„Das ist ja total unyogisch!“ – Die Yoga Polizei

Da sitzt man nichts ahnend an einem Ort den Yogi(ni)s frequentieren und plötzlich hört man aus einer Ecke „Das geht ja gar nicht! Ist ja total unyogisch!!“….Die Yoga Polizei. WIE BITTE?!

Meine sorgfältig gezupften Augenbrauen schießen Richtung meines gesträhnten Haaransatzes, meine pedikürten Yoga-Fußnägel rollen sich spontan Richtung Kniescheibe hoch und mein Milchkaffee Getränk mit Vanillearoma schwappt auf meine H&M Leggins. Halt, halt, stoooop! Hab ich was verpasst oder gab es irgendwo „Erleuchtung“ to-go? Ja. Es ist total schön zu sehen, wie Yoga Einzug in die Normalität hält, keine Frage.

 

In Tageszeitungen, Frauenzeitschriften, im Fernsehen: Yoga ist momentan überall.

 

Studien über die vielen positiven Effekte Yoga’s werden veröffentlicht; Kindergärten und Schulen bieten mit wachsendem Erfolg Yogakurse für Kinder und Teens an. Mütter, Großmütter, Singles, Verheiratete, Männer, Frauen – fast jeder hat mittlerweile mal eine Yogastunde hinter sich gebracht und viele bleiben dabei. Weil es sich gut anfühlt. Weil man plötzlich wieder richtig gut schlafen kann. Weil die Rückenschmerzen weggehen. Weil es geschmeidiger und fitter macht. Weil es einfach richtig Spaß machen kann. Die Gründe, die Menschen zum Yoga bringen sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst.

Und ja: Hinter dem ganzen körperorientierten Yoga, das wir hier im Westen praktizieren, steht natürlich auch noch eine uralte Philosophie. Ach ja. Und wie supertoll, wenn man über das praktizieren hinaus, Bezug zu den Schriften aufbauen kann, sei es zur „Gita“ oder zu den Sutras von Patanjali. Und vielleicht sogar bestimmte Dinge für sich umsetzen kann, wie z. B. behutsamer mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen, vegetarisch oder sogar vegan zu leben oder ganz banal einfach täglich Yoga zu üben. Und wäre es nicht einfach unglaublich wundervoll, wenn noch viel mehr Menschen Yoga praktizieren würden, vor allem natürlich, die Menschen, die uns besonders nahe stehen und…, Halt! Gleich hier, Stoppomat – Ho, Brauner.

 

Bitte versucht, euren missionarischen Eifer wieder unter Kontrolle zu bekommen

 

Lasst andere Menschen am Leben, auch wenn diese sich gerade eine Bratwurst quer ins Gesicht stecken, ohne drei Liter Kaffee den Tag nicht überleben, es noch wagen, bei Ikea oder H&M einzukaufen und Yoga praktizieren, weil es (unter anderem) einen tollen Po macht. Bloß weil Yoga DEIN Leben positiv beeinflusst hat, muss es nicht dasselbe für deine beste Freundin oder den Mann an deiner Seite bedeuten.

Auch das ist Yoga: bei sich zu bleiben und lernen nicht zu (be)werten (siehe meine Artikel über die Yamas und Niyamas). Im Yoga geht es um den Blick nach innen und zwar in das eigene „Innen“ und nicht das „Innen“ anderer. Und bloß weil die Kollegin Fleisch isst, muss man nicht gleich das Gesicht in Falten legen und das Unwort des Jahres hinter ihrem Rücken flüstern: Unyogisch!

 

Unyogisch ist es, über andere zu urteilen

 

Unyogisch ist auch, das eigene Verhalten als das ultimativ Einzige und Beste darzustellen. Und klar ist das toll, wenn du alles dafür tust, um deinen ökologischen Fussabdruck so klein wie nur möglich zu halten. Aber mach es doch bitte nur deswegen, weil du wirklich daran glaubst, mit deinem Verhalten etwas ändern zu können und nicht, weil du Applaus und Aufmerksamkeit brauchst.

Also, kriegt euch wieder ein. Es ist nur Yoga und ob es nun jeden von uns automatisch zu einem besseren Menschen macht, wage ich mal zu bezweifeln. Aber komplett ausschließen kann ich es auch nicht. Denn irgendetwas passiert immer mit den Menschen, die regelmäßig Yoga praktizieren. Und sei es nur, dass die Mundwinkel mal länger oben bleiben. Was ja schon mal eine ganz gute Grundlage ist.

 

 

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Julie Meyer-Christian ist Yogalehrerin, Mantrasängerin und Mama einer hervorragenden Tochter. Am liebsten arbeitet sie an verschiedenen Yogaprojekten, Workshops und Retreats mit ihr gleichgesinnten Seelen und gibt leidenschaftlich gern dynamische Vinyasa Power Yoga Classes, sowie, als Ausgleich, sanftes Yin Yoga. Ihr findet Julie und ihre Projekte hier www.peace-love-yoga.de und hier www.juliaelena.de oder schreib einfach eine Mail an Julie.  


'„Das ist ja total unyogisch!“ – Die Yoga Polizei' have 2 comments

  1. 18. September 2016 @ 9:47 Christina Waschkies

    Danke, das freut uns!
    :)

  2. 16. September 2016 @ 9:47 Jessica

    Der Beitrag ist herrlich! Ich habe ihn 3x gelesen :-)


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