warum ashtanga

Yoga. Every. Damn. Day. – Warum ich Ashtanga Yoga praktiziere

„The yoga happens within you“ – Sharath Jois

Es gibt so viele Yoga-Stile. Manchmal habe ich das Gefühl, es wird jeden Monat ein neuer geboren. Nun, Hauptsache ist doch, es ist für jeden etwas dabei! Für die einen ist es genau diese eine Richtung, für die anderen vielleicht eher ein guter Mix, der passt.

Meine Yoga-Geschichte

Eines Tages fühlte ich mich getrieben, ich wollte endlich tiefer eintauchen in alles, was Yoga ist. Meine wöchentliche Klasse und das Üben zu Hause, das alles reichte mir nicht mehr. Ein Stapel Bücher half auch nicht, denn es war für mich zu wenig greifbar. Ich wollte Yoga erleben, denn es ist so viel mehr, als ein paar Übungen auf der Matte. Nach einiger Recherche habe ich beschlossen, ich mach eine Ausbildung. Mir schien, nur so bekomme ich das geballte Wissen. Indien sollte es sein, da wo Yoga herkommt. Doch bei meinen Recherchen fand ich nur Ashtanga. No, no, no. Für mich war Ashtanga eine Vorstufe vom Cirque-du-Soleil. Bilder und Videos in den sozialen Medien hatten dieses Bild in meinem Kopf geprägt.

Mit Ehrfurcht habe ich eingesehen, dass es nichts mehr für dieses Leben ist und bin weiter auf virtuelle Yoga-Weltreise gegangen. Um dann letzten Endes wieder in Indien zu landen, bei der ersten Schule, die ich gefunden hatte. Mein Bauch und mein Kopf haben heftig gestritten. Mein Bauch war sicher: Das ist es, da gehen wir hin! Mein Kopf hat dagegen gewettert: Das ist eine Nummer zu groß für dich! Das schaffst du nie! Du wirst kläglich versagen.

Ich bin gefahren und es war eine der größten, tollsten, berührendsten, anstrengendsten und lehrreichsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Ashtanga. Nein, ich habe es nie zuvor praktiziert. In Indien zum ersten Mal. Meine Güte, dass war wirklich mutig. Hätte ich vorher eine Klasse besucht (was ich eigentlich wollte), wäre ich wohl nicht gefahren. Ins kalte Wasser springen, war schon immer der beste Weg für mich.

Ashtangi forever?

Wieder zurück konnte ich mir allerdings nicht vorstellen jeden Tag nur Ashtanga zu praktizieren. Noch dazu immer das gleiche, wie langweilig! Es hat noch mal ein Jahr gedauert, bis mich genau das, was ich für langweilig gehalten habe, überzeugt hat. Es ist ganz und gar nicht langweilig. Es öffnet die Türen für das MEHR, was ich gesucht habe. Mein Körper weiß was passiert. Kennt jede Position, alle Verbindungen, den Ablauf. Kein Denken. Kein Überlegen. Einfach machen. Meine Atmung (Ujjayi) ist laut und gibt mir den Rhythmus. Das Bekannte erlaubt mir mich vom Äußeren zu lösen und nach innen zu gehen, meinen Körper zu spüren. Wie er zum Beispiel plötzlich ganz weich wird, ich mich regelrecht in den Downward Facing Dog kuschele. Wie meine Füsse, meine Zehen warm werden und ich dann über sie rollen kann. Wie auf einmal alles leicht wird. Dann fühle ich mich meinem Ziel, einer ‚moving Meditation‘ ein klein wenig näher.

Was lehrt Ashtanga mich?

Geduld. Na ja, da bin ich noch immer nicht wirklich gut drin ;-) Ich lerne. Auch wenn ich mich mittlerweile dem Ashtanga verschrien habe, ich schaffe es nicht immer jeden Tag. Dennoch bin ich jeden Tag auf der Matte. Übe. An Tagen, an denen ich zum Beispiel unterrichte, ist das volle Programm oft nicht mehr drin. Aufwärmen, Sonnengrüsse und ein Kopfstand, das passt allerdings immer! Vor allem der Kopfstand, der rüttelt irgendwie meine Welt wieder gerade, ganz wunderbar. Noch immer gibt es Asanas in der Primary Series, die ich nicht kann. Ich habe aufgehört, mich unter Druck zu setzen. Es wird passieren, wenn ich soweit bin. Und wenn nicht, dann ist es auch egal, ich will ja nicht beim Cirque-du-Soleil anheuern.

