Ehrgeiz im Yoga - wann ist zu viel zu viel?
Wenn Yoga zu Stress wird

Yoga ist Transformation

Wenn Yoga zu Stress wird  It’s not important how it looks like, it’s important how it feels. – Bryan Kest

Yoga ist Transformation – dieser Satz ist im Yoga allgegenwärtig. Ich habe ihn schon so oft gehört, dass ich eigentlich dachte, ich hätte ihn verstanden. Gemeint war doch wohl, dass bei steter, disziplinierter Yogapraxis aus mir ein anderer, besserer Mensch werden würde. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon – vor Glück strahlend, vor Gesundheit und Schönheit strotzend, alles um mich herum liebevoll annehmend, niemals ungeduldig, beurteilend, neidisch etc. Also bemühte ich mich redlich; rannte auf jeden Workshop, ließ kaum eine Yogastunde aus, verschlang kiloweise Yoga-Philosophie-Bücher. Das brachte mir einen Haufen wunderbarer Körpererfahrungen und theoretisch-philosophischer Aha-Erlebnisse – glücklich und gesund machte es mich aber komischerweise nicht…

Zu viel Druck, zu wenig Liebe

Mein „spiritueller Ehrgeiz“ führte ganz im Gegenteil dazu, dass ich dauergestresst war. Ich möchte fast sagen, ich verhärtete – alle, die nicht ausschließlich ethisch verträgliche Produkte konsumierten, als Hardcore-Veganer Tiere schützten und in therapeutischer Behandlung waren, um ihre schrecklichen alten Muster loszuwerden, deprimierten mich.
Dann nahm mein Mann mich eines Tages beiseite und sagte mir, wie erschöpft ich aussähe und dass er der Meinung wäre, dass ein bisschen weniger Yoga-Gehetze und etwas weniger rigide moralische Ansprüche besser für mich wären. „Vielleicht legst Du Dich einfach mal abends auf die Couch zu mir und wir gucken einen Action-Film und essen Pizza?“ Der Vorschlag regte mich ungemein auf – ich wollte doch nicht ruhen, bis ein besserer Mensch aus mir geworden war und konnte unmöglich abends vor den Fernseher statt zum Yoga! Ein Action-Film! Wo ich doch seit Jahren keine Belletristik mehr las, keine Hörbücher hörte und TV und Kino abschwören wollte. Pizza! Etwa noch aus Weizen, ja?! Mir war klar, dass mein Mann mich nur vom rechten Weg abbringen und auf die Seite der hedonistischen Konsum-Terroristen ziehen wollte.

Alles ist gut so, wie es ist

Kurze Zeit später allerdings konnte ich einfach nicht mehr – ich war körperlich und psychisch einfach nur noch erschöpft. Der Platz neben meinem Mann auf der Couch kam mir täglich attraktiver vor. Und eines Tages lag ich dann da. Mit schlechtem Gewissen und schrecklicher Angst, dass nun mein spiritueller Abstieg eingeläutet war. Nach einer Weile – na gut, nach mehreren Monaten, in denen ich immer wieder mit schrecklich schlechtem Gewissen eine Yogastunde sausen ließ und stattdessen auf der Couch die Füße hochlegte –  ging es mir besser. Ich nahm zu, mein Kiefer entkrampfte und hin und wieder lachte ich herzlich über irgendeinen doofen Sitcom-Spruch.
Und igendwann wurde mir klar, dass mir diese Stunden auf der Couch wirklich und wahrhaftig gut taten – dass ich tatsächlich verändert war, und zwar zum Besseren für mich und meine Umwelt.

Und die Moral von der Geschicht:

Vielleicht transformiert sich durch Yoga vor allem die Perspektive. Vielleicht ist es viel mehr Yoga, sich zu entspannen und aus dieser Entspannung heraus zu erkennen, wie schön die Welt und das Leben ist – anstatt irgendwelchen Vorstellungen von einem schönen, neuen Ich nach zu hecheln. Dieses innere Glück, dieser Zufriedenheit, diese liebevolle Haltung gegenüber allem macht nicht nur ungemein glücklich, es ist auch die Grundlage für noch mehr Glück – echte (Selbst-)Liebe, wirkliche Vergebung, wahres Miteinander. Das ist Transformation.

Da hat Bryan Kest eben recht: Es ist egal, wie es aussieht – und wenn es auf der Couch lümmeln ist – wichtig ist nur, wie es sich anfühlt.

Katharina Goßmann-Klofat (Yogaeasy.de)

 

 

 

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'Yoga ist Transformation' have 3 comments

  1. 14. Oktober 2013 @ 9:47 jenny

    so sieht’s aus ❤

  2. 14. Oktober 2013 @ 9:47 Christina

    Sehr gut ma chere. Du weißt einfach wie’s geht :) Ich hab mich heute auch gegen die 10 Uhr Yogaclass entschieden und gehe jetzt erstmal Mittagessen. Easy Peasy rules. <3

  3. 14. Oktober 2013 @ 9:47 jenny

    So true! Manchmal ist es eben yogischer, nicht zum Yoga zu gehen.
    Diesen Entschluss habe ich im Übrigen erst heute Morgen um 8 Uhr wieder gefasst, als mein Wecker klingelte. Denn ich werde heute Nachmittag deutlich relaxter in meinen Arbeitsalltag starten, wenn alle Emails beantwortet sind und ich Zeit für 2 entspannte Mahlzeiten und ein Schaumbad hatte ;)


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