Der Psoas ist ein wichtiger Muskel, der eng mit deiner Gefühlswelt verknüpft ist.

Der Psoas: Was dieser Muskel mit deinen Gefühlen zu tun hat

Eines der Dinge, die mich am Yoga so sehr begeistern, ist, dass es so viel zu entdecken und lernen gibt. So viele verschiedene Asanas, ihre ganzen Variationen, Pranayama, Mudras, Bandhas… Ach, die Liste lässt sich einfach gefühlt endlos fortsetzen. Seit meinem letzten Training bin ich total fasziniert von den verschiedenen Facetten der menschlichen Anatomie, mit der ich mich vorher noch nie so ausführlich auseinandergesetzt hatte. Heute möchte ich dir mal den Psoas-Muskel etwas näher vorstellen. Falls du ihn noch nicht kennst bzw. noch nicht viel über ihn weißt: Gar nicht schlimm, ging mir lange Zeit auch so.

Und wer hat ihn entdeckt? Mein TCM-Arzt!

Doch jetzt, wo ich etwas mehr über ihn weiß, finde ich es eigentlich eine Schande, dass ihm so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Selbst in meiner Yogalehrer-Ausbildung wurde er komplett ignoriert. Okay, der Anatomie-Teil hielt sich (paradoxerweise) auch sehr in Grenzen. Das erste Mal so richtig Bekanntschaft mit meinem Psoas machte ich bei einem Besuch bei meinem TCM-Arzt (Traditionelle Chinesische Medizin) vor einigen Jahren.

Wegen unerklärlichen Unterleibsschmerzen hatte ich ihn aufgesucht, nachdem die Gynäkologin keine Ursachen für die Schmerzen finden konnte. Der von mir hochgeschätzte Dr. Lan hat sich kurz erzählen lassen was Sache ist, ein paar Mal auf meinem Körper rumgedrückt und mir dann die erste Akupunkturnadel zielsicher genau in den Psoas gesetzt. Noch jetzt beim Schreiben, viele Jahre später, kann ich mich gut an den Schmerz erinnern (wer behauptet, dass Akupunktur überhaupt nie weh tut oder unangenehm ist, der lügt übrigens).

Wochenlang hatte ich mich also mit Schmerzen rumgeplagt, hatte meine Lebenserwartung gedanklich aufgrund von diversen Suchmaschinen-Anfragen schon dramatisch reduziert und dann sowas: Grund für die Schmerzen war einzig und allein eine Verspannung im Psoas-Muskel. Nach einigen Akupunktur- und Massagebehandlungen war mein Unterleib wieder ganz und gar der Alte und meine Neugier auf diesen mysteriösen Muskel verständlicherweise geweckt.

Aber wo genau versteckt sich dieser Muskel jetzt eigentlich?

Wie du jetzt schon erahnen kannst: Ja, er liegt im Unterleib. Ganz tief drinnen im Bauch. Doch nicht nur das. Vielmehr ist der Psoas ein Hüftbeuger und zwar ein ganz wichtiger. Er ist der einzige, der unsere Wirbelsäule direkt mit den Beinen verbindet. Der Psoas beginnt am letzten unteren Brustwirbel und ist auch mit jedem der 5 Lendenwirbel verbunden. Von dort zieht er dann durch den Unterbach und das Becken bis zum oberen Teil unseres Oberschenkelknochens. Jedesmal, wenn du dein Bein nach vorne bewegst, ist der Posas daran beteiligt. Er ist übrigens auch einer der tiefliegendsten Muskeln die wir haben und beeinflusst dadurch halt auch die im Unterbauch liegenden Organe wie beispielsweise den Darm.

Vieles (berufliches) Sitzen oder auch „Beinsportarten“ wie Fußball, Fahrradfahren etc. können zu einer Verkürzung und Verspannungen des Psoas führen. Und das wiederum kann dann zu einer der Volkskrankheiten schlechthin führen: Rückenschmerzen! Da kann doch wahrscheinlich fast jeder von uns ein Liedchen von trällern. Falls du also öfters mal Schmerzen im unteren Rückenbereich hast, könnte der Psoas tatsächlich mit dafür verantwortlich sein.

Der Psoas: Was dieser wichtige Muskel mit deinen Rückenschmerzen und deiner Gefühlswelt zu tun hat

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Auch die Schlafposition kann diesen Muskel übrigens stark beeinflussen

Ich selbst schlafe zum Beispiel liebend gern in der „Fötus-Haltung“, also Beine schön angewinkelt, als würde ich noch im Mutterleib rumdümpeln. Aber auch diese Position ist, wie du dir jetzt vielleicht vorstellen kannst, nicht unbedingt die Lieblings-Position unseres Psoas. Auch hier ist er kontraktiert und nicht entspannt. Die beste Schlafposition soll übrigens Shavasana sein, aber dazu später mehr.

Der Psoas ist darüber hinaus auch ultra empfindlich, was Emotionen angeht. Das liegt hauptsächlich auch daran, dass er über die Faszien direkt mit dem Zwerchfell verbunden ist. Das Zwerchfell ist der Muskel (oder genauer gesagt, eine „Muskel-Sehnen-Platte“), die Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt. Dazu ist es unser wichtigster Atemmuskel, der sich bei jedem Atemzug kontrahiert (Einatmung) bzw. wieder entspannt (Ausatmung).

