Yoga & Politik - sollte Yoga politisch sein? Wir fragen Christy McKenzie
Sollte Yoga politisch sein?

Yoga & Politik

Als Yoga-Lehrer frage ich mich manchmal, ob Yoga politisch ist. Oder sein sollte.

Zur Zeit sind die Olympischen Spiele in Russland sehr umstritten. Eigentlich per se kein politischer Event. Trotzdem setzen auch die Olympischen Spiele indirekt politisch Zeichen.

Werden die Olympischen Spiele von Interessengruppen instrumentalisiert oder ist es die Pflicht solcher Veranstaltungen sich auch ihrer politischen Tragweite bewusst zu sein? Kann etwas ähnliches mit Yoga passieren oder ist es schon passiert? Es gibt Yoga-Stile in denen immer wieder in Klassen davon gesprochen wird, vegan oder wenigstens vegetarisch zu leben.

Ich habe noch keine Klasse erlebt in der mir gesagt wurde, wie ich wählen sollte, aber manchmal fühlte man sich als sei man kurz davor. In Anbetracht der bevorstehenden Bundestagswahlen in Deutschland habe ich zwei von mir sehr geschätzte Yoga-Lehrerinnen um ihre Meinung zu diesem Thema gebeten. Beide sprechen mir aus der Seele und wenn sie auch nicht beide das Selbe sagen, widersprechen sie sich auch nicht.

Christy Nones McKenzie ist eine international anerkannte Yoga-Lehrerin aus Miami, Florida, wo ich sie 2010 kennengelernt habe.

Sie fasziniert durch ihre offene, freundliche Ausstrahlung und hat eine wunderbare Klarheit in ihrer Lehre und in ihrem Handeln.

“Einer der wichtigen Grundsätze der Yoga-Philosophie ist die Idee, das alle Lebewesen auf diesem Planeten grundsätzlich verbunden und gleich sind auf der Ebene unserer Seele. Deshalb finde ich es interessant, was während Wahlen passiert. Obwohl es einfach ist eine starke Überzeugung zu haben und kritisch alle zu verurteilen, die eine andere Meinung haben, finde ich es persönlich nicht besonders yogisch. Wenn Yoga für Mitgefühl und Verständnis steht und uns daran erinnern soll, was uns über alle Unterschiede hinaus verbindet, dann sollten wir als Yoga-Lehrer die Stimmen sein, die Menschen daran erinnern, in wichtigen Wahl-Diskussionen auch achtsam zu sein.

Yogalehrerin aus den USAAnstatt unsere eigene Überzeugung in Klassen und öffentlichen Stellungnahmen Kund zu tun, finde ich es eleganter die Menschen an die Ideale yogischer Lebensweise zu erinnern, sie zu inspirieren, in ihrer Gemeinschaft auf eine Art aktiv zu werden, die für sie richtig ist. Warum sollte man Menschen nicht ermutigen, sich mit dem, was ihnen wichtig, ist zu beschäftigen, das Thema zu erforschen und in einer Partei aktiv zu sein, die ihnen entspricht – solange sie es auf eine Art zu tun, die andere Meinungen und Standpunkte auch respektiert? Anstatt Menschen eine bestimme Wahlentscheidung vorzugeben, glaube ich, dass die dharmische Wahl eines Yogalehrers die sein sollte, seine Schüler anzuregen, über Ihren Standpunkt und Werte nachzudenken und an Wahlen achtsam teilzunehmen. Und sie sollten daran denken, dass jemand, der in Opposition zu den eigenen Ansichten steht, deshalb nicht zu Feind wird, sondern zu einem wertvollen Diskussionspartner.”

Katchie Ananda habe ich 2010 bei einer Immersion in Zürich kennenlernen dürfen. Für mich ist sie nach wie vor eine der inspirierendsten Lehrerinnen weltweit. Wie keine andere lehrt sie nicht nur Yoga, sondern lebt es auch. Sie ist präsent und trotzdem bescheiden. Sie setzt die Dinge um, von denen sie überzeugt ist.

“Ich glaube absolut, dass Politik zum Yoga gehört. In einem Sinne von “Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben”. Yogalehrerin Politik betrifft uns schliesslich alle und ich sehe uns als Yoga-Lehrer als diejenigen, die für Frieden und Konfliktlösung stehen, statt Krieg. Wir stehen für Gerechtigkeit und einen vernünftigen Umgang mit der Umwelt. Wenn nicht wir, wer wird dann für diese Werte einstehen? Wir können nicht mehr auf ‘die da oben’ warten, die Entscheidung zu treffen in welche Richtung wir uns als Bevölkerung dieser Welt bewegen. Unsere Welt befindet sich an einem Scheidepunkt.

Es gibt viele Themen, die adressiert werden müssen und es ist klar, dass sie im Moment nicht adressiert werden. Wir müssen eine kritische Masse erreichen, so dass wir – als die Menschheit – den richtigen Weg in die Zukunft einschlagen können. Wir als Yoga-Lehrer haben die Verantwortung Vorbild zu sein für unsere Schüler und die Öffentlichkeit. Spiritualität wurde viel zu lange von der Wirtschaft getrennt und das ist zum Teil Ursache für den Schlamassel in dem wir uns jetzt befinden. In Burma, als die Regierung die Wälder zerstören wollte, haben Mönche die ältesten Bäume als “Vertreter des Waldes” besetzt. Und es hat funktioniert. Sie konnten einen Teil des Waldes retten. Aus meiner Sicht kann es sich niemand leisten, nicht politisch zu sein, wenn wir unseren Planeten retten wollen. Und besonders unsere Stimmen, die Stimmen, die für Vernunft, Frieden, Gerechtigkeit und Mitgefühl stehen, müssen jetzt gehört werden.”

Ich denke, dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Hört auf Euer Herz.

Wir sind die, auf die wir gewartet haben.

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About

Clemens Frede ist Yoga Lehrer in Hamburg und schreibt einen eigenen Blog über Yoga und das Leben. Besucht Clemens auf seinem Blog www.clemensfrede.com oder schreibt ihm eine Mail. 


'Yoga & Politik' has 1 comment

  1. 26. August 2013 @ 9:47 Maria

    Das ist ja schön dass du jetzt auch hier schreibst! Liebe Grüße nach Hamburg von Maria


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