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Marshall B. Rosenberg "Gewaltfreie Kommunikation"

Streitkultur: Zoffen, aber mit Stil!

Neulich haben mein Mann und ich uns gezofft. Und es ging um etwas wirklich Dramatisches:

Eine Schranktür, die nicht richtig schließt.

Mein Mann werkelte zu später Stunde in gedämpftem Licht daran herum und wurde immer ungeduldiger. Irgendwann fluchte er und knallte die Schranktür lautstark zu, ohne sie repariert zu haben. Ich lag derweil schwanger wie ein Walross im Bett und war schon im Schlummermodus. Seine Energie, die zu mir rüberschwappte, machte mich richtig fuchsig. Plötzlich lag ich hellwach da und die Adrenalinpumpe war an. Ich wollte von ihm eine Rückversicherung, dass er sich am Wochenende darum kümmern würde. Er wollte nichts mehr von dem Schrank oder Diskussionen über genau diesen wissen.

Meine Nacht verlief, um es kurz zu sagen, furchtbar.

Ich schlief schlecht, war wütend und enttäuscht, dass er mir nicht versprechen konnte, sich um das lästige Teil zu einem besseren Zeitpunkt zu kümmern.

Am nächsten Morgen war die Laune bei mir nicht besser. Ich begrüßte ihn muffig mit dem Schrankthema, als er gerade die Augen aufschlug. Er ging nicht sofort geduldig auf mich ein, sondern fing an zu diskutieren. Da riss mir die Hutschnur. Endlich hatte ich eine Projektionsfläche für meine schlaflose Nacht voller Ärger gefunden! Ich warf ihm wutentbrannt ein Kissen hinterher (immerhin war es kein Wasserglas) als er aufstand, um Kaffee zu machen, verziert mit einem Schwall von Vorwürfen.

Nicht mein feinster Moment. 

Der „Streit“ zog sich noch einen ganzen Tag hin, bis wir am Abend telefonierten und rauskam, dass ich seit Wochen das Gefühl habe, mich allein um alles in Sachen Baby kümmern zu müssen.

Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus, Besuche beim Gynäkologen, Anmeldungen im Krankenhaus, Geburtsvorbereitungskurse, Meditationskurse, Schwangerenpilates und Kundalini Yoga. Zwischendurch Flohmarkt, um das Baby öko und fair und ohne Plastik einzukleiden. Und dann diese Müdigkeit!

Müde war ich auch, als wir endlich geklärt hatten, warum zum Himmel ich so unglaublich wütend wurde, nur weil er und die Schranktür einen Disput hatten. Weil er mir nicht sofort zusagen konnte, sich darum zu kümmern, fühlte ich mich – zu all den Aufgaben – auch noch mit dem blöden Schrank komplett alleingelassen. Aber klar, der liebe Husband muss ja auch jeden Tag ins Büro und ich bin nun mal die schwangere Freelancerin, die gerade das Baby austrägt und sich die Zeit frei einteilen kann.

Dann kam die große Erkenntnis, dass ich knappe 24 Stunden meines Lebens damit vergeudet hatte, wie der Grinch who stole Christmas zu Hause zu sitzen und mir meine Zeit schwer zu machen.

Puh, wann lernen wir endlich, uns mit Stil zu zoffen? 

Mir kommt immer die Wut in die Quere. Ich werde einfach sauer. Und fange dann an, nicht nur meinem Gegenüber verbale Gewalt anzutun (a.k.a. Vorwürfe, Belehrungen, Kritik), sondern letztendlich auch mir selbst, in dem ich mir meinen Tag nachhaltig versaue. Ist es alles nur eine Frage von Recht haben und Macht ausüben wollen? Oder was genau passiert da?

„Die Antwort auf die Frage nach der Ursache von Gewalt liegt in der Art und Weise, wie wir gelernt haben zu denken, zu kommunizieren und mit Macht umzugehen.“

– Marshall B. Rosenberg

Auch klar, dass ich mir meine Streitkultur gern noch mal ein wenig anschauen möchte, bevor ich Mama werde.

Noch ein paar Learnings in Sachen Streit:

  • Schweigen ist ein No Go. Mit Schweigen abstrafen bedeutet, dass ich mich aus der Situation rausnehme und dem anderen die Chance verwehre, mich zu verstehen oder Klärung zu erlangen.
  • Laut werden ist auch ein No-Go. Niemand hört einer hysterisch keifenden Person gern zu. Ruhig vorgetragene Belange kommen viel besser an.
  • Kritisieren und anklagen ist doof. Besser: Erklären, wie man sich fühlt.
  • Interpretationen, Bewertungen und Unterstellungen gehen uns im Zoff leicht von den Lippen, machen unser Gegenüber aber nur noch aggressiver. Schon hat man sich hochgeschaukelt und alles artet in einen handfesten 24 Stunden Streit aus.

So, das ist die Theorie. Nun möchte ich es nur noch in die Praxis umsetzen. Zum Glück hab ich einen rechtlich an mich gebundenen Gatten, mit dem ich üben kann.

Hier gibt’s noch ein paar weitere Tipps, wie man sich mit Stil zoffen kann. Sehr zu empfehlen finde ich auch den Klassiker „Gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg. Definitiv ein Thema, das ich mir noch mal genauer anschauen möchte.

Wie läuft das bei dir ab? Hast du über die Jahre gelernt, eine zivile Streitkultur zu etablieren? Schaffst du es, tief durchzuatmen, bevor du losplärrst? Hinterlass mir gern einen Kommentar, ich freu mich wenn du deine Erfahrungen teilst.

Christina xx

 

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'Streitkultur: Zoffen, aber mit Stil!' have 2 comments

  1. 11. April 2017 @ 9:47 Kat

    Ich finde die Kommunikation gar nicht so schwierig, wenn man erst einmal weiß, wo der Schuh drückt. Aber mir geht es oft so, dass ich irgendwie schon merke, dass mir irgendwas nicht passt. Ich kann dann aber gar nicht so genau benennen was es ist. Und dafür muss ich dann schon manchmal vor mich hingrummeln, bis mir ein Licht aufgeht… In der Zeitspanne hat es sich für mich schon als nützlich erwiesen „einfach mal die Klappe zu halten“, damit nicht andere Dinge für das Problem herhalten müssen.

  2. 16. Mai 2016 @ 9:47 Caroline Winning

    Liebe Christina,

    ich habe mich in den letzten Jahren ganz intensiv mit der Gewaltfreien Kommunikation befasst und empfinde sie als die größte Bereicherung in meinem Leben. Sie hat im Innen und im Außen ordentlich bei mir aufgeräumt und in Situationen, welche du beschreibst, ist sie ein grandioser Helfer geworden! Statt 24h zu grummeln und sich den Tag zu verderben, schau ich mit der GFK im jeweiligen Moment genau hin, was es ist, dass ich brauche und was dazu geführt hat, dass ich wütend, sauer, traurig, beschämt etc. werde. Wenn du in Berlin wärst, könnten wir uns treffen und ich teile mit mir dir mal, wie ich in solchen Situationen mittlerweile reagiere (nicht immer wohlgemerkt, aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel ;)). Aber vielleicht skypen oder telefonieren wir mal – dank Technologie besteht ja praktisch keine Distanz zwischen Hamburg und Berlin :)

    Ganz liebe Grüße! Caroline


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