Die Verhaltensregeln des Yoga heißen Yamas und Niyamas nach dem Gelehrten Patanjali

Die Yamas im Yoga – Yoga Philosophie für Anfänger

Das wirklich Interessante für mich an dem Yoga Sutras von Patanjali ist nicht nur seine unglaubliche Aktualität und Nachvollziehbarkeit (ich meine, der gute Mann hat diese Schriften vor ca. 2000 Jahren niedergelegt und manche Legenden munkeln, dass er auch zur Hälfte eine Schlange war, was ich bemerkenswert finden würde), sondern auch, dass sie nicht nur auf die Yogapraxis anwendbar ist, sondern eben auch „off the mat“ – im echten Leben.

Die Yamas und Niyamas sind die ersten Stufen des Raja-Yoga Weges, der acht Stufen umfaßt. Die Yamas sind Verhaltensempfehlungen, speziell in unserem Umgang mit anderen Menschen und die Niyamas Regeln für das Verhalten uns selbst gegenüber.

Hier kommen die Yamas:

Ahimsa (die Gewaltlosigkeit) Es beginnt bei der Gewaltlosigkeit Deinem eigenen Körper gegenüber, z.B. in der Yogapraxis. Sich eben nicht in den gebundenden-super-seitlichen-Winkel zu knoten, weil Du Deinem Körper wehtust. Und sich dafür auch nicht zu geißeln und niederzumachen, dass man eben noch Kilometer Arme davon entfernt ist, zu binden.

Es geht nämlich auch um die Gewaltlosigkeit in Gedanken und Worten. Sei nett zu Dir selbst. Sei nett zu anderen Erdenbewohnern. Jeder ist ein eigenes Universum, kämpft seinen eigenen täglichen Kampf gegen Ängste, Vorurteile, Zweifel und Herzschmerz. Da müssen wir nicht auch noch einen draufpacken, in dem wir unsere eigene Unzufriedenheit an anderen auslassen. Wenn wir lernen würden, uns selbst besser zu reflektieren, mal wahrzunehmen, wie wir uns selbst in Gedanken immer schlechtmachen (Stichwort: Steig mal auf die Waage oder der morgendliche Blick in den Spiegel), wäre schon der erste Schritt in die richtige Richtung getan. Um irgendwas im Außen ändern zu können, muß man im Innen beginnen. Und indem ich meine Schwächen, Ecken und Kanten in mir selbst zuerst erkenne, dafür Verständnis und Mitgefühl entwickeln kann, werde ich auch empathischer anderen gegenüber. Diese Gewaltlosigkeit bedeutet das „nicht verletzen“ von allen Lebewesen und Dingen, inklusive Dir selbst, weder durch Taten, Worte und sogar Gedanken.

Satya (Wahrhaftigkeit) ehrliche Kommunikation ist der Grundbaustein für alle Arten von Beziehungen: romantische, freundschaftliche, familiäre und geschäftliche.

Die Wahrheit zu sprechen ist so eine Sache und nicht immer ganz einfach. Es fängt mit der eigenen inneren Wahrheit an. Wie ehrlich bin ich zu mir selbst? Was gebe ich nach außen ab? Wenn ich ständig vorgebe, ein anderer zu sein, als der ich wirklich bin, begebe ich mich in Schwierigkeiten. Man kann nicht ewig eine Fassade aufrechterhalten, nur um irgendwo dazuzugehören und sich vielleicht nicht ganz so allein zu fühlen. Und wer dauerhaft schwindelt, muß ständig Angst haben, entdeckt zu werden, was einen auch nicht wirklich entspannt sein lässt. Außerdem täuscht man andere Menschen (inklusive sich selbst) und das ist echt unfair. Wir wissen selbst, wie sehr das schmerzen kann.

Man kann alle seine Lebensbereiche auf „Wahrhaftigkeit“ überprüfen. Paßt dieser Job noch zu mir? Bin ich in dieser Beziehung überhaupt noch glücklich? Sich in Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zu üben, ist ein super Einstieg. Sich selbst zu belügen, verlängert schmerzhafte Zustände nur noch sinnlos.

