Yoga lost & found

Kennst du das auch? Man ist ganz angetan von seinen ersten Yogastunden und merkt, dass man endlich das gefunden hat, was irgendwie fehlte. Was für ein gutes Körpergefühl und einen happy mind sorgt, und irgendwie sonst auch ganz toll ist. Man sagt praktizieren statt trainieren, liebt irgendwann die Krähe, den Hund, und womöglich gar den Skorpion, weil diese Asanas (richtig: nicht Übungen) so „entspannend“ sind. Man nimmt an Workshops teil, lernt über Anatomie, macht vielleicht sogar ein Teacher Training in möglichst exotischer Location, unterrichtet gar eine Weile – und plötzlich merkt man, dass Yoga durch irgendwelche Umstände fast gänzlich aus dem eigenen Leben verschwunden ist.

Yoga lost

Wenn man nicht mehr jeden Tag zum yogen kommt, vielleicht nur noch einmal die Woche ins Studio geht, Chaturanga nicht mehr so leicht fällt und man Yoga plötzlich schmerzlich vermisst. Genauso ist es mir ergangen.
Bei mir gab es dafür einen klaren Grund. Vielleicht sogar mehrere. Nach Jahren des Yoga geprägten Lebens in Hamburg saß ich plötzlich umringt von Wolkenkratzern, SAP und Microsoft Gebäuden in der Media City Dubais im Lotussitz. Ich fragte mich, wie das zusammen passen sollte.

Vor wenigen Monaten bin ich in die Vereinigen Arabischen Emirate gezogen, der Liebe wegen. Neuer Job, neue Branche, neues Land, andere Kultur, andere Sprache, neue Wohnung, neue Kollegen, keine Freunde – einfach mal ein Reset. Unbeabsichtigt. Einige Monate voller Arbeit, viel Arbeit, sehr viel Arbeit und Stress, hektischer Umgebung, cholerischer Chefs – haben wir nicht extra deshalb Yoga in unser Leben gelassen, um in genau solchen Situationen besser zu handeln?

Meine Freundin sagte zu mir in dieser Zeit: „Meditiere jeden Tag 30 Minuten. Wenn du keine Zeit hast, dann meditiere 60 Minuten.“ Sehr wahr, aber irgendwie für mich nicht machbar. Mich stresste meine anfangs sogar noch existierende Yogapraxis. Was ist passiert?

Die gute Nachricht zuerst: Ich hab’s wieder gefunden. Hier ein paar Tipps, wie es bei mir geklappt hat:

  • Versuche, Yoga zu gut es geht in deine derzeitige Lebenssituation zu integrieren. Wer gerade in einer sehr intensiven Arbeitsphase ist, viele außerberufliche Verpflichtungen wahrnehmen muss oder gerade ein Kind bekommen hat, kann eben manchmal einfach nicht täglich 90 Minuten üben. Dann sind es eben nur 20 oder gar 10 Minuten. Hauptsache, man rollt die Matte aus. Idealerweise „every damn day“.
  • Akzeptiere wenn es aus irgendeinem Grund nicht klappt. Das ist besser, als sich selbst damit zu stressen. Dann eben morgen wieder. Dennoch: Denke dran, selbst 10 Minuten bringen was. Und die sind eigentlich immer drin, wenn man mal ganz ehrlich ist.
  • Akzeptiere auch, dass sich die Yogapraxis ändert. Es gibt Phasen, da sehnt man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag nach einer Yin Yoga Praxis. Auch wenn der Kopf sagt, dass eine anstrengende Vinyasa Praxis nach 12 Stunden sitzen vielleicht besser wäre – zwinge dich zu nichts. Höre auf deinen Körper (aber nicht mit dem inneren Schweinehund verwechseln).
  • Verzweifle nicht wenn du merkst, dass du eine Zeit lang geschludert hast und vielleicht nicht mehr so flexibel bist. Fang einfach wieder an – du hast es doch schon mal geschafft, deine Kraft und Flexibilität aufzubauen.
  • Suche dir eine Klasse und einen Lehrer, die dir gut tun, und mache diese zu einem festen Termin. Manchmal muss man etwas rumprobieren. Ich brauchte eine Weile bis ich endlich wieder eine Lehrerin gefunden habe, die ich richtig toll finde. Lustigerweise kommt sie aus Hamburg, aber das ist wirklich Zufall.
  • Denke daran, dass die Stunde zeitlich passen muss. Meine sind nun am Wochenende und einmal abends zu einer Zeit, die ich zu 95 % zeitlich schaffen kann.
  • a) Bringe Abwechslung in deine Home Practice: Ich habe mich in einem Online-Yogastudio angemeldet – und muss sagen, dass ich gern damit übe und so auch verschiedene, richtig gute Lehrer kennenlerne.
    b) Oder: Praktiziere Sonnengrüsse oder Ashtanga Yoga, dort ist die Abfolge immer gleich und somit kann man seinen Geist wirklich abschalten lassen. Jeder ist da etwas anders. Probiere aus, was dir besser tut. Vielleicht auch einfach mal so, mal so? Erinnere dich an Punkt 1.
  • Kreiere eine schöne Atmosphäre für deine Heimpraxis. Ich habe gemerkt, dass das unglaublich wichtig für mich ist. Kerzen, Blumen und dazu mein Ausblick aus dem 28. Stock auf’s Wasser – herrlich.
  • Kleine Yogarituale, vor allem Pranayama, in den Alltag integrieren: Ich habe selbst in stressigsten Zeiten ein paar Minuten mit Augen zu vorm Einschlafen im Bett gelegen und mir vor Augen geführt, für was ich dankbar bin. Und dann in Savasana meditiert. Das klappte nicht immer, aber immer öfter. Und Bienenatmung auf dem Weg im Auto nach Hause wirkt Wunder nach einem stressigen Tag – oder Ujayi auf dem Weg ins Büro.
  • Vertraue darauf, dass Yoga wieder in dein Leben findet.

Weg mit der spirituellen Faulheit und ab auf die Matte:

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About

Britta ZietemannBritta ist leidenschaftliche Weltenbummlerin, liebt das Meer und arbeitet seit über zehn Jahren in der Kommunikation und im Journalismus. Sie hat alle möglichen Sportarten ausprobiert, aber bis die Liebe zum Yoga entfacht wurde, hat es einige Zeit gedauert. Mit Ashtanga Vinyasa Yoga hat sie ihre Stilrichtung gefunden und yogt nun fleißig seit einigen Jahren. Anfangs aus Fitnessgründen, mittlerweile aus allen möglichen anderen guten Gründen. "Leider bin ich niemand, der sich leicht verbiegen kann oder eben mal so in Utthita Hasta Padangusthasana hineingleitet - ich muss für die meisten Asanas hart arbeiten. Aber Yoga wirkt eben ganzheitlich und ist für mich trotz meiner furchtbaren Ungeduld extrem faszinierend." Als Lesefan hat sie vermutlich fast jedes Yogabuch auf dem deutschen Markt gelesen - Tipps dazu folgen bald.


'Yoga lost & found' has 1 comment

  1. 20. August 2015 @ 9:47 Evelyn

    Danke Britta, vor allem für Punkte 3 und 7b;)


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