fbpx
Ich habe aufgehört, Yoga zu unterrichten. Warum, erfährst du hier.

Warum ich kein Yoga mehr unterrichte

Als ich noch Vollzeit-Yogischüler war und jede Woche viele, viele Male ins Yogastudio getingelt bin, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als Yogalehrerin zu sein. Mir ausgemalt, wie ich mit einem seligen Lächeln morgens um 5 aus dem Bett hüpfe um mit einem green Smoothie in der Hand auf mein Rad zu steigen und dem Sonnenaufgang entgegenzustrampeln – und zwar zu meiner Early Bird Klasse voller wundervoller Yogis, die sich nichts Schöneres vorstellen können, als unter meiner Anleitung mit ein paar anstrengenden Asanas in den Tag zu starten.

Stell die Uhr jetzt ein Jahr vor und obige Situation ist eingetreten – nur leider im totalen Gegenteil. Ich fluche, wenn der Wecker am Montag morgen um 6 Uhr geht und ich aufstehen muss. Da ist nichts mit Meditation oder „Morning Practice“ – nur der eine Gedanke: FUCK. Fuck, Fuck, Fuck. Warum hab ich nur zu dieser Klasse ja gesagt?

Ich vermisse es, Schüler zu sein

Warum? Zero Verantwortung. Einfach hingehen, OM singen, bewegen, genießen, nach Hause gehen, freuen. Bringt eine Riesenportion Einfachheit mit sich. Im Gegensatz zu heute, wo ich mehrmals die Woche vor Stress fast kollabiere, weil ich die Yogaklasse für den nächsten Tag

  • A) noch zusammenstellen muss
  • B) noch selber üben muss und
  • C) mich am Ende in der Klasse selbst überhaupt nicht mehr an mein Konzept erinnere und dann doch alles anders kommt, und zwar mit einer unglaublichen Verlässlichkeit.

Hört sich sexy an? Nach #yogaeverydamnday? Nein. Also ja, Yoga jeden Tag natürlich schon. Aber halt nicht mehr freiwillig, sondern mit, naja, etwas mehr Druck als vorher. Und wenn du gerade ernsthaft am Überlegen bist, ob du eine Ausbildung machen solltest, lass es dir gesagt sein: Yogalehrer sein ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Überleg es dir genau, denn sobald du dein Teachertraining absolviert hast gibt es kein Zurück mehr. Nie wieder nur Schüler.

Versteh mich hier nicht falsch: Ich liebe es, zu unterrichten

Es macht einfach Riesenspaß! Zu merken, dass das was man da vorne mit Inbrunst und Überzeugung schwafelt, tatsächlich bei den Schülern ankommt. Die Gedanken, die man sich zum Leben macht, weitergeben zu können. Körperspannung und Entspannung zu schaffen. Jemanden in einen Handstand zu bringen, der danach vor Euphorie seinen eigenen Namen nicht mehr weiß. Mit ultraschlechter Laune, voller Selbstzweifel und der Überzeugung, ein mieser Yogalehrer zu sein in eine Klasse zu gehen und den Schalter in dem Moment umzulegen, wenn das Eröffnungs-OM gesungen wird. Zu merken, dass Ego-Gedanken nur Quatsch sind und sich wieder mit seinem Gefühl zu verbinden, mit dem innersten Guide, mit der Stimme, die mich damals zum Yoga gebracht hat. Mich aus meiner Komfortzone zu bewegen. Laut vor mehr als drei Menschen zu sprechen denn, oh ja, das war vor einem Jahr noch Punkt 1 auf meiner Liste von Situationen, in die ich niemals geraten wollte.

Du siehst: Es hat eine Menge bewegt.

Eigentlich alles davon positiv – von wegen Komfortzone verlassen und so. Und trotzdem höre ich nicht auf mich selbst zu fragen: Bringe ich genug mit, um zu lehren? Anderen Dinge beizubringen? Ist es nicht total vermessen von mir, zu denken, ich könnte Yogalehrerin sein? Und beantworte mir diese Frage auch jeden Tag anders. Mal mit Ja, mal mit Nein. Ganz nach Tagesform eben.

Letztens hätte ich fast schon wieder den gleichen Fehler gemacht. Ich praktiziere schon lange mit Leidenschaft Kundalini Yoga. Und zwar so gerne, dass ich das letzte  Jahr über jeden Tag darüber nachgedacht habe, eine Ausbildung zu machen. Mir alles mögliche angesehen. Mit Leuten darüber gesprochen. Mir Infos eingeholt. Und dann, erst kürzlich, beschlossen: Nein. Ich möchte Kundalini Schülerin sein. Und zwar für noch eine lange, lange Zeit. Jeden Tag meine Kriyas zu Hause üben. Mir neue Kriyas von befreundeten Kundalini Lehrern geben lassen. Mich entspannen in der Null-Verantwortungs-Zone, die du als Schüler hast. Die einzige Verantwortung ist, weiterzumachen. Zu üben. Zu genießen, ohne Druck.

Also.

Wenn ich nächste Woche alles hinschmeiße, nimm es mir nicht übel. Dann hat das Ego wahrscheinlich etwas zu laut gebrüllt. Und wenn ich noch 50 Jahre Yoga unterrichte, dann freu dich einfach mit mir. Das heißt dann wahrscheinlich, dass ich mein Ego nicht für voll genommen habe.

Kleines Update: Ich hab mittlerweile aufgehört, zu unterrichten. Wie es dazu kam, kannst du hier sehen:

Weiterführende Lektüre: Wenn auch du eine kleine Yoga Hass-Liebe am Laufen hast, dann kann ich dir dieses Buch sehr ans Herz legen: I Hate Yoga: And Why You’ll Hate to Love It Too von Paul McQuillan nimmt das ganze Thema nämlich mal von der anderen Seite unter die Lupe und ist superwitzig geschrieben. Wenn auch du öfter mal mit der Yogawelt haderst, dann ist es die Must-Read-Lektüre für dich. Und also check this out: Die zehn häufigsten Fehler von Yogalehrern von Tobi Frank auf Thaiyoga.de

Ich habe aufgehört, Yoga zu unterrichten. Warum, erfährst du hier. #yogalehrer #yoga

Pin mich auf Pinterest!

Willst du Glückspost von mir?

Liebe Christina, bitte sende mir wöchentlich und jederzeit widerruflich deine schönsten Inspirationen, Rezepte, Neuigkeiten, Infos und Angebote zu Yoga, Ayurveda und Meditation per Email zu.


Hinweise zum Newsletterversand, der Auswertung und Datenerhebung mit meinem Anbieter ConvertKit findest du in meiner Datenschutzerklärung. Mehr Infos zum Newsletter findest du hier.

Deine Daten werden ausschließlich zum Newsletter Versand verwendet. Powered by ConvertKit

Christina ist Mama, Yogini und Full-Time-Bloggerin. Sie praktiziert Yoga seit vielen Jahren mit großer Freude und findet, dass Spiritualität eine sehr persönliche Angelegenheit ist: Jeder lebt sie ein bisschen anders! Nebenbei designt Christina liebevolle yogische Geschenksets sowie spirituellen Schmuck, den du in ihrem HAPPY MIND SHOP kaufen kannst. Privat mag Christina das Übliche: Zeit mit ihrer Tochter und ihrem Mann verbringen, gutes Essen, Filme, Musik, Reisen und einen netten Umgang miteinander. Schreib eine Mail an Christina. Oder sag hallo auf Google+


'Warum ich kein Yoga mehr unterrichte' have 13 comments

  1. 26. Januar 2018 @ 9:47 Tanja

    Liebe Christina,
    Dein Artikel ist zwar schon etwas älter, aber ich danke Dir sehr dafür.
    Ich bin nun seit mehr als 5 Jahren Yogini und liebe das Yoga, einige meiner Lehrer und auch einige Mityogis fragen mich immer wieder, warum ich denn nicht unterrichte. Ich würde den entsprechenden Spirit mitbringen, der Freude auf das Mitmachen macht. Ja, ich denke ich bin eine ganz gute Schülerin, parktiziere nicht jeden Tag, bringe mir auch viel Autodidakt bei und überlege nun seit geraumer Zeit auch ernsthaft eine Ausbildung zur Yogalehrerin zu machen. Ich bedanke mich für Deine Sichtweise, und es kann gut sein, dass es einem die Leichtigkeit nimmt. Natürlich hört es sich erstmal toll an. Aber es bedarf doch auch eingier Arbeit. Dann denke ich mir, mach doch erstmal die Ausbildung und lass ich dann treiben. Jedoch denke ich auch wenn man nicht gleich zu unterrichten beginnt, ist das auch nicht sinnvoll. Weiter habe ich einen einigermaßen gut bezahlten Job. Diesen dann sausen lassen? Wieviel verdiene ich denn überhaupt mit dem Yoga? In München stellt sich hier dann tatsächlich die Frage, ob ich mir es leisten könnte, meinen Normalo-Job an den Nagel zu hängen und mich nur noch dem Yoga hinzugeben. Ich werde nochmal tief in mich gehen und Danke Dir vielmals :)
    Liebe Grüße, Tanja (Instagram: @blacksoulyoga)

  2. 4. März 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Ich hab sofort angefangen zu unterrichten – was für mein Verständnis total Sinn macht.
    Vielleicht ist der Job Yogalehrer auch ganz schlicht und einfach nicht für jeden geeignet. :D
    Liebe Grüße
    Christina

  3. 3. März 2016 @ 9:47 Ravi Inder Singh

    Namasté,
    vielleicht hat dir die Verbindung im Austausch zu einem Yogaleher (m) gefehlt. Der sieht es naturgemäß anders und fühlt es dementsprechend auch. Dann stellt sich mir die Frage, wie lange hast du nach „deiner Ausbildung“ praktizierst hast, bevor du angefangen hast zu unterrichten?
    Alles Gute mit dem Baby
    SatNam

  4. 19. April 2015 @ 9:47 Stefanie

    Liebe Christina,
    ich kann dich so gut verstehen. Mir geht es oft ähnlich wie dir. Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich seit ich meine Ausbildung zur Yogalehrerin abgeschlossen habe, nicht mehr einfach Schülerin bin, sondern mir in Gedanken Notizen mache, wie „diesen Flow könnte ich auch mal unterrichten.“
    Aber trotzdem finde ich es toll zu unterrichten, es gibt eben kein zurück mehr – oder doch?
    Liebe Grüße, Stefanie

  5. 19. April 2015 @ 9:47 11 Vorurteile über Yogalehrer - neugeistig

    […] Artikel über die inneren Widerstände und Gedanken eines Yogalehrers dazu beim Happy Mind Magazin: Warum ich alle zwei Tage meinen Yogalehrer Job an den Nagel hängen will. Typisch in diesem Zusammenhang sind auch Aussagen wie: “Toll, dann bewegst du dich ja jeden […]

  6. 17. April 2015 @ 9:47 Svenja

    Liebe Christine,
    du sprichst mir gerade aus der Seele. Ich bin seit einer Woche hauptberuflich Yogalehrerin weil ich meinen Bürojob an den Nagel gehängt habe um mich so voll und ganz meiner Leidenschaft, dem Yoga, zu widmen.
    Die erste Woche mit vielen, vielen Yogakursen und Muskelkater ist vorbei (Ich war drei Monate auf Reisen und dort ist leider das Yoga etwas zu kurz gekommen) und ich ertappe mich jetzt schon dabei wie ich darüber nachdenker wie schön es war Schüler zu sein.
    Nichtsdestotrotz werde ich nach meiner ersten Woche noch nicht aufgeben, dazu liebe ich meine neuen Job gleichzeitig viel zu sehr :-) Danke dir für deine ehrlichen Worte. Liebe Grüße, Svenja

  7. 16. April 2015 @ 9:47 Julia

    Liebe Christina,

    Danke für diesen Artikel…seit 2 Jahren unterrichte ich in meinem eigenen Studio und komme so selten dazu, auch mal nur Schüler zu sein. Und wenn ich dann mal eine Klasse besuche, ist ein Teil von meinem Gehirn ständig dabei, Abfolgen, Worte und die Dinge, die mir sehr gefallen, abzuspeichern…. echt nix mehr mit Abschalten, Durchführen lassen. Loslassen und Spüren…
    Aber natürlich auch unglaublich schöne Momente, wenn du zufriedene, glückliche und entspannte Menschen ins Shavasana führst…
    Danke dir für die Zeilen…
    von Herzen
    Julia

  8. 14. April 2015 @ 9:47 Christina

    oh wie lieb. :) Danke Natascha.

  9. 14. April 2015 @ 9:47 Natascha

    Danke für einen weiteren total tollen Artikel der mir aus der Seele spricht:-)
    Bleib so wie du bist!!

  10. 14. April 2015 @ 9:47 Christina

    Liebe Daniela,

    danke für deinen Kommentar, UND vor allem für das Taggen auf Insta! Bereite gerade alles vor :) Viele liebe Grüße, Christina

  11. 14. April 2015 @ 9:47 Christina

    Liebe Nicole, ich freu mich ganz doll über deinen Kommentar. Total lieb von dir. Und juhu, komm gerne vorbei! Wundere dich nur nicht, wenn ich vielleicht ein bisschen aufgeregt bin, dich zu unterrichten. Das hab ich komischerweise immer, wenn erfahrene Yogilehrerinnnen bei meiner KLasse anwesend sind :D Ich drück dich! Big smooch! Christina

  12. 14. April 2015 @ 9:47 Nicole

    Liebe Christina,

    bäm – gut das mal rauszuhauen. Und auch nach Jahren des Unterrichtens fühlt es sich manchmal genauso an. Ich muss mir mal für meine Klasse am Dienstag ne Vertretung suchen und dann komme ich zu dir und will unbedingt mal Schülerin bei dir sein, denn egal wie viele Jahre ein Yogalehrer schon Erfahrung im Unterrichten hat oder ein Yogalehrer-Star ist und weltweit Workshops gibt, ich kann mir eine Lehrerin nicht entgehen lassen, die so viel Demut und Ehrlichkeit zeigt, wie Du, Love!

    Kisses, Nicole

  13. 14. April 2015 @ 9:47 Daniela

    Liebe Christina ….

    oh JA .. welch schönes Beispiel dafür, dass wir immer BILDER entwickeln, wie es sein könnte,
    und das Leben dann doch ganz *normal* sich offenbart ….

    welch GENUSS deine Worte. Danke.

    Mit Herzensgrüßen aus Tirols Bergen, Daniela


Would you like to share your thoughts?

Your email address will not be published.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

© Happy Mind Mag 2018 || Dein Blog für Yoga, Ayurveda, Meditation & Achtsamkeit || Fotos © Christina Waschkies | Sina Niemeyer (falls nicht anders angegeben)