Der „Fight-or-Flight“-Muskel

Doch nicht nur beim Atmen wird das Zwerchfell aktiv, sondern auch, wenn wir beispielsweise unter Stress stehen oder Angst haben. Das kennst du doch sicher auch wenn du Angst hast und erstmal vor Schreck einatmest. Schon ist dein Zwerchfell kontrahiert und dadurch wird auch dein Psoas aktiviert. Vielleicht hast du auch schonmal vom „Fight-or-Flight“-Modus gehört. Das stammt noch aus der Zeit, in der unsere Vorfahren hauptsächlich als Jäger und Sammler auf Achse waren. Damals war es besonders wichtig, im Falle einer Gefahr schnell zu reagieren und sich schnellstmöglich aus dem Staub zu machen. Der Psoas wurde also quasi im Moment des ersten Schrecks schon aktiv und hat sich darauf eingestellt, dass bald schnell gerannt werden muss. Ganz schön clever unser Körper, nicht wahr?

Was kannst du nun also tun, um den Psoas zu entspannen und seine Aktivität in Balance zu halten? Wichtig sind vor allem Asanas, die die Vorderseite deines Körpers dehnen. Wenn du schon mit Yin Yoga Erfahrung hast, dann kannst du zum Beispiel besonders Asanas wie „Saddle“ oder „Half Saddle“, „Swan“ (gleich wie die Pigeon Pose im Hatha Yoga), „Seal“, „Sphinx“ oder die „Supported Bridge Pose“ mit in deine Routine einbauen. Für die aktivere Asana-Praxis sind Posen wie der heraufschauende Hund, das „Kamel“ oder auch die Pigeon Pose super geeignet, um deine Hüftbeugermuskulatur mal wieder richtig durchzudehnen.

Wie oben schon angedeutet, kannst du auch im Schlaf dazu beitragen, deiner Muskulatur rund um die Hüfte ein wenig mehr Entspannung zu bieten. Tatsächlich soll Shavasana eine der besten Schlafpositionen überhaupt sein. Am besten auch noch ohne Kissen. Hört sich erstmal furchtbar an, oder? Ich bin gerade auch noch dabei, den Selbstversuch durchzuführen und muss gestehen, dass es mir nicht immer geliegt auch tatsächlich so einzuschlafen. Dazu drehe ich mich auch noch super viel. Aber zumindest schaffe ich es inzwischen die Beine nicht mehr so sehr anzuwinkeln, dass die Knie fast die Nasenspitze berühren. Auch schon eine Verbesserung ;-)

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Dein Psoas ist ein wichtiger Muskel, der mit deinem Zwerchfell verbunden ist. Was das wiederum mit deiner Atmung und somit mit deiner Gefühlswelt zu tun hat, kannst du bei uns nachlesen.
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Happy Mind Magazine
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Jasmin ist Yogalehrerin für Kinder und Erwachsene und lebt nun schon seit einigen Jahren in Asien. Sie träumt davon, irgendwann ein kleines Retreat (am liebsten am Meer) zu eröffnen, wo sie die Menschen mit Yoga, Massagen, Reiki und veganem Essen verwöhnen kann. Sie unterstützt Christina hier beim Happy Mind Mag hinter den Kulissen.


'Der Psoas: Was dieser Muskel mit deinen Gefühlen zu tun hat' have 4 comments

  1. 16. Mai 2018 @ 9:47 Christina Waschkies

    Danke dir, liebe Marina!

  2. 4. Mai 2018 @ 9:47 Marina Krieger

    Vielen Dank für den superinteressanten Artikel. Ich liebe diese Zusammenhänge zu wissen und zu verstehen. Ich bin gerade so richtig dabei mich und mein Leben aufzumöbeln :-) Yoga habe ich seit einem Jahr für mich entdeckt und schon mega Fortschritte gemacht, obwohlich manchmal noch eine ganze Woche zwischen den Einheiten auslasse. Ich finde deine Seite super inspirierend.
    Liebe Grüße
    Marina

  3. 13. April 2018 @ 9:47 Jasmin

    Liebe Anke,
    es ist doch unglaublich, was dieser Muskel alles anrichten kann, oder? Umso besser, dass man ihm bei uns auf die Schliche gekommen ist ;-) Und tatsächlich ist es so, dass man mit wenigen, simplen Übungen so viel bewirken kann! Bei mir helfen die Übungen am besten, wenn ich sie yin-like ausübe, also möglichst lange ganz statisch halten. Sphinx oder auch den Schwan (Pigeon) mache ich auch oft, wenn ich lese oder am Laptop arbeite ;-) Freue mich, dass dir der Artikel gefällt <3 Ganz liebe Grüße, Jasmin

  4. 5. April 2018 @ 9:47 Anke

    Ich kann Jasmin’s Bericht nur bestätigen. Ich leide selbst seit Jahren unter Rücken- und Hüftschmerzen, war immer wieder bei Physiotherapeuten welche mir immer nur kurzfristig helfen konnten. Bis ich bei einem Physiotherapeuten mit Ostheopatie gelandet bin. Nach einem langen Gespräch und einigen Bewegungsabläufen die er genau beobachtete meinte er das mein Psoas verkürzt sei. Mit geübtem Griff fand er den Übeltäter, was für ein Schmerz. …. Wahnsinn…. Auch ich praktiziere Yoga und bin sehr dankbar für diesen Bericht denn nun weiß ich welche Übungen ich in meine Praxis einbauen kann. Vielen Dank dafür 💕


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