Nicht hinterfragen, machen. Oh. Das war sehr lehrreich in Indien. Die Lehr-Methodik dort eine ganz andere. Machen, nicht fragen, nicht verstehen. Da rebellierte alles in mir. Irgendwann habe ich es dann kapiert. Es tat gut. Einfach mal seinem Lehrer vertrauen und mitmachen. Die Ashtanga-Sequenzen machen Sinn. Natürlich habe ich sie zu Hause verändert. So wie es mir besser in den Kram passte. Was ein Quatsch. Die Sequenzen sind perfekt aufeinander abgestimmt, ich habe das Lehrgeld bezahlt.

Let go. Ganz gross. Ein ewiges Thema. Zu-lassen. Los-lassen. Geschehen-lassen. Gehen-lassen. Keine der etwas schwierigeren Asanas gelingt mit reiner Muskelkraft und/oder Technik. Sie passiert in genau dem Moment, in dem ich loslasse. Keine Sekunde vorher.

Akzeptanz. Ein noch grösseres Thema. Ich lerne zu unterscheiden, was mich antreibt. Ist es mein Ego? Ich lerne zu akzeptieren. Mich zu akzeptieren. Genau da, wo ich in dem Moment bin. Mein Ego wegschicken, das mir ständig erzählen will, was ich ‚muss‘. Oder ich sei nicht gut genug. Pah. Ego, du bist entlarvt.

Fokus. Fokussieren auf mein inneres Licht, denn nichts kann das Licht meines Herzens dimmen, was auch immer um mich herum passiert. Was gestern war ist vorbei. Was morgen ist, ist noch lange nicht da. Alles, was zählt ist JETZT. Erwartungen von gestern? Angst vor Morgen? Das eine vorbei, das andere in weiter Ferne. Entspann dich. Sei aufmerksam im Hier und Jetzt. Es gibt nichts anderes.

Atmen. Ganz banal und ich konnte es nicht. Nicht bewusst. Die Verbindung von Asanas und Atem haben mir den Weg gezeigt. Ich liebe es in einer Ashtanga led-class, wenn alle gleich atmen, was für eine unfassbare Energie! Obwohl ganz bei mir, fühle ich mich getragen. Plötzlich ist alles möglich.

Take it easy. Ashtanga ist sehr strikt. Ein Korsett, das dennoch nicht einengt, sondern befreit. Eine Erfahrung, die über die Zeit immer intensiver wird und die auch einige Zeit braucht, um ihre Schönheit und Wirksamkeit zu offenbaren.

Nein, ich will dich nicht bekehren! Das ist meine Geschichte und ich hoffe, sie inspiriert dich ein wenig auf deinem Weg. Was auch immer für dich funktioniert, was sich gut und richtig anfühlt, hinterfrage es nicht dauernd, sondern öffne dich. Einfach machen. Lernen. Und geniessen. Der Yoga Weg ist wunderbar. Egal welchen Stil du praktizierst. Oder welchen Mix. Bleibe dir treu.


 

Meine Buchempfehlung:
Nicht nur für Ashtangis: Ashtanga Yoga: Practice and Philosophy. Ein sehr umfangreiches Werk, welches alle Asanas der Primary Series detailliert beschreibt, inklusive Modifikationen, zudem den anatomischen Hintergrund beleuchtet und im Anschluss noch Pantanjalis Yoga Sutras übersetzt. Eigentlich gleich mehrere Bücher in einem, prima auch zum Nachschlagen.
 

Spielst du mit dem Gedanken, ein Yoga Teacher Training zu machen? Dann schau dir doch mal die 5 Fragen & Antworten zu deiner ersten Yogalehrerausbildung an. Was bei der Auswahl des richtigen YTT zu beachten ist, kannst du hier nachlesen.

 

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Kathrin arbeitet hauptberuflich im Marketing eines grossen Konzerns. Daneben hat die gelernte Designerin und Coach sich auf Persönlichkeitsentwicklung spezialisiert und darauf, was wir tun können, um ein wenig gelassener und leichter, aber auch achtsamer und bewusster unser Leben zu geniessen. Ihr Blog gibt hierzu Tipps und Tricks und erzählt auch einfach nur mal ein wenig aus dem Nähkästchen. Kathrin praktiziert Yoga als den Weg zu sich selbst. Ob in ihrer eigenen Praxis oder als Yoga Lehrerin - Körper- und Kopf-Arbeit gehen für sie Hand in Hand, Yoga als das Treffen mit unserer Seele. Die Basis ihres Unterrichts ist Ashtanga Yoga, geprägt von sanfter Achtsamkeit.


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