Man kann üben, die Wahrheit zu sagen. Mal die Übertreibungen, die subjektiven Annahmen, die Vorurteile etc. beiseite lassen und wir würden feststellen, dass wir nicht mehr ganz so viel zu erzählen hätten. Oder es auch nur halb so interessant wäre. Klatsch und Tratsch sind wohl das beste Beispiel von Abwesenheit von Satya.

Die Yamas und die Niyamas sind die Verhaltensregeln des Yoga

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Asteya (nicht stehlen) bedeutet nichts zu nehmen, was Dir nicht gehört, bzw. was Dir nicht freiwillig gegeben wurde. Dazu gehört z.B. sich nicht an anderen Personen zu bereichern, keine Raubkopien von Filmen und CDs zu ziehen, nicht unrechtmäßig Unterstützung vom Staat einzufordern und anzunehmen oder Steuern zu hinterziehen. Aber auch simple Dinge, wie jemandem die „Zeit zu stehlen“. Wenn ich jemanden anrufe, erst zu fragen, ob derjenige überhaupt gerade Zeit hat, sich meine Schimpftiraden über die Welt anzuhören. Oder zu einer Verabredung (oder zu einer Yoga Class) zu spät zu kommen. Im übertragenen Sinne stiehlst Du der anderen Person Zeit.

Es bedeutet, dass man eine gewisse Selbstständigkeit und Selbstverantwortung an den Tag legen muß. Mit dem zu arbeiten, was man hat und nicht mehr zu nehmen, als einem zusteht.

Asteya resultiert immer aus einem Gefühl des Mangels heraus; nämlich aus der Überzeugung, dass man materielle Dinge und externe Faktoren benötigt, um wirklich echt glücklich zu sein. Dies führt dann wieder zu einer Gier, die den Geist in totale Unruhe stürzt. Innerer Frieden fühlt sich irgendwie anders an.

Brahmacharyia (Mäßigung) bezieht sich auf alle Lebensbereiche. Man muß deswegen keine „Pinguin-Schwester“ werden und allem Schönen und Spaßigem abschwören. Es geht darum, zu wissen, wann etwas zuviel ist. Ein Glas Wein am Abend ist ok, jeden Abend eine Flasche Wein ist definitiv zu viel. Man sollte extremes Verhalten in jeder Hinsicht vermeiden, denn Körper und Geist geraten somit aus dem Gleichgewicht. Man kann Brahmachayria auch als Hinweis darauf sehen, sorgsam mit seinen Energien hauszuhalten. Sei es beim essen, beim shoppen oder beim Sex. Balance ist das Zauberwort

Aparigraha (nicht anhaften, nicht begehren) Oha. Schwieriges Thema. Gerade bei Schuhen. Aber mal im Ernst: wir alle haben höchstwahrscheinlich genug. Im Kleiderschrank, im Kühlschrank, im Keller, auf dem Dachboden, in der Garage.

Ich erwische mich in einer Tour beim Horten von Dingen, die ich vielleicht, möglicherweise, in bestimmten Situationen, irgendwann mal in meinem Leben gebrauchen könnte. Wenn du einen Blick auf meinen Dachboden werfen könntest, würdest du verstehen. Viel Besitz macht schwer und unfrei. Je mehr wir haben, desto mehr Angst haben wir, es wieder zu verlieren.

Es geht also auch um Habsucht. Man möchte immer mehr und immer etwas Anderes, etwas Neues. Wir sind nicht mit dem zufrieden, was wir bereits besitzen, sondern vergleichen uns ständig mit dem Nachbarn und dessen „MeinHausmeineFraumeineKindermeinAuto“. Der hat’s irgendwie besser. Und diese Gier nach mehr verhindert unsere Zufriedenheit und unser echtes Glück. Dass wir alles, was wir benötigen, bereits in uns tragen. Obwohl… das eine Paar Schuhe brauche ich nur noch. Die passen echt zu allem in meinem Kleiderschrank. Wirklich!

To be continued – die Niyamas

Dieser Text ist im Original am 11. März 2013 erschienen


Wenn du auch mal in einem 2000 Jahre alten Schinken stöbern möchtest, der aktueller nicht sein könnte: Patanjalis Yoga Sutra* ist ein echter Augenöffner!

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Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga. Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de oder schreib einfach eine Mail an Julie.  


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