Santosha: Der nächste Schritt in Richtung Freiheit

Auf den meisten Menschen lastet ein unglaublicher Druck

Dieser kommt manchmal von außen. Oftmals ist er aber auch hausgemacht und völlig unnötig. Sei es, dass wir uns privat nicht in gesundem Maße wertschätzen, oder im beruflichen Alltag ständig unter Anspannung stehen. Ich möchte in diesem Artikel besonders das Berufsbild des Yogalehrers, in der heutigen Zeit, etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Das gängige Klischee scheint immer noch zu sein, dass man als Yogalehrer sein „Hobby“ zum Beruf gemacht hat. Da man mit der yogischen Philosophie so vertraut ist, lebt man Tag ein Tag aus im Frieden mit sich und der Welt. Es ist nicht so! Letzlich ist das Unterrichten zwar etwas, was für die meisten extrem erfüllend ist, aber es ist eben auch ein Job. Und diesen Job versucht jeder so gut es eben geht zu machen.

Jeder Yogalehrer möchte, bewusst oder unbewusst, einen Teil dazu beitragen die Welt ein bisschen heller, schöner und freundlicher zu gestalten. Menschen sind von Natur aus skeptisch und Meister im Bewerten. Was da bewertet ist unser Ego, nicht das wahre Selbst. Das Wetter ist gut, das Wetter ist schlecht. Der Yogalehrer ist gut, der Yogalehrer ist schlecht. Die Frage ist aber, ist der Yogalehrer dann wirklich schlecht, in dem Sinne, dass er fachlich nicht kompetent genug ist, oder kann es vielleicht auch sein, dass etwas im Schüler angepiekst wurde, was dann letztlich zu dieser Bewertung führt?

Als Lehrer ist man Projektionsfläche

Bei den Schülern kommen Gefühle und Gedanken, die dann automatisch auf den Lehrer übertragen werden. Ein Beispiel: „Der Unterricht ist langweilig, deswegen gehe ich lieber zu einem anderen Lehrer.“ Die Auswahl ist ja groß genug, zumindest in Berlin. Und so geht man immer wieder dem Gefühl der Langeweile aus dem Weg. Langeweile gehört zum Menschsein aber genauso dazu wie Abenteuer. Meine Erfahrung ist sogar, wenn man diese sogenannte Langeweile mal für eine Weile zulässt, öffnen sich komplett neue Dimensionen des eigenen Wesens. Und das ist es doch, worum es beim Yoga geht. Jeder ist anders und so spüren andere keine Langeweile, sondern eine zu große Herausforderung. Dann könnte man eine Pause machen und sehen, dass man mit jedem Mal etwas weiter kommt und an der Herausforderung sogar wächst. Stattdessen wird nach der Klasse oft getuschelt, oder dem Lehrer ins Gesicht gesagt, dass es ja mal wieder viel zu anstregend war.

Die Yogaphilosohie empfiehlt uns in Hinsicht auf Befreiung, weniger zu bewerten und stattdessen die Dinge so hinzunehmen, wie das Universum sie uns offenbart. Der Begriff Santosha ist Sanskrit und bedeutet Zufriedenheit. Laut Yogameister B.K.S Iyengar sind Ruhe und Zufriedenheit Zustände des Geistes. In seinem Werk „Licht auf Yoga“ schreibt er, dass diese Qualitäten erreicht werden, wenn die Flamme des Geistes nicht im Wind der Begierden hin und her schwankt. Auch das ist eine Übung.

Wir können uns darin Üben die Menschen sein zu lassen und zu schauen, was wir von ihnen lernen können. Es gibt IMMER etwas zu lernen. Statt Fehler zu suchen, könnten wir nach dem Guten Ausschau halten. Und das führt ohne jeden Zweifel zu mehr Zufriedenheit und Freiheit.

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Sandra Winkens lebt und arbeitet in Berlin als Yogalehrerin. Sie unterrichtet einen fließenden Vinyasa Stil, der den Fokus auf Regeneration, Heilung und Stärkung legt. Eigene Erfahrungen aus verschiedenen Traditionen, finden sich in ihrem Unterricht wieder. Mit ihrer Kollegin Nicole Herrmann hat sie gerade Holistic Yoga Retreats Berlin gegründet. Es finden europaweit Reisen statt , die Menschen eine tiefere Yoga-Erfahrung ermöglichen. Noch mehr über Sandra erfährst du auf ihrem Blog, bei Facebook und Instagram.


'Santosha: Der nächste Schritt in Richtung Freiheit' have 2 comments

  1. 2. März 2015 @ 9:47 sandra winkens

    Liebe Daniela, danke für deine Gedanken dazu ~ Sicher gilt das was ich geschrieben habe eher für einen kleinen Prozentsatz, die meisten sind ja erfreulicherweise sehr offen und neugierig. Genauso wie du, wünsche ich mir in dem Bereich mehr Ehrlichkeit, Leichtigkeit und weniger Perfektionismus…. :-) Alles Liebe, Sandra

  2. 26. Februar 2015 @ 9:47 Daniela

    und wie all die irgendwie *vorne* stehen (ich als Seminarleiter) … haben wir das *ganz normale Leben* um uns .. und mit der Tätigkeit wo wir scheinbar das Hobby zum Beruf machen und die Berufung leben, kommt noch ganz viel anderes dazu, das Leben des (Klein)Unternehmers .. der für sich sorgen muss, das Business am Laufen halten usw.

    Das bringt manchmal ganz schön viel Bullshit ins Leben – und viel zu oft wird darüber ehrlich gesprochen, allesamt.

    Umso mehr sage ich dir DANKE für deine klaren und ehrlichen Worte.

    Mit SonnenGrüßen aus den Tiroler Bergen … Daniela


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