Zufriedenheit im Yoga

Yoga im Alltag: Heute Santosha, Botox und ich

Ich habe neulich sinniert wie viel Yogi ich eigentlich so bin. Immerhin turne ich ja ständig auf der Matte rum, meine Lieblingskleidung sind Leggings und ich achte penibel auf schön lackierte Fußnägel (im Gegensatz zu den Fingernägeln. Aus unerfindlichen Gründen bin ich da tendenziell etwas legerer unterwegs). Ich find, ich bin ein echter Yogi, oder Yogini wie man so schön sagt. Ich hab mich gefreut und mein Yogi-Ich im Spiegel begrüßt. Zufrieden sah es aus und glücklich.

Dann habe ich ein Buch gelesen. Urlaubslektüre im Osterurlaub war bei mir angesagt und „Yoga Bitch“ von Danijela Pilic machte das Rennen. Ich wollte mal was leichtes, was ohne viel Nachdenken und so. Während Sohn 3 also Yoga mit den Sandburgen machte, las ich am Strand ein heiteres Büchlein. Es war kurz und frech und ein wenig heiter – ich habe es genossen. Die Protagonistin ist sympathisch und bodenständig, ich konnte mich gleich gut mit ihr identifizieren. Sie turnt und quatscht und optimiert sich so fröhlich durch das Buch. Es wird gebleacht und gebotoxt, Oberschenkelstraffungskuren unternommen und vieles mehr. Sie ist mit sich zufrieden am Ende. Der Zauber des Buches hielt an bis ich durch war. Dann habe ich in den Spiegel geschaut und überlegt: Sollte ich mich auch optimieren?

Bist du mit dir zufrieden?

Da stand ich nun. Ein wenig Urlaubsbräune im Gesicht, ein paar Augenringe auch, kleine Lachfältchen um die Augen und habe mich inspiziert: Wo kommen denn die Falten? Sind es mehr? Ist das eine angemessene Anzahl für mein Alter? Immerhin werde ich in diesem Jahr zarte 45 Jahre alt. Dann fiel mein Urteil: Am Mund habe ich welche, die sind irgendwie komisch und diese Falte, die von der Nase schräg runter läuft, die ist auch nicht ohne. Wenn man dann dabei ist, kann man ja gleich weiter schauen: Was ist denn mit dem Körper los? Irgendwie sind auch meine drei entzückenden Söhne nicht total spurlos an mir vorbei gegangen (Merkwürdig, scheine auch hier einen anderen Genpool (oder Personal Trainer?) als die Heidi Klums dieser Welt zu haben). Ich sah mich plötzlich mit anderen Augen. Sollte ich was machen lassen? Macht man das heute so? Gehört das dazu?

Verstehen woher die Zweifel kommen

Zum Glück hat mich die Vernunft bald wieder gehabt. Ja, da war diese Frau im Buch und die hat sich so richtig verschönert und natürlich lief danach alles besser (ist ja ein Buch). Und natürlich gibt es Teile an mir, die nicht perfekt aussehen – nach unseren Schönheitsidealen jedenfalls. Ich habe rausgeschaut in den Frühling. Draußen grünt alles und sprießt. Jede Pflanze findet ihren Weg aus der Erde, blüht auf und reckt sich der Sonne entgegen. Meine Oma hat immer gesagt: „Eine Tulpe ist eine schöne Tulpe, aber eine schlechte Rose.“ Stimmt, oder?

Der Ärger fängt mit dem Vergleich an. Es ist eine Crux! Wir alle vergleichen, es gibt uns zum einen Sicherheit, wir können uns einordnen. Vergleichen macht aber leider eher unzufrieden, denn wir sind erzogen auf Defizite zu schauen. Schon mein 6-Jähriger sagte neulich: „Mach du das Mama, ich kann das nicht so schön.“ – es ging um eine Geburtstagskarte. Verrückt, oder? Natürlich ist seine kleine Krakelschrift viel zauberhafter als meine routinierte Schreibschrift. Doch er sah nur, was er noch nicht kann. Au weia. Und ich sah nur noch, wo was zu optimieren war. Schluss damit!

Santosha – Zufriedenheit

Wenn wir erkennen, woher unsere Zweifel kommen, dann erkennen wir den Irrsinn. Wir alle sind verschieden, wie die Blumen da draußen. Selbstliebe ist ein Prozess. Ein lebenslanger Lernprozess, der immer wieder auf die Probe gestellt wird. Wenn wir neue Rollen einnehmen – wie zum Beispiel die des Yogi, dann schauen wir: Was machen die anderen? Und sehen all die Bilder und all die wilden Posen, die schlanken Beine und braunen Arme. Ja, gibt es. Zu lieben wo wir sind auf unserem Weg und zu lieben wer wir sind, wie wir aussehen, was uns ausmacht, DAS ist eine echte Kunst. Das ist Santosha nach Patanjali. Das ist Yoga – Yoga im Alltag.

Also mache ich nix mit Botox, Bleaching oder Bauchstraffung. Ich übe Santosha und versuche diese neuen Falten um meinen Mund zu lieben. Sie zeigen ein bisschen nach oben im Mundwinkel. Ich glaub das heißt ich lächle viel. Gutes Zeichen eigentlich. Ich sag: Das wird – mit mir und Santosha.

Foto via Gluecksplanet 

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Silja ist Mama von drei Söhnen, von Beruf Trainerin, Coach und Yogalehrerin. Sie liebt Psychologie, Yoga, grünes Essen und alles, was das Leben schöner, leichter, fröhlicher macht. Du kannst sie u.a. in Workshops zum Thema „Yoga & Psychologie“ erleben und auf ihrer Seite  www.glücksplanet.de mehr von ihr lesen.  


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