen.“

    Natumi: „Wir haben uns als Verpackungsform für Tetra-Pak entschieden, da diese Großteils aus nachwachsendem FSC-Papier hergestellt wird während z.B. Glas in der Herstellung sehr energieaufwändig ist.
    Zusätzlich zu den Energieeffizienzvorteilen in der Herstellung ist der Tetra auch besonders leicht, was nicht nur für den Konsumenten beim nach Hause tragen sondern insbesondere im Transport bis ins Geschäft effizienz- und damit umwelttechnische Vorteile hat. Ein weiterer Vorteil des Tetra-Paks gegenüber Pfandflaschen ist die Lebensmittelsicherheit sowohl im Hinblick auf mikrobiologische Verunreinigung (Pfandflaschen werden ja mit Reinigungsmittel und heißem Wasser gereinigt und hier kann es zu Rückständen kommen) als auch auf Bruchsicherheit und damit Verletzungsgefahr.

    Wir sind überzeugt davon mit dem Tetra-Pak die für das spezielle Produkt beste und umweltverträglichste Verpackung gewählt zu haben und würden uns freuen, wenn sie unseren Produkte trotz Ihrer Vorbehalte gegen die Verpackungsform eine Chance geben.

    Zu Ihrem Vorschlag die Pflanzenmilch als Konzentrat im Glas zu verkaufen möchen wir darauf hinweisen, dass bei einer Konzentrierung viele Wertvolle Inhaltsstoffe zerstört werden da hier ein deutlich längerer Hitzeeinfluss auf das Produkt wirkt als bei der Haltbarmachung mittels UHT. Ausserdem wäre der Einsatz von Emulgatoren und Stabilisatoren notwendig da sonst das konzentrierte Produkt Klumpen und Bodensatz bilden würde (Eiweiß und Stärke).

    Daher ist für uns nach wie vor aus den oben genannten Gründen die Haltbarmachung mittels UHT und die Abfüllung in Tetra Pack die beste Wahl für unser Produkt.“

    Rapunzel. “ Ihre Unzufriedenheit wegen der Plastikverpackungen bei unseren Produkten und generell bei Bio-Produkten kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Verpackungen sind bei uns im Haus seit vielen Jahren ein Thema und wir investieren sehr viel Zeit und Aufwand, um unsere rund 550 Produkte auch sicher zu verpacken – und unseren Kunden die erwartete Produktqualität zu gewährleisten.
    Unsere Getreideprodukte, Nudeln, Trockenfrüchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Müslis, Schokoladen sind derzeit noch in PP und PE Folien verpackt. Der Knackpunkt bei der alternativen Papierverpackung ist schlichtweg, dass Papier Feuchtigkeit durchlässt. Damit würden die Nüsse muffig, die Flocken im Müsli weich, der Zucker steinhart…
    Zudem ist Papier ein weit weniger migrationssicheres Material als Plastik, nicht nur für Wasser. Wenn Verpackungen aus Altpapier sind, gehen davon Mineralöle und andere Substanzen aus vormaligem Papier in das Produkt über. Ebenso kann die Druckfarbe der Papierverpackung oder Bestandteile des Umkartons auf ein lange lagerndes Produkt wie z.B. Müsli oder Nudeln übergehen. An ähnlichen Lebensmitteln (z.B. Reis, Salz) wurden diese Übergänge schon nachgewiesen.
    Papier kann nicht verschweißt werden und somit kann das Produkt mit Substanzen, die in der Umgebung auftauchen (z.B. Staub, Abgase, Lackausdünstungen, Fremdgerüche usw.) in Berührung kommen.
    Bei den Produkten wo es möglich ist und Sinn macht, verwenden wir bereits die umweltfreundliche Glas-Verpackung z.B. bei Cremes, Nussmusen, Tomatensaucen, Oliven, Öl, Essig usw. Offen gesagt wäre es wenig zielführend Trockenware, sprich Müsli, Reis, Hülsenfrüchte oder Getreideprodukte in Glas abzupacken. Nicht nur unsere Kunden, die damit beim Einkauf schwere Gewichte nach Hause schleppen müssten, sondern auch die Umwelt würde darunter leiden. Durch das hohe Gewicht würden nicht nur die Transportkosten, und somit auch die Produktpreise, sondern auch der CO2-Ausstoss steigen.
    Eine gute Alternative zur Kunststoffverpackung wäre, meiner Meinung nach, lose Ware. Dafür müssen aber in erster Linie die Bioläden bereit sein, ihre Logistik so umzustellen, dass sie lose Ware verkaufen können. Zudem ist auch das Mitwirken der Kunden gefragt, die ihren Einkauf so organisieren sollen, dass sie die Behälter für ihre Lebensmittel selber mitbringen.
    Das ganze setzt natürlich voraus, dass die eingekauften Waren-Mengen auch in kurzer Zeit abverkauft werden. Ich glaube, dass es für unsere Kunden wenig zielführend ist, wenn das Müsli zwar ohne Verpackung verkauft wird, aber dann ewig rumliegt und die Nüsse ranzig oder ausgetrocknet sind oder die Mehl- und Getreideprodukte von Motten befallen werden.
    Ich persönlich glaube, dass unverpackte Ware, in Zukunft immer stärker nachgefragt werden wird und die Bioläden dementsprechend umrüsten werden. Rapunzel bietet auch lose Ware an und wir merken, dass sich in diesem Bereich immer mehr tut. Mengenmäßig ist es derzeit noch relativ wenig, was wir „unverpackt“ an Bioläden verkaufen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich dies ändern wird, weil einfach das Bewusstsein dafür steigt.
    Das Verpackungs-Team in unserer Produktion arbeitet laufend am Thema Verpackungen. Derzeit werden z.B. die Möglichkeiten biologisch abbaubarer Folien und Material aus nachwachsenden Rohstoffen geprüft. Dabei ist das gar nicht so einfach, weil wir:
    a) keine Verpackungshersteller sind und uns danach richten müssen, was auf dem Markt erhältlich ist.
    b) Folien aus nachwachsenden Rohstoffen werden in der Regel aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt. Dies ist nicht mit unserer Firmenphilosophie und Leitbild für Lebensmittelqualität vereinbar – kommt also nicht für uns in Frage.
    c) Rohstoffe für die Bio-Folie sollten im Anbau nicht in Konkurrenz zu Lebensmitteln stehen. Demnach kommen für uns auch die alternativen Maisfolien nicht in Frage.
    d) die Alternative Cellophanfolien aus Holz sind von unserer Philosophie her die Biofolien, die wir gerne einsetzen würden, da sie nicht in Konkurrenz mit Lebensmitteln stehen. Leider ist derzeit bei unseren Produkten in Kombination mit unseren Abpackmaschinen noch keine Cellophanfolie als wirklich maschinengängig bei den Testabpackungen aufgefallen; da unsere Füllmengen oft sehr hoch sind: 250g/500g/750g fällt hier ein enormes Gewicht auf die warme Bodensiegelnaht und da die Cellulosefolie keine hohe Siegelfähigkeit hat, bleiben die Siegelnähte hier nicht dicht. Oder die Folie verläuft auf der Maschine und löst Störungen aus, da sie sehr empfindlich auf Luftfeuchtigkeit reagiert=> da Holzbasisstoff=“ Naturprodukt“; das ist bei Kunststofffolien besser.
    Unser Beitrag zur Nachhaltigkeit tragen wir auch aktuell darin, dass wir, wo es bei beibehaltender Qualität möglich ist, mit weniger Material verpacken. Mehrere Folien wurden in der Dicke verringert, also Material eingespart und so wiederum weniger Kunststofffolie eingesetzt. Seien Sie versichert, wir arbeiten und testen im Bereich Biofolien weiter bis wir fündig werden. Das ist uns ehrlich ein großes Anliegen.
    Ich hoffe ich habe Ihnen mit meiner Antwort einen guten Einblick in die Thematik Verpackung gegeben, die leider sehr komplex ist. Ich versichere Ihnen aber, dass wir uns der Herausforderung stellen und weiterhin an einer umweltfreundlichen Alternative zu Kunststoff arbeiten.“

    Ich fand die Rückmeldungen interessant.
    Hier in Berlin gibt es zwar einige Märkte, aber das Einkaufen im OU (Original unverpackt) zum Beispiel ist ziemlich kostspielig – den Verpackungspreis zahlt man (wenn man vergleicht) trotzdem mit, was mir unverständlich ist. Das Projekt Zero-Waste erfordert Kompromisse – aber ich bin guten Mutes, dass das Projekt viele weitere Mitstreiter_innen finden wird!!
    Ich bin gespannt auf den weiteren Austausch!

    Dir schon mal vielen Dank für jeden Post!! Und ein genussvolles Wochenende!!
    Liebe Grüße,
    Georgia

  10. 15. April 2016 @ 9:47 Li-Ming

    Sehr gut! Die Verpackungsfrei-Bewegung wächst. Zu der Fassbutter: mein Käsestand verkauft nicht lose, weil die Leute dann weniger als 250g kaufen. Gesetzlich gibt es keine Regeln dagegen, Sachen in mitgebrachtes zu verpacken. Und viel ist auch mit der Zeit verhandelbar: in meiner Gegend sind meine Lieblingsläden schon sensibilisiert und die Verkäufer erzählen, dass immer mehr Kunden ihre eigenen Verpackungen mitbringen. Wer in einer kleinen Stadt wohnt und Nudel liebt, der braucht auch nicht verzagen. Die lassen sich ganz leicht selbst machen, sogar auf Vorrat